Autor: Maximilian FuchsDie Zahlen sind alarmierend. Nach einer aktuellen Studie von Allianz Trade hat sich das Ladensterben in Deutschland beschleunigt. Von August 2024 bis August 2025 gab es laut der Untersuchung im Einzelhandel 2.490 Insolvenzen – das sei der höchste Stand seit Oktober 2016. Darunter finden sich kleinere Händler, aber auch Filialisten mit großen Namen wie WORMLAND, GERRY WEBER, GÖRTZ oder auch ESPRIT. Wie es um den aktuellen Stand im Handel bestellt ist, darüber haben wir uns mit Axel Augustin unterhalten, Diplom-Ökonom und Geschäftsführer beim Handelsverband BTE.

FASHION TODAY: Herr Augustin, das Weihnachtsgeschäft steht noch aus, aber ansonsten ist das Jahr weitestgehend gelaufen. Wie fühlt sich 2025 aus Sicht der Branche an? Ein Jahr des Überlebens, der Innovation oder beides?
Axel Augustin: „Das Jahr 2025 hat bislang viele Händler enttäuscht. Vor allem die HAKA liegt im Durchschnitt deutlich unter Vorjahr. Und das bei insgesamt weiter steigenden Preisen. Für zu viele Unternehmen geht es aktuell nur noch ums Überleben.“
Digitalisierung und neue Wettbewerber wie SHEIN oder TEMU sorgen für Unsicherheit. Hat der klassische Händler überhaupt noch eine faire Chance?
„Definitiv! Mode ist immer noch ein emotionales Produkt und Menschen spielen zumindest ab dem mittleren Genre weiterhin eine zentrale Rolle. Wer seine Kunden begeistern kann, wird auch weiterhin gute Erfolgschancen haben. Und im Backoffice können digitale Tools helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Kosten zu sparen.“
Was empfehlen Sie den Fachhändlern, um dem Attraktivitätsverlust in den Innenstädten entgegenzuwirken? Gibt es Leuchtturmbeispiele, die Sie anführen können?
„Ohne persönliches Engagement vor Ort wird es schwierig. Am besten bündelt man seine Interessen über den örtlichen Handelsverband und/oder die Werbegemeinschaft. Letztendlich muss man die Kommunalpolitik ständig zu Verbesserungen ermahnen, ohne den eigenen Standort über negative Meldungen unnötig zu beschädigen. Es gibt etliche Städte, wo das dank einer engagierten Kaufmannschaft gut funktioniert, zum Beispiel in Münster.“
Welche Themen halten Sie im Jahr 2026 für am dringlichsten – oder anders gefragt: Was steht beim BTE ganz oben auf der Agenda?
„Politisch steht der Abbau der Bürokratie auf allen Ebenen ganz vorne auf der Agenda. Vieles wurde bislang versprochen, umgesetzt wurde bislang leider fast nichts. In den nächsten Monaten wird es zudem ernst bei der erweiterten Produktverantwortung für Bekleidung, hier sind wir in intensiven Gesprächen mit der Politik über Detailfragen.“
Welche Impulse wünschen Sie sich von der Politik?
„Es wäre gut, wenn die vor der Bundestagswahl gemachten Versprechungen zumindest teilweise umgesetzt würden. Insgesamt brauchen wir in Deutschland jetzt vor allem endlich eine wirtschaftliche Aufbruchstimmung statt Meldungen über weitere Massenentlassungen und Fabrikschließungen. Die Bundespolitik muss mutige Entscheidungen treffen, damit die Menschen wieder positiv in die Zukunft schauen und dann auch wieder konsumieren.“

