Autor: Winfried Rollmann
Die internationelle Leitmesse der Menswear fühlt sich in ihrer 109. Ausgabe mit etwa 750 Ausstellern etwas leichter an. Die Stimmung ist insgesamt erwartungsvoll positiv, auch wenn die italienische Menswear in 2025 mit minus 2,5 Prozent abgeschlossen hat.
Das Thema des Pitti MOTION passt sowohl zu den strukturellen Veränderungen der Menswear-Branche als auch zum Modewandel. Eine Handelslandschaft, die das mangelnde Interesse der Verbraucher beklagt, muss sich auch der Frage nach der Attraktivität ihrer Sortimente stellen. Echter Value for Money, kreative Eigenständigkeit und das Verstehen des neuen Mannsbilds sind die Key Points. Hier hat die Pitti Uomo auch diese Saison einiges zu bieten. In den Gesprächen auf der Messe wird deutlich: Die internationalen Anbieter haben durchaus die Lektionen gelernt, die ihnen die komplexen Herausforderungen des Menswear-Marktes gestellt haben.
STREET TAILORING
In Sachen Modernität wollen Männer heute anders abgeholt werden. Die Street Credibility muss authentisch in den Kollektionen abgebildet werden. Die Hemdjacke aus edlen Stoffen ersetzt das Jacket, dazu entspannte weitere Hosen und Strick. Damit punktet zum Beispiel CRUNA. Allessandro Fasolo, einer der Gründer, entwickelt seinen Mailänder Stil in Richtung Street Tailoring. Dazu feine Cashmere-Pullover in frischen Farben, die bei vernünftigen 400 Euro im VK liegen. Auch Fred Marco Götz, Menswear-Designer bei DRYKORN, sagt: „Für Leute, die mit Streetwear aufgewachsen sind, ist das Sakko ein Hindernis.“ Er setzt auf Loose, Tailored Jackets in Shirt-Bequemlichkeit mit weiten Hosen. Unabdingbar dazu sind Eyecatcher fürs Storytelling. Bei DRYKORN sind das beispielsweise Leo- oder neue Folk-Musterungen.
Für Fantasie und Emotion steht GABRIELE PASINI seit Langem. Er würzt seine fantasievolle, tailored Handschrift diese Saison mit Denim in Zusammenarbeit mit dem Jeans-Spezialisten Memory’s.
COUNTRY AUTHENTICS
Das zweite große Thema ist Country Authenticity. Hier werden Männer abgeholt, die eine gewisse Sicherheit und Casual Attitude suchen. SEBAGO gelingt es hier, einen authentischen East Coast Varsity Look abzubilden mit kernigen Stoffen, gelernten Styles und natürlich den entsprechenden Boat Shoes. Der Erfolg des Komplett-Looks zeigt, wenn der Flavour, das Storytelling und das Value-for-Money-Konzept stimmen, läuft es.
Wer es englischer braucht, ist mit Barbour. weiter gut unterwegs. Die Brand hat schon seit den letzten beiden Saisons einen spektakulären Erfolg im deutschen Handel. Barbour. steht für ehrliche, authentische Funktion mit Brit Soul.
Auch die Italiener kultivieren den Brit Spirit. Wer ihn etwas modischer haben möchte, wird bei GIANNI LUPO fündig. Authentische Waxy Outerwear, Bold Checks und fantastischer Strick passen in junge Sortimente.
BE WELL!
Wellbeing, Comfort und Lounge-Bequemlichkeit sind Balsam für Männerseelen. Softer Strick, technische Materialperformance und gebrushte Oberflächen in hellen Farben sind Fixpunkte in den Sortimenten. Mit einer Après-Ski-Story gibt HERNO den Ton an. Im Komplett-Look von softer Daunenjacke über Landscape-Pullover bis zum Edeljogger stimmt ein reiches, authentisches Storytelling. DUNO definiert Outdoor-Exzellenz in hochwertigen italienischen Wollstoffen mit Daune und Felloptiken.
Jeordie’s überzeugt mit Garnfantasie in Faux Unis in flauschigen Cardigans.
DANIELE FIESOLI ist ein Meister in neuen Struktur-Gestricken in Value for Money.
BOB zeigt auch in den hellen Storys Fantasie in Verläufen auf Walk und Strick. Für Tommaso Bellini, den Macher von BOB, macht heute die Kreativität im schwierigen Markt den Unterschied: „La creatività paga!“ Er warnt vor zu übertrieben großen Schnitten, das ist nach seiner Meinung nur etwas für den wirklich jungen Markt.
Auch Claudio Parolini, der Gründer von THE.NIM, einer für Deutschland wichtigen Denim- und Chino-Brand, betont. „Wir dürfen es mit den Hosenweiten nicht übertreiben, wenn wir unsere Kunden richtig abholen wollen.“ Für ihn ist die straighte LEVI’S 501 aus den 1950s das Proportionsmodell. Als Erfolgsmaterial für die „Softwear“ sieht er nach wie vor Cord.
Mehr von der Pitti Uomo in unserer großen Pitti-Analyse zum 15. Februar.



















