Die Digitalisierung der Mode

Smart Fashion

Fashion Fusion lädt kreative Talente aus den Bereichen Mode und Technologie ein, Ideen für die Verknüpfung von Hightech und Fashion einzureichen. (Bild: Deutsche Telekom)

Autor: Maximilian Fuchs

Egal ob am Handgelenk, in der Schuhsohle oder als smarte Brille: Wearables gelten als großer Wachstumsmarkt, genau wie Smart Fashion. Noch stecken die Technologien in den Kinderschuhen und das Preisniveau ist für den Mass Consumer Market zu hoch. Dennoch gehen viele Experten von einem großen Boom in den nächsten Jahren aus, die Entwicklung geht rapide voran. Für 2019 prognostiziert das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) allein für Wearables ein Volumen von mehr als 150 Millionen verkauften Geräten.

Fall der Grenzen

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ist die globale Leitmesse für die Mobilfunkindustrie. Wobei das genau genommen nicht mehr alleinig stimmt, denn die monokulturelle Segmentierung verwischt immer mehr. Im Zeitalter der Industrie 4.0 verschwinden die Grenzen zwischen den Branchen und neue Geschäftsfelder werden aufgetan: Diversifikation ist der Schlüssel. Global Player wie die Deutsche Telekom, Apple oder Samsung sind längst aktiv und die Modebranche spielt als kreativer Katalysator eine besondere Rolle: Die neue Technik lernt laufen und nun gilt es, den smarten Produkten Sexappeal einzuhauchen. Ein Vorreiter ist Apple, das als besonders designaffines und visionäres Unternehmen gilt. Im Sportsegment befindet sich der Technikgigant bereits seit 2006 in Partnerschaft mit Nike. Aus der zaghaften Liaison ist inzwischen eine ganze Markenwelt entstanden. Die Performance- und Lifestyleprodukte gelten als Schnittstelle zum Smartphone, das wiederum die Ergebnisse auswertet und den Sportler mit Gleichgesinnten in einer Community verbindet. Um auch im Luxussegment den Markt der Wearables aufzurollen, hat man sich niemand Geringeren als HERMÈS ausgesucht. In einer Kollaboration wurde eine exklusive Watch designt, die aktuelle Technik mit modischem Understatement verbindet.

Die Zukunft der Wearables

Smartwatches und Fitnessarmbänder sind also inzwischen im Alltag angekommen. Aber Datenbrillen wirken immer noch wie Science-Fiction. Dabei liegt hier die nächste Evolutionsstufe der Wearables. Das Zauberwort lautet „Augmented Reality“ (AR), also die Verbindung von tatsächlichem Geschehen und zusätzlichem, virtuellem Content – eine Überlappung der Welten in Echtzeit. Dazu ist eine schnelle und stabile Datenverbindung notwendig, wobei das kommende 5G-Mobilfunknetz eine Schlüsselrolle spielt. Dessen initialer Ausbau soll hierzulande bis 2020 fertiggestellt sein. Auf der diesjährigen MWC haben die Deutsche Telekom und Carl Zeiss ihre Partnerschaft verkündet und einen Prototyp der neuen Datenbrille vorgestellt. „Die Optik von Zeiss und das Netz der Telekom schaffen die Basis für eine smarte Brille. Gemeinsam wollen wir Erfahrungen gewinnen und die Möglichkeiten von AR vorantreiben“, erklärt Telekom-CEO Tim Höttges. Neben der Schaffung der technischen Möglichkeiten ist die Deutsche Telekom auch in der Förderung von Designern aktiv. Der Wettbewerb „Fashion Fusion“ wird gemeinsam mit #FASHIONTECH, adidas, intel und weiteren Partnern aus der Textil- und Technikbranche veranstaltet.

Textile Raffinesse

Aus Perspektive der Vorstufe bleibt die Frage, wie mit der „Großbaustelle Digitalisierung“ umzugehen ist. Smart Clothes stellen die Hersteller nicht nur vor neue Möglichkeiten, die Entwickler stehen vor neuen Herausforderungen. Waschbarkeit und Stromversorgung sind dabei elementare Problemzonen. Leitende Materialien wie Metallfäden allein sind für bestimmte Funktionen nicht ausreichend, auch Batterie- und Solarzellenstoffe sind noch nicht ausgereift, weisen immer wieder Grenzen auf. Und doch ist dieses Entwicklungsstadium die perfekte Spielwiese für kreative Menschen. In der Innovative Apparel Show, die im Rahmen des Fachmesse-Duos Techtextil + Texprocess stattfand, wurden interessante Ansätze und Konzepte präsentiert. Mode-Hochschulen aus Frankreich, Italien, Portugal und Deutschland zeigten Designs, die aus technischen Textilien und mit innovativen Verarbeitungstechnologien gefertigt waren. Teilgenommen haben die altehrwürdige Esmod aus Paris, das ESAD College of Art and Design aus Portugal, die Accademia Italiana Florenz und die Hochschule Trier. Julia Groß-Müller von der Hochschule Trier gewann den ersten Preis des Innovative Apparel Public Awards. Ihr Modell mit dem Titel „Weltfolklore“, das traditionelle und innovative Verarbeitungstechnologien verbindet, war der Publikumsliebling. Platz zwei ging an Mariana Almeida vom ESAD College of Art and Design in Portugal für „Momentum“, eine Smart-Fashion-Kombination, die auf Neurotechnik beruht. Den dritten Preis gewann Eleonara Beni von der Accademia Italiana in Florenz mit einer multifunktionalen Kombination im Urban Style.