Weitermachen wie bisher 

WÖHRL

Kurs halten (Bild: WÖHRL)

Autor: Markus Oess

Die von vielen erwartete „familieninterne“ Lösung hat sich durchgesetzt. Christian Greiner übernimmt WÖHRL. Er ist der Sohn des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl und Vorstand von LUDWIG BECK, an dem seine Familie ebenfalls mehrheitlich Aktienanteile hält. FT hat Alexander Langhorst, Analyst von GSC Research, Düsseldorf, zu dem Deal befragt. Der Analyst sagt, dass die Chancen auf eine gute Zukunft besser seien als in der Vergangenheit.

Christian Greiner, Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl, sieht wie das Management um den aktuellen WÖHRL-Chef Andreas Mach eine gute Zukunft für das Unternehmen. Alexander Langhorst, Analyst von GSC Research, Düsseldorf, schätzt die Chancen auf eine gute Zukunft besser ein als in der Vergangenheit mit einer drückenden Schuldenlast, die die Möglichkeiten, ins laufende Geschäft zu investieren, sehr stark eingeschränkt hatte. Für eine echte zweite Chance von WÖHRL spreche auch, dass der neue Eigentümer nicht nur die Textilhandelsbranche gut kenne, sondern auch in der Vergangenheit schon einmal im Unternehmen tätig gewesen sei.

Operativ will Greiner nicht eingreifen. Einen Schwenk der bisherigen Strategie wird es wohl nicht geben, denkt auch Langhorst. „Hauptgrund für die Insolvenz war die nicht mehr tragbare Schuldenlast, nach dem Wegfall dieser Belastung bestehen durchaus gute Chancen, im insgesamt schwierigen Retailumfeld im Textilhandel erfolgreich zu sein. Zudem verfügt WÖHRL im Markt ja nach wie vor über einen guten Namen und einen entsprechenden Bekanntheitsgrad.“

Alexander Langhorst, GSC Research (Bild: GSC Research)

Langhorst geht davon aus, dass in einem ersten Schritt eine Stabilisierung des Geschäfts angestrebt wird, verbunden mit einer möglichen Auffrischung des Erscheinungsbildes im Markt und möglicherweise auch der ein oder anderen Filiale. „Denkbar und angekündigt sind auch Anpassungen beim Lieferantenmix. Je nachdem, wie erfolgreich man dabei ist, dürften etwaige weitere Schritte ausfallen, das ist aber jetzt noch nicht belastbar einzuschätzen.“  

Gegenüber der Presse hat das Management angedeutet, sich möglicherweise von 20 bis 50 Prozent der Lieferanten zu trennen. Eine Konzentration auf die guten Lieferanten, also diejenigen, die in WÖHRL investieren? „Davon ist auszugehen“, antwortet Langhorst. „Zudem lässt sich auf diese Weise auch die Komplexität der Belieferungs- und Bestellprozesse verringern und durch eine Bündelung auf weniger Lieferanten vermutlich auch nochmals bessere Konditionen aushandeln. Diese Vorteile können sich sowohl in Bezug auf die erzielbare Handelsmarge zeigen als auch zum Beispiel bei den vereinbarten Belieferungszyklen oder den Zahlungsbedingungen.“

Andererseits sollen die Flächen wieder mehr selbst bespielt werden. Kein Widerspruch, findet der Analyst. Es dürften hier vor allem Lieferanten infrage kommen, die vielleicht mit verschiedenen Marken im Markt agieren und auf diese Weise dennoch eine attraktive Auswahl auf der Fläche ermöglichen. „Realisierbar ist das Ziel auch mit einer schnelleren Taktung bei den Zwischenkollektionen oder auch dem gezielten Einsatz von Zweitmarken (Handelsmarken).“ Zudem wollen die Franken im mittelmodischen Segment mehr Profil zeigen, aber ausgerechnet da haben die meisten mit der Beliebigkeit zu kämpfen. Aus Sicht von Langhorst kommt es neben einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis auch auf ein gutes Händchen bei der Auswahl der vertriebenen Marken an. „Ferner ist es wichtig, eine attraktive Einkaufsatmosphäre in der Fläche zu schaffen. Ganz wichtig ist es auch, die Kunden mit einem Multichannel-Angebot abzuholen, um im Wettbewerb gegen die reinen Online-Anbieter bestehen zu können und den Kunden sowohl offline in der Filiale als auch online an WÖHRL zu binden.“

Operativ bleiben die Unternehmen getrennt und auch sonst sollen den Ankündigungen nach einzig bei den Eigenmarken Synergien gehoben werden. Das ist für Langhorst nachvollziehbar: „Mit WÖHRL wird das mittelmodische und eher mittelpreisige Segment adressiert, während man mit LUDWIG BECK/WORMLAND im Hochpreis- und Luxussegment unterwegs ist. Gewisse Überschneidungen könnten sich beim Wareneinkauf durch Bündelung von Einkaufsvolumina ergeben, ansonsten ist es durchaus sinnvoll und begrüßenswert, hier eine klare Trennung aufrechtzuerhalten. Dies ist schon allein deshalb sinnvoll und folgerichtig, da LUDWIG BECK ja eigenständig an der Börse notiert ist und es dort auch viele externe Aktionäre gibt.“

32 Häuser, 2.000 Mitarbeiter und ein bestätigter Jahresumsatz von rund 280 Millionen Euro. Mach wurde mit den Worten in der Presse zitiert, man sei mit dem Cashflow im positiven Bereich. Langhorst findet das Zahlenwerk plausibel. „Es wird natürlich abzuwarten bleiben, ob die Planungen des neuen Eigentümers aufgehen und es gelingt, WÖHRL schnell wieder in ruhiges Fahrwasser zurückzubringen und die Umsätze zu steigern. Sollte der Plan des Managements aufgehen, halte ich es aber für durchaus gut möglich, dass keine größeren Anpassungsschritte nötig werden.“