Klubgeschichten

Porträt

Langbrett achtet konsequent auf Nachhaltigkeit. Bild: Langbrett

Autor: Andreas Grüter

Wo die Großen der Outdoor-Branche das Erleben unberührter Natur als letztes wahres Abenteuer verkaufen und gleichzeitig für einen Schadstoffskandal nach dem anderen sorgen, machen die Berliner von LANGBRETT mit ebenso durchgestylten wie konsequent nachhaltigen Produkten für das Leben außerhalb des häuslichen Safe Space Ernst. Einblicke in ein idealistisches Paralleluniversum mit hoher Zukunftsperspektive.

Die Firmengründer Alexander Holte und Oliver Spies (Bild:Jason Richter)

Label, Shop, Klub, Non-Profit-Organisation und ökologisch versierte Ideenschmiede für eine bessere Zukunft – der LANGBRETT-Kosmos lässt sich so einfach nicht greifen. Ursprünglich als Interessengemeinschaft von Surfern mit DIY-Haltung an den Start gegangen, baute man zunächst Surfbretter und Skateboards aus Vollholz, um schließlich mit einem klassischen, aus 100 Prozent Naturwolle lokal gefertigten Seemannspullover auch in die Produktion von Textilien einzusteigen. 2006 wurde LANGBRETT als Marke eingetragen. Seit 2014 firmiert das Label als GmbH mit den Geschäftsführern Oliver Spies und Alexander Nolte und bietet in mittlerweile vier eigenen Läden in Frankfurt, Düsseldorf, Berlin und Hamburg neben Boards, Büchern und Kollektionsteilen unter anderem von patagonia und FJÄLLRAVEN auch ein feines eigenes Sortiment an hochwertiger Knitwear, Sweatern, Hoodies, Shirts, Frottee-Longsleeves, Schuhen und Accessoires an. Also doch alles business as usual?

„Eher nicht. Schließlich tun wir uns ja schon schwer genug damit, LANGBRETT als irgendwie geartete Lifestylemarke zu sehen. Der LANGBRETT-Klub, der um das Label herum entstanden ist und der die ebenfalls von Klubmitgliedern betriebenen Shops regelmäßig für Ausstellungen, Lesungen, Filmabende und Podiumsdiskussionen über ökologische Themen nutzt, füttert uns nicht nur mit Ideen und Anregungen, sondern ist nicht zuletzt auch als Konsumentengruppe maßgebliches Korrektiv für unsere Arbeit und Entwicklung“,  erklärt Oliver Spies den Community-Gedanken.

Fashion is a waste …

… ist eine Maxime, die man sich als bekleidungsproduzierendes Unternehmen erst einmal leisten können muss. Gleichwohl bringt sie das Selbstverständnis von LANGBRETT ziemlich genau auf den Punkt. Die Kollektionspieces sind bewusst schlicht und zeitlos und zudem komplett GOTS-zertifiziert. Und nicht nur das. Nachdem man erkannte, dass selbst recycelte Kunstfasern beim Waschen Mikroplastikpartikel an die Umwelt abgeben, wurde nicht nur beschlossen, zukünftig komplett auf Kunstfasern zu verzichten, sondern mit „Guppyfriend“ auch ein Waschbeutel entwickelt, der 99 Prozent aller abgebrochenen Fasern aus dem Waschwasser filtert. Dazu Alexander Nolte: „Mit unserer Erfindung haben wir im vergangenen Sommer den European Outdoor Gold Award gewonnen und es gab sofort Leute, die uns das Patent abkaufen wollten. Wir haben stattdessen einfach die ‚Stop! Micro Waste‘-Non-Profit-Organisation gegründet, die über das Plastikproblem und dessen Vermeidung informiert. Darüber können interessierte Unternehmen übrigens auch den ‚Guppyfriend‘ beziehen.“