Dem Mutigen gehört die Welt!

Editorial

Autor: Markus Oess

Mode ist ein individuelles Ding. Dass ausgerechnet zwei Personen ohne Absicht genau das gleiche Outfit tragen, ist auszuschließen. Und dennoch lässt sich das Individuelle weiter steigern. Brands, Styles und Materialien bieten unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten, aller Zuordenbarkeit einer bestimmten (gesellschaftlichen) Gruppe zum Trotz. Egal ob Hipster, Schlipsträger oder Waver, die Sehnsucht nach Einzigartigkeit lässt sich für Konsumzwecke instrumentalisieren. Customizing ist ein Rezept gegen Monotonie. Während es früher einer bestimmten Käufergruppe vorbehalten war, mit seinem Monogramm zu glänzen, lässt gerade der Einsatz neuer Technologien neue und etablierte Anbieter aufhorchen. Dennoch sollte das nicht über die Tatsachen hinwegtäuschen, dass der Trend durch massenhaften, standardisierten Einsatz wieder ad absurdum geführt wird. Seis drum, denn selbst Glaubensgelehrte machen sich nicht nur Gedanken um das Jenseits, sondern auch um das Hier und Jetzt, und das heißt: Was ziehe ich heute an? Und da lugt dann doch der normale Mann unter dem Glaubensgewand hervor. Funktion, Form und Farbe bestimmen die Wahl des textilen Kaufobjektes.

Zum individuellen Kleidungsstil zählen auch Hut und Mütze. Und gern wird dabei auch die Tradition gepflegt. Der Anfang Oktober 2017 eröffnete DIEFENTHAL-1905-Store setzt genau althergebrachte Handwerkskunst an, von der man weiß, dass man sich auf sie auch in unwägbarsten Lebenslagen stets verlassen kann. In Stuttgart dagegen ist die Dichte schwäbischer Sportwagen etwas höher als in anderen Städten der Republik und wer das passende Outfit zum Wagen sucht, wird im bungalow sicher fündig. Ladenbesitzer Uwe Maier will dem gut situierten Mann ein Zuhause geben, der Wert auf einen gepflegten, unaufgeregten Kleidungsstil legt – und er tut das mit großem Erfolg. Erfolgreiche Händler finden sich auch in den Reihen der KATAG, Händler, die gern als Referenz bemüht werden, wenn Lieferanten über die Qualität ihrer Produkte für den Verbraucher reden. Viele durchlaufen den digitalen Transformationsprozess mit Erfolg, aber es gibt eine Menge, die auf dem Weg zu Omnichannelling proaktiv begleitet werden wollen oder sollten. Je nachdem. Was das für die KATAG bedeutet und wie sich die Verbundgruppe selbst im Markt verändert, erklärt Vorstand Angelika Schindler-Obenhaus im FT-Interview. Klar ist aber, proaktive Kommunikation muss dort stattfinden, wo die Verbraucher sich gerade aufhalten. Das kann im Laden sein oder im Internet.

Ganz unterschiedliche Wege der Kommunikation beschreiten auch zwei große Hemdenmarken. ETERNA hatte in der jüngeren Vergangenheit einen erhöhten Kommunikationsbedarf, um die Anschlussfinanzierung auf den Weg zu bringen. Das hat gut geklappt und ETERNA-Chef Henning Gerbaulet  rechnet fest mit einem Gewinnsprung, wenn die nächste Finanzierungsrunde ansteht. Die Passauer sind viel in den sozialen Medien unterwegs, auch im Internet, wollen aber auf klassische Werbung und PoS-Aktionen nicht verzichten, wie Marketingleiter Jürgen Anetzberger betont. OLYMP dagegen hat in den zurückliegenden Jahren ein fulminantes Wachstum hingelegt, unter anderem auch, weil die Schwaben unter der Führung von Mark Bezner seinen Marketingauftritt mit aller Macht und Konsequenz durchgezogen haben. Bezner sagt, er würde es heute genauso wieder machen. Der Erfolg gibt ihm recht.

Der Markt bleibt schwierig und es scheint, in letzter Zeit wird gerade deswegen wieder häufiger über Chancen gesprochen. Noch häufiger aber, scheint es, kommt der Wunsch durch, der Geschäftspartner möge doch mit mehr Entschlossenheit und Mut zu Werke gehen – zum gegenseitigen Vorteil, versteht sich. Dem Mutigen gehört die Welt!

Ihr

Markus Oess