Kleidung mit Hilfsfaktor

Barrierefreie Pflegemode

Wer krank oder eingeschränkt ist, braucht Kleidung, die den Alltag einfacher macht ©Steve Buissinne, Pixabay

Autorin: Cordelia Albert
Wenn ich meine Beine nicht mehr bewegen kann, wie muss dann meine Hose sein? Oder was ist, wenn ich vergessen habe, wie ein Schürsenkel gebunden wird? Gedanken, die wir uns in der Regel nicht machen, aber Probleme, die uns schneller treffen können, als uns lieb ist. Dann geht es auch um barrierefreie Pflegemode, um Kleidung, die Kranke oder Menschen mit Behinderung beim Anziehen und im Alltag unterstützt.

Von Rollstuhlabhängigkeit…

Zugegeben, sexy ist das Thema nicht und die meisten verdrängen es lieber. Denn hier dreht es sich nicht um die neuesten Modetrends, um It-Pieces und schicke Outfits, sondern um ganz Elementares, um Beschwerden und Einschränkungen, es geht um Kleidung für kranke und pflegebedürftige Menschen. Der Bedarf kann alters-, unfall- oder krankheitsbedingt sein – vorübergehend oder für immer – und es sind vor allem praktische und zweckgerechte Kriterien gefragt. Schnitt, Material und Funktion müssen sich der persönlichen Lage des Trägers anpassen.

Das Angebot an der sogenannten Pflegemode ist groß. Sie unterstützt den Alltag der Menschen beispielsweise bei Arthritis, Rheuma, Demenz, Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose, Lähmung, Schlaganfall, Bettlägerigkeit oder Rollstuhlabhängigkeit und jedes Krankheitsbild hat eigene Ansprüche an die Garderobe. Mal ist besondere Hygiene gefragt, die Kleidung muss zum Beispiel häufig wasch- oder gut abwaschbar sein und leicht zu trocknen, dann wieder soll sie leicht handhabbar, dehnbar und flexibel sein, schmerz- und stressfreies Ankleiden ermöglichen.

… bis Altersdemenz variieren die Anforderungen. ©Iris Hamelmann und Bernd Müller, Pixabay

Manchmal müssen die Sachen im Sitzen oder Liegen angezogen werden oder bei einigen Patienten kommt ein „Über-den-Kopf-Ziehen“ nicht infrage. Auch gut zugängliche, leicht handzuhabende oder keinen Druck verursachende Verschlüsse können wichtige Kriterien sein und Unfallvermeidung ist ebenfalls ein Thema.

Entwicklung aus der Praxis heraus

Besonders gut kennen natürlich all diejenigen die Probleme mit der Bekleidung, die täglich damit in Berührung kommen, so wie Lucina Zimmermann, die als Führungskraft in der stationären und ambulanten Pflege Erfahrungen im Gesundheitswesen sowie im häuslichen und familiären Umfeld gesammelt hat.

Spezialisiert auf Pflegemode: die Marke Tamonda ©Screenshot Tamonda.de

Zwar werde das Thema schon lange in Lehrbüchern der Alten- sowie Gesundheits- und Krankenpflege thematisiert, aber es werde immer noch vernachlässigt, begründet sie ihren Entschluss, 2015 mit „Tamonda – Senioren & Spezial Bedarf“ eine Firma mit Spezialkleidung zu gründen und 2018 auch die erste Pflegemode-Boutique in Friedrichstadt zu eröffnen. Ihr Online-Shop mit Damen- und Herrenkleidung wird im Internet zusätzlich mit einer Informationsseite über Pflegemode (www.pflegemode.de) begleitet.

Hier lernt man zum Beispiel die Unterschiede zwischen selbstständigem Ankleiden für Menschen, die sich noch allein anziehen können, und assistiertem, wenn beim Anziehen fremde Hilfe gebraucht wird. Man erfährt, wo große Hals-Ausschnitte sinnvoll sind, dass es Hemden gibt, in die man hineinschlüpft und die an der Rückseite/Schulter über Druckknöpfe geschlossen werden. Magnetverschlüsse kommen zum Einsatz, wenn nicht mehr geknöpft werden kann, und magnetische Reißverschlüsse ermöglichen das Nach-oben-und-unten-Zippen mit einer Hand. Auch die vielen verschiedenen Hosenformen und ihre Funktion werden erklärt: Rollstuhlpflegehosen, auch als Rollstuhlsitzhosen mit offenem Hosenboden bezeichnet, können beispielsweise mit Leichtigkeit auch im Sitzen oder Liegen angezogen und mit Druckknöpfen hinten am Hosenbund geöffnet werden und kommen so auch für Inkontinenzpatienten oder Katheterversorgung infrage. Daneben gibt es Hosen mit Schlupffunktion mit seitlichen Klettverschlüssen, etwa für Patienten mit eingeschränkter Handfunktion, wie zum Beispiel bei Arthritis.

Mit Bekleidung von der Unterwäsche bis zur Outdoorjacke ist das Angebot aber längst nicht erschöpft, denn auch Accessoires, wie rollstuhlgerechte Taschen, dicke Fußwärmer für den Rollstuhl und Hausschuhe mit Magnetverschluss und rutschfesten Sohlen für sicheres Laufen, gehören zum Programm.

Doch Pflegemode sollte nicht nur pragmatische Seiten haben. Berücksichtigt man persönliche Vorlieben, kann das ebenfalls zum Wohlgefühl beitragen, weshalb verschiedene Farben, Muster und Qualitäten erhältlich sind. Schließlich mache es keinen Sinn, eine Hose in Jogging-Sweatstoff zu kaufen, wenn der Patient stets feine Gabardine bevorzugte, meint Lucina Zimmermann. Jedes Kleidungsstück sei ein Stück Identität und gehöre zur persönlichen Biografie. Und eines sei besonders wichtig: Bei Pflegekleidung geht es nicht nur um Funktion und Schutz, sondern immer auch um Diskretion und Würde.

Weitere Infos:

www.pflegemode.de

www.tamonda.de

www.rollimoden.de