Curated Shopping im Trend

Online-Handel

Der Konsument denkt individuell. Personalisierte Angebote und Online-Beratung sind gefragt. ©Outfittery
Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Online-Shopping ohne Mehrwert, ohne Beratung? Das war einmal. Neben Telefon-, Mail-, Chat- und Social-Media-Diensten liegt Curated Shopping am Puls der Zeit. Selbst Platzhirsch amazon drängt nun ins Geschäft um personalisierte Outfits. Ein Überblick.

Einen Fragebogen mit persönlichen Vorlieben und No-Gos ausfüllen, einen Stylisten per Telefon kennenlernen – und schon wird versandkostenfrei ein Paket mit ausgewählten Outfits direkt nach Hause geschickt. Nach diesem Prinzip bietet die Plattform OUTFITTERY Männern bereits seit 2012 kuratierte Shopping-Erlebnisse an, ZALON BY ZALANDO verschickt seit 2014 Komplett-Looks an Frauen und Männer. Bezahlen muss man dabei nur die Teile, die tatsächlich in die eigene Garderobe wandern. Der Rest wird – natürlich wieder versandkostenfrei – zurückgesandt. Nunmehr steigt auch amazon in das Geschäft um personalisierte Outfits ein. Aktuell können sich zwar ausschließlich Frauen in den USA Bekleidung auswählen und zukommen lassen. Der Dienst soll jedoch auch für Männer verfügbar gemacht und auf andere Länder ausgeweitet werden. Im Fokus steht ein Abo-Modell für Prime-Kunden.

Lösung für individualisiertes Einkaufen im Netz?

Curated Shopping bietet Konsumenten die Möglichkeit, online auf die eigene Person zugeschnittene Beratung und Ansprache zu erfahren. Gilt eben dieser Aspekt als Manko des E-Commerce, so ist mit diesem Konzept scheinbar eine Lösung, eine Form gefunden, um Kundenbindung und Mehrwert gegenüber konventionellen, anonymen Shopping-Optionen im WWW zu schaffen und letztendlich Retouren zu minimieren. Scheinbar. Denn wie genau funktioniert Curated Shopping? Die Anbieter legen stets Wert darauf zu vermitteln, dass es sich um lebensechte Styling-Berater handelt, die am anderen Ende der Leitung Produkte zusammenstellen und Pakete schnüren. Doch die personellen Ressourcen sind limitiert, ohne ausgeklügelte Automatisierungsmechanismen funktioniert der Verkaufsprozess nicht. Wie personalisiert ist Curated Shopping unter dem Einsatz von Algorithmen demnach tatsächlich? Reicht Konsumenten die Beratung, die über diesen Weg geboten werden kann? Wünschen sie sich letztendlich nicht auch Inspiration, die über den persönlichen Tellerrand hinausschaut?

Online-Beratung im Aufschwung

Fakt ist: Beratung im Netz liegt im Trend. Einer Studie des Digitalverbands bitkom zufolge hat sich bereits jeder vierte Online-Käufer (23 Prozent) schon einmal von Mitarbeitern eines Online-Shops zu seinem Online-Kauf beraten lassen, wohingegen es vor drei Jahren noch 19 Prozent waren. Vor allem Männer sollen von Beratungsdiensten Gebrauch machen. Auch sind es mehr noch jüngere Menschen in der Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren (26 Prozent) sowie 30 bis 49 Jahren (25 Prozent) als ältere Menschen von 50 bis 64 Jahren (18 Prozent), die entsprechende Angebote in Anspruch nehmen. Der Trend ist logisch. Das Zukunftsinstitut erwähnt in seinem Report 2020, dass der Wunsch nach Lifestyle Services zugleich einen Ausdruck von Individualisierung darstellt und der Mensch in Zeiten des Überangebotes Vereinfachung sucht. In diesem Sinne geht das ursprüngliche Konzept des Curated Shopping nun auch noch einen Schritt weiter. So macht OUTFITTERY über seinen Dienst nicht mehr ausschließlich Komplett-Looks verfügbar, sondern stellt auch Produkte nach Kategorien zusammen, zum Beispiel Selektionen aus Hemden oder Jeanshosen. Zudem können Konsumenten vor dem Paketversand die kuratierten Artikel einsehen und unerwünschte Looks direkt streichen.