Wenn Engel Geburtstag feiern

ARMEDANGELS

Martin Höfeler, Mitgründer von ARMEDANGELD, will mit seinem Label den europäischen Markt erobern. (alle Bilder: ARMEDANGELS

Autor: Markus Oess

Marken brauchen eine Geschichte und die Geschichte des Nachhaltigkeitslabels ARMEDANGELS geht so: Im Januar 2007 treffen „zwei Kölner Jungs“ den Entschluss, die Modewelt zu revolutionieren und ein Unternehmen aufzubauen, das die Dinge anders angeht. Die Idee, T-Shirts zu bedrucken und über den Verkauf Spendengelder für Charity-Projekte zu sammeln, brachte ein Unternehmen hervor, das zehn Jahre später zu den großen Eco & Fair Fashion Labels Europas zählt. Inzwischen ist ARMEDANGELS Fair-Trade- und GOTS-zertifiziert und Mitglied der Fair Wear Foundation. Jetzt feiert das Label seinen zehnten Geburtstag.

„Ich hab schon relativ früh gemerkt, dass ich was Eigenes machen will. Bei Anton, meinem Mitgründer, war das genauso. Ich wollte immer einen Job, von dem ich überzeugt bin, der etwas verändern kann und der mit meinem Gerechtigkeitssinn zusammenpasst. Das ist nämlich ein Thema, das mich persönlich am meisten berührt“, sagt Martin Höfeler. Inzwischen ist Anton Jurina ausgestiegen. Der Laden floriert und erst vor wenigen Tagen hat Höfeler in der Geschäftsführung Christian Brandt als CFO/COO ins Boot geholt. 2016 lag der Umsatz nach Unternehmensangaben bei 23 Millionen Euro. Schiss hatte Mitgründer Martin Höfeler nicht, wie er in einer Mitteilung zum Zehnjährigen sagt, „Bauchschmerzen schon. Gerade am Anfang gab es viele schlaflose Nächte. Wir waren ja komplett branchenfremd und hatten keine Ahnung von der Textilindustrie, geschweige denn von einer nachhaltigen Produktion.“ Die frühe Zusammenarbeit mit Fair Trade sei segensreich gewesen und habe vieles einfacher gemacht.

Europaweite Expansion

Ziel sei es, „das fairste Modelabel der Welt zu werden. Vielleicht sind wir es sogar auch schon. Trotzdem gibt es noch eine ganze Menge zu tun. Das ist uns klar; und je größer wir werden, desto mehr Herausforderungen erwarten uns auch. Das ist zwar anstrengend, aber gleichzeitig spornt es uns auch jeden Tag an. In den nächsten fünf Jahren wollen wir den Fair-Fashion-Markt in Europa erobern und in zehn Jahren wollen wir in allen relevanten Märkten der Welt vertreten sein, Eco & Fair als Fashion-Standard in der Modewelt etabliert und möglichst viele Menschen mit unserer Message zum Umdenken in ihrem Kaufverhalten bewegt haben. Ein bisschen was haben wir also noch vor uns, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass es einfach ist, die Welt zu verändern“, sagt Höfeler.

Faire Arbeitsbedingungen für allen Partner

Generell gehe es darum, faire Arbeitsbedingungen bei allen Partnern, mit denen die Kölner zusammenarbeiten, zu implementieren und langfristig zu sichern. Dabei, betont Julia Kirschner,
Sustainability Managerin: „Wir machen faire, nachhaltige Mode – die schön ist. Deshalb verwenden wir ausschließlich nachhaltige Materialien und setzen uns für faire Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung für die Menschen ein, die ARMEDANGELS ausmachen. Ganz egal ob Baumwollbauer in Indien, Näherin in der Türkei oder Designer in Köln.“ Wenn man nachhaltig produziere, sei eine der größten Herausforderungen, die Verkaufspreise für die Kunden akzeptabel zu halten. Man könne sich preislich kaum mit herkömmlichen Fast-Fashion-Anbietern messen. „Das wollen wir aber auch gar nicht. Immer dem nächsten Trend hinterherzurennen, hat in unseren Augen auch nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun. Auch neue Produktkategorien aufzubauen und Materialinnovationen zu finden, die unseren hohen Nachhaltigkeits- und Design-Standards entsprechen, ist mit unseren Ansprüchen natürlich schwieriger als bei konventionellen Herstellern. Manchmal findet man ein neues, innovatives Material, das sich wahnsinnig nachhaltig anhört, und erst bei genauerer Betrachtung merkt man, dass viel Energie oder viele Chemikalien notwendig sind, um das Material herzustellen. Dann gilt es immer abzuwägen und zu vergleichen.“

  • Kampagnenbild
  • Der erste Messestand auf der Premium
  • Faire ...
  • ... Ökomode
  • Still aus "The True Cost"

„Totaler Verzicht ist nicht realistisch“

Der Gründer von ARMEDANGELS, Martin Höfeler, über Nachhaltigkeit in der Mode und den ehrlichen Umgang damit.

FT: Herr Höfeler, ‚Nothing to hide‘ lautet das Claim zum Zehnjährigen. Was ist damit gemeint?
Martin Höfeler: „Wir haben nichts zu verstecken. Unser Ziel ist es, Einblicke in die gesamte Lieferkette zu geben. Wir wollen ehrlich zeigen, was wir mit unseren Partnern schon erreicht haben und was wir uns vornehmen. Wir möchten, dass unsere Kunden sehen, wie sie mit jedem ARMEDANGELS-Kleidungsstück etwas verbessern. Details gibt es auf unserem Blog ,Nothing to hide‘ und in unseren Social-Media-Kanälen.“

Geht Nachhaltigkeit überhaupt in der Textilbranche oder bleibt es ein Kompromiss?
„Wir wollen zeigen, dass Mode auch anders geht – Eco & Fair. Nachhaltige Materialien, faire Arbeitsbedingungen und gutes Produktdesign schließen sich in unseren Augen nicht aus. Der totale Verzicht ist in unserer Gesellschaft nicht realistisch. Daher ist es uns viel wichtiger, Alternativen zu zeigen, bei denen man nicht verzichtet. Das heißt, tolle Kleidung zu bieten, mit der man gleichzeitig etwas Positives bewegt.“  

Wie nachhaltig ist der deutsche Handel aufgestellt?
„Das Bewusstsein für nachhaltig und fair produzierte Mode wächst auf jeden Fall. Das sehen wir nicht nur an unseren Verkaufszahlen, sondern auch an der Nachfrage des Handels.
Wir sind mittlerweile an über 900 POS weltweit vertreten und davon allein an 550 in Deutschland.“

 

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