Von anziehenden Einblicken in den Moderaum

Auf der Fläche

Das Entrée eines zeitgemäßen Moderaums zelebriert den Erlebnisfaktor und spiegelt diesen über die gesamten atmosphärischen Modebühnen sowie Instore-Schaufenster des kompletten Innenraums wider.“ Tom Bußmann, Textilmerchandiser alle Bilder ©Textilmerchandiser

Autor: Markus Oess
„Ich sehe mich als Modehandwerker, Visual Merchandiser, Coach und Visionär“, sagt Tom Bußmann über sich. Bußmann ist gelernter Textilkaufmann und seit 1990 in der Modebranche. 2018 dann hat er sich mit „textilmerchandiser“ selbstständig gemacht. In der FT-Serie „Auf der Fläche“ stellt er seine Wareninszenierungen vor, die er seither realisiert hat.

Diesmal geht es um den Eingangsbereich eines Ladens, die Visitenkarte für die Straße.

TM: Tom, bevor du einen Laden betrittst, worauf achtest du?
Tom Bußmann: „Da prasselt vieles auf mich ein: das allgemeine Erscheinungsbild, das Lichtdesign, das Format und die Bauform, aber auch das Umfeld und die Authentizität. Welche Baustoffe werden eingesetzt und welche Farben begegnen mir? Es geht um erlebbare Architektur, die die Unternehmenswerte spiegelt – möglichst harmonisch und atmosphärisch. Der Eingang sollte Wohlbefinden, Persönlichkeit ausstrahlen. Was ist mit der Einzigartigkeit, der Sichtbarkeit des Ladens von der Straße aus und welche Botschaft kommt auf mich zu? Passt das alles zu mir? Diese Fragen und Gedanken habe ich im Kopf, wenn ich ein Ladenlokal betrete.“

Worauf sollte der Händler bei der Gestaltung des Eingangsbereiches achten?
„Heute sollte jeder Eingangsbereich flexibel und vielschichtig gestaltet sein. Dies gelingt Modehändlern am besten, die von Pioniergeist und ständiger Weiterentwicklung geprägt sind. Dem folgend sollte die Eingangsfläche vorgelagert zum Beispiel einheitliche Bodenbeläge sowie Wand- und Regalsysteme abbilden, um eine zusätzliche Tiefenwirkung zu erzielen. Eine hohe Aufenthaltsqualität im Entrée erzeugt man unter anderem über eine ebene Fläche, geschärfte Profile von Marken, Preislagen und -aufbauten, Sondermöbel, Einzelelemente, zeitgemäßes Ambiente, Storytelling von Mode-Highlights in entspannter Loftatmosphäre. Was zählt, sind Tradition und Innovation im Wechsel und beides im Einklang mit kontrastreichen Bodenbelägen und -beschichtungen, die die Laufwege vorgeben und die Kunden in den Moderaum ziehen.“

Einblicke

„Come in and find out“, warb einmal die Parfümeriekette DOUGLAS. Ist das die richtige Strategie?
„DOUGLAS hat den Slogan in ‚Douglas macht das Leben schöner‘ geändert. Nein, ‚Come in and find out‘ ist nicht mehr zeitgemäß! Etwas herauszufinden, ist nicht angesagt. Der erste Eindruck entscheidet und der Händler muss halten, was er verspricht, besser noch: übertreffen. Das Entrée eines zeitgemäßen Moderaums zelebriert den Erlebnisfaktor und spiegelt diesen über die gesamten atmosphärischen Modebühnen sowie Instore-Schaufenster des kompletten Innenraums wider.“

Wie lassen sich der Eingangsbereich und das Ladeninnere gut verbinden oder besser gesagt die Geschichte fortschreiben, ohne dass es zu langweiligen Wiederholungen kommt?
„Das erlebnisreiche Entrée verbindet sich räumlich fortführend mit der Impact-Zone. In diesem Bereich wirken unter anderem Hotspots, imposante Mannequin-Gruppierungen, Pop-up Stores, Aktionen (Story oder Preis), Accessoires sowie Kompetenz-Ständer (zum Beispiel Outdoor-Jacken). Das bedeutet, es wird jede Menge geboten in der Mitte eines atmosphärisch dichten Moderaums. Verstärkt generiert der Modehändler in der Ladenmitte die Impulskäufe. In weiterer Tiefe triumphieren dann die Brands und Markenbotschaften. Jede auf ihre individuelle Art, im eigenen Store-Design, ihrer speziellen DNA, in urbanen Welten, durch Must-haves und prägendes Storytelling. Modebühnen werden durch die Warenstars erlebbar und über ein individuelles Beleuchtungsdesign ins rechte Licht gerückt! Also alles andere als langweilig!“

Jetzt kommt die neue Saison. Was sagst du zu Gummistiefeln und Regenschirm als Deko?
„Ein absolutes No-Go! Regenschirme und Gummistiefel als ‚herbstliche Deko‘ sind völlig aus der Zeit gefallen! Die Fashion-Branche taucht die Warenstars in Zeiten von ,Urban Lifestyle‘ über alle Maßnahmen eher in virtuelle und digitale Welten, weniger in Impressionen von Jahreszeiten.“ 

Wie geht es besser?
„Der Look steht auf der Fashion Stage im Fokus. Dieser erzählt seine ganz eigene Geschichte: alles neu, alles anders. Ich werde zum Beispiel in Kürze auch mit regionalen und nationalen Künstlern (zum Beispiel Bildhauern) kooperieren und deren Werke in mein visuelles Merchandising einbinden, um Wow-Effekte, Erlebnisfaktoren sowie Mehrwerte nachhaltig zu erzeugen.“ 

Modebühnen

Steckbrief „textilmerchandiser“

Name: Thomas Bußmann, Rufname: Tom

Alter: 51 Jahre (26.05.1971)

Karriere:

– gelernter Textilkaufmann (Kaufmann im EH), seit 1990 in der Modebranche

– Area Manager bei MANGO, Retail Area Manager bei JACK&JONES und Bereichsleiter bei Donna

– selbstständiger Visual Merchandiser seit 2018

 

 

Dienstleistungen:

– externes Visual Merchandising

– VM Support & VM Coaching für Modehäuser, Mitarbeiter im Textileinzelhandel und für die Markenindustrie

Arbeitsorte: deutschlandweit, Österreich, Niederlande und Schweiz

Kontakt: Facebook, Instagram