Kopfarbeit

Konzept

Pia Diefenthal (r.) und Partner Thomas Rüttgers (2. v. r.) mit Verkaufsteam Ina Starosczyk (l.) und Leonard Kuhnen (Bilder: www.wearecity.de /Florian Yeh)

Autor: Andreas Grüter

Nach Jahrzehnten der Stagnation nimmt der Kult um Hut und Kappe wieder deutlich an Fahrt auf. Grund genug für das Kölner Traditionsunternehmen DIEFENTHAL, seiner Heimatstadt ein stilvolles Refugium für Kopfbedeckungen zu schenken.

Ortsbegehung in der Kettengasse 3. Bereits von außen gemahnt der Anfang Oktober 2017 eröffnete DIEFENTHAL-1905-Store an genau die althergebrachte Handwerkskunst, von der man weiß, dass man sich auf sie auch in unwägbarsten Lebenslagen stets verlassen kann. Das liegt zum einen an der Location selbst, einem schlichten Backsteingebäude aus dem Jahr 1903, und zum anderen an den dezent dekorierten Schaufenstern, die den Blick auf die penibel aufgeräumten Regale und Ablagen im Inneren freigeben. „Es war gar nicht so leicht, das passende Ladenlokal zu finden. Wir hatten keine Lust auf diese hochfunktionale, aber ansonsten völlig gesichtslose moderne Architektur, die so gar nicht zu uns passt. Als wir schließlich über den ehemaligen Optikerladen stolperten, stimmte einfach alles und wir haben sofort zugegriffen“, erzählt Thomas Rüttgers, der gemeinsam mit seiner Partnerin Pia Diefenthal die Geschicke des Familienunternehmens in vierter Generation lenkt.

Von Söhnen und Töchtern

Den fünfwöchigen Umbau der 70-Quadratmeter-Verkaufsfläche hat der 45-Jährige übrigens selbst übernommen. Blut, Schweiß und Tränen hat es gekostet, aber es hat sich gelohnt. Und so erstrahlt der Laden jetzt im eleganten Art-déco-Look der 1930er-Jahre. Im Zentrum stehen zwei historische Arbeitstische. Dazu schlichte Wandregale in Schwarz und Silber. Alte Nähmaschinen, Hutständer und Hutmacherköpfe sowie gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Firmenarchiv setzen dekorative Akzente, während der angeschliffene Betonboden die Brücke in die Moderne schlägt. Angeboten werden ausschließlich Modelle der 2016 lancierten und besonders hochwertigen DIEFENTHAL-&-SOHN-Herrenlinie sowie der brandneuen DIEFENTHAL-&-TOCHTER-Damenkollektion. Alles klassische, lediglich behutsam überarbeitete Formen. Elegante Glocken- und Haubenhüte sind ebenso mit dabei wie der unverwüstliche Pork Pie, der Bowler oder die roughe Newsboy-Kappe. Hinzu kommen Handschuhe von HESTRA, Taschenmesser von PassionFrance, Tücher von A PIECE OF chic, Stifte von Kaweco, Armbänder von PIG & HEN sowie einige Hutmodelle der französischen Hutinstitution MOSSANT, für die DIEFENTHAL vor einigen Jahren auch die Europavertretung übernommen hat.

Hutfreunde United

Stellt sich die Frage nach dem Hutträger moderner Prägung. Wer ist Kunde? „Ach, das geht wirklich quer durch die Bank. Von Oma Erna aus der Nachbarschaft bis hin zum stilbewussten Scenester ist eigentlich alles mit dabei und vom Alter her gehts bei 11 los und hört wahrscheinlich bei 111 immer noch nicht auf“, umreißt Rüttgers die Shopbesucher. Eine besondere Klientel hat es ihm dennoch angetan: die Barber, die traditionell ein besonders enges Verhältnis zu ihrer Kopfbedeckung pflegen. Zusammen mit einigen ausgewählten Vertretern der Zunft entstand eine Postkartenserie, die das Beste von Haar und Hut zusammenbringt.

DIEFENTHAL 1905

Kettengasse 3
50672 Köln
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11:00–19:00 Uhr, Samstag 10:00–18:00 Uhr
Telefon: +49 221 95813785
www.diefenthal1905.de