Die dunkle Seite des Internets

Markenpiraterie

Markenpiraterie
Der Internethandel ist ein florierender Markt mit wachsenden Umsätzen, doch bietet er auch neue Vertriebsmöglichkeiten für Wirtschaftskriminelle. Bild: Adobe Stock
Autor: Maximilian Fuchs

Was im realen Leben oft nur in Hinterhöfen zu finden ist oder unter der Ladentheke ominöser Händler verkauft wird, kursiert im Web in Hochglanzoptik: Produktfälschungen zum Kauf per One-Click Button. Dabei schadet Markenpiraterie der deutschen und europäischen Wirtschaft nachhaltig.

In Zeiten von E-Commerce tarnen sich Betrüger raffiniert, womit für den Kunden nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist, ob es sich um authentische Ware handelt. Immer detaillierter und besser nachgemacht ist es teilweise sogar für Experten schwer, zwischen Original und Nachahmung zu unterscheiden. Anlässlich des Welttages des geistigen Eigentums am 26. April betonte der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie mit Sitz in Berlin die Bedeutung von Schutzrechten. „Der Schutz geistigen Eigentums ermöglicht Investitionen in Forschung und Entwicklung und fördert dadurch Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Gerade die Innovationskraft der deutschen Unternehmen ist es, die sie auch im internationalen Vergleich so erfolgreich macht“, resümiert Volker Bartels, Vorstandsvorsitzender des Aktionskreises. Einer großen Mehrheit der Bevölkerung ist die Bedeutung des geistigen Eigentums grundsätzlich bewusst. Die meisten Käufer von Fälschungen wurden von den Verkäufern genauso getäuscht und geschädigt wie die Hersteller der Originalprodukte. „Ein Teil der Konsumenten hält den Kauf von Fälschungen aber leider immer noch für ein vertretbares Kavaliersdelikt, wenn sich auf diese Weise Geld sparen lässt“, so Bartels weiter. „Manche Menschen sehen darin eine Art günstiges Schnäppchen.“

Gefälschte Waren boomen

Dass die Problematik der internationalen Markenpiraterie äußerst brisant ist, zeigen auch die Zahlen des deutschen Zolls. Die aktuellen Erhebungen stellen einen sprunghaften Anstieg an gefälschten Produkten fest. Gefälschte Waren im Wert von 180 Millionen Euro zog der Zoll im vergangenen Jahr aus dem Verkehr, wie der Bundesminister der Finanzen, Dr. Wolfgang Schäuble, jüngst erklärte. Im Vorjahr 2015 lag der Wert noch bei 130 Millionen Euro. Die hohen Zuwachsraten sind vor allem auf den Handel im Web zurückzuführen, wie Doris Möller, Referatsleiterin für gewerblichen Rechtsschutz beim DIHK, bestätigt: „Der Internet-Handel ist ein florierender Markt mit wachsenden Umsätzen. Die Vertriebsmöglichkeiten bieten aber auch Wirtschaftskriminellen ungeahnte Missbrauchsmöglichkeiten. Kaum ist das Angebot einer Fälschung oder eine gefälschte Website entfernt, tauchen sie unter anderem Namen schnell wieder auf.“

Abseits der meist ausländischen Online-Shops stehen Plattformen wie eBay im Fokus. Ein Instrument, mit dem das Unternehmen den Schwarzhandel unterbinden will, ist das „Verifizierte Rechteinhaber-Programm“ (VeRI). Über dieses Programm können Rechteinhaber eBay benachrichtigen, wenn sie ein potenziell gefälschtes Produkt entdecken, das auf der Website zum Verkauf angeboten wird. In einem Statement betont eBay außerdem, dass eigene Technologien und Filter entwickelt wurden, mit denen Betrugsmuster identifiziert und analysiert werden können. Außerdem werden verschiedene Mechanismen und Instrumente eingesetzt, um Käufer und Verkäufer, die auf dem Online-Marktplatz ausgeschlossen wurden, daran zu hindern, die Plattform erneut zu nutzen.

Zugegeben: Es ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, aber die Regeln haben sich geändert. Heute ist es für Hersteller essenzieller denn je, den Schutz der Markenidentität zu wahren und der Piraterie den Kampf anzusagen.