Mode als Spiegel gesellschaftlicher Missstände!?

Kommentar

Nina Peter
Nina Peter

Autorin: Nina Peter

Dass die Protesthandlung von Colin Kaepernick (zum Artikel: Die schwarze Faust unserer Zeit) eine derartige Welle nach sich gezogen hat, zeigt eindeutig, dass er einen sensiblen Nerv der amerikanischen Gesellschaft getroffen hat. Er ist derzeit das prominenteste Gesicht einer nach wie vor in Amerika existierenden sozialen Ungleichheit. Das T-Shirt, das Khalid Albaihs Cartoon zeigt, ist in diesem Zuge ein unmissverständliches Medium der Solidarisierung mit dem Footballspieler und seinem Protest geworden. Es ist ein sehr konkretes, visuelles und eindeutig auch politisches Statement. Ob besagter Vorfall richtig oder falsch, berechtigt oder unberechtigt war, darüber kann man streiten, aber das zu bewerten, ist nicht Aufgabe eines Modemagazins.

Gutes Protestmedium

Ich persönlich halte Mode für ein sehr starkes, sehr klares und gutes Protestmedium. Es ist nicht nur ein sehr friedliches, gewaltfreies, sondern auch ein sehr stilles, das keiner großen Reden bedarf, um verstanden zu werden. Deshalb wurde es sicherlich auch in diesem Fall und bereits in der Vergangenheit sehr häufig zu diesem Zweck benutzt. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar dafür, dass wir in der westlichen Welt überhaupt die Möglichkeit dazu haben, Kritik auf diesem Wege zu äußern; denn diese Freiheit ist ja eine Errungenschaft, die auf unseren politischen Grundsätzen – denen einer Demokratie – fußt. Es gibt immerhin noch Länder, in denen es derzeit nicht erlaubt ist, seine eigene Bekleidung nach dem persönlichen Geschmack – und der fängt schon bei einer Farbe an – selber auszuwählen. Und selbst in diesen Ländern, ja, gerade in diesen Ländern, zeigt dann die Bekleidung einen sehr engen Bezug zur Politik. Ihr Erscheinungsbild ist unverkennbarer Ausdruck politischer Restriktionen. Sollte in solchen Ländern ein gesellschaftlicher oder politischer Wandel stattfinden, dann wird sich das ganz sicher auch in der Bekleidung ausdrücken.

Umgekehrt kann jedoch auch Mode Politik prägen

Mode ist somit in meinen Augen immer ein Spiegelbild politischer Zustände eines Landes. Einer Bekleidung sieht man deutlich an, ob Krieg, Armut oder Wohlstand in einem Land herrschen, ob es große gesellschaftliche Unterschiede gibt, welche Stellung Frauen und Männer haben, welche Bedeutung Religion zukommt, ob es staatliche Regulierungen in Bezug auf Bekleidung gibt und wie groß oder klein Persönlichkeitsrechte geschrieben werden. Umgekehrt kann jedoch auch Mode Politik prägen, nämlich dann, wenn Politik und gesellschaftliche Vorstellungen nicht kongruent sind und es einer visuellen Sprache bedarf, die diesem Missverhältnis ein konkretes Gesicht in Form von Bekleidung gibt.