„Deutschland 2033. Ein Szenario“ von Justus Bender

Buchtipp

 „Deutschland 2033. Ein Szenario“ von Justus Bender

Autor: Markus Oess

„Für eine Sekunde ist alles still. Es ist der Moment am Wahlabend, an dem alle das Ergebnis hören, aber noch niemand Gelegenheit hatte, etwas darüber zu sagen Also kurz nach Schließung der Wahllokale. Es ist 18 Uhr und 1 Sekunde. Die Sekunde null.“ Auch wenn der Gedanke naheliegt, es geht nicht um die Wahl in Sachsen-Anhalt, obwohl diese Sätze einer überaus gefährlichen Partei gewidmet sind, die sich anschickt, unsere Demokratie mit demokratischen Mitteln zu zerstören. Diese Sätze stammen aus „Deutschland 2033“ von Justus Bender. Bender, seit 2019 in der Politikredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung tätig und bereits Autor der Bücher „Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland“ und „Der Plan. Strategie und Kalkül des Rechtsterrorismus“, legt mit dem Buch sein drittes Werk zur AfD vor – diesmal in Form eines fiktionalen Szenarios.

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Weckruf an die Demokratie ©getimage

Der Roman entwirft ein Deutschland im Jahr 2033, in dem die AfD nach einer Bundestagswahl triumphiert, die „Brandmauer“ der übrigen Parteien fällt und die Union eine Koalition mit den Rechtspopulisten eingeht. Bender zeigt, wie Verfassungsschutz und demokratische Institutionen in seinem Szenario nicht durch einen Putsch, sondern schrittweise allein durch Verwaltung, Paragrafen und eine politisierte Justiz demontiert werden. Seine erklärte Absicht ist dabei keine reine Schwarzmalerei: Bender will vielmehr aufzeigen, welche Politik und Kommunikation heute nötig wären, um ein solches Scheitern von morgen zu verhindern. Das Buch versteht sich damit als Warnung mit Handlungsappell, gestützt auf Benders langjährige journalistische Beschäftigung mit der Partei. Denn jetzt ist es noch recht billig für uns, uns gegen den Griff nach der Macht durch die AfD im Bund zu wehren. Wir sollten nicht vergessen, dass auch auf Bundesebene die Blauen in Umfragen führen und mit Hetze und Hass den politischen Diskurs viel zu oft bestimmen.

Wird aber Benders Szenario Realität, wird es für jeden gefährlich, gegen die AfD aufzustehen, und irgendwann ist der Kipppunkt erreicht. Nicht ohne Grund spielt das Buch im Jahr 2033 genau 100 Jahre nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. In welcher Katastrophe diese fatale Ernennung endete, wird von der AfD wohl nicht nur in Sachsen-Anhalt am liebsten ausgeblendet. „Wer erst wiedererkennt, wenn es zu spät ist, hat Fehler wiederholt, bis sie sich nicht mehr korrigieren lassen. Benders Buch ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur politischen Wachsamkeit“, schreibt Ruprecht Polenz. Und er hat recht.

Die AfD wurde mit 43,8 Prozent stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt, die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab. Die AfD verpasste mit 39 von 83 Sitzen zwar die absolute Mehrheit, Parteichefin Alice Weidel sprach dennoch von einem „historischen Ergebnis“ und einem „sehr klaren Regierungsauftrag“. Der Landesverband der AfD Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz bereits seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft – unter anderem wegen migrantenfeindlicher Aussagen und Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken. Die Einstufung hinderte die Partei allerdings nicht daran, an der Wahl teilzunehmen oder ihre Mandate zu behalten. Wir sollten aber meiner Meinung nach auch aufhören, für Menschen immer wieder Verständnis aufzubringen, die eine gesichert rechtsextreme Partei gewählt haben. Rechnen wir die BSW-Wähler dazu, zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt bewusst der Verfassung den Rücken gekehrt haben. Denn wo das Kreuz auf dem Wahlzettel gemacht wird, ist bekanntlich eine freie Willensentscheidung. Das müssen wir auch deutlich aussprechen, wollen wir diesen Irrsinn stoppen.

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Erschienen am 20. August 2026
3. Auflage, 2026
Verlag C.H. Beck, 2026, 284 Seiten
ISBN 978-3-406-85159-9

Bender hat sein Szenario zeitnah an der politischen Realität geschrieben – leider. Was als fiktive Zuspitzung für das Jahr 2033 geschrieben wurde, liest sich nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt für heute weniger nach Fiktion als nach Trendextrapolation. Ein sehr lesenswertes Buch, das uns alle in die Pflicht nimmt, aufzustehen und unsere Demokratie, unsere freie Gesellschaft zu verteidigen.

Der Autor

Justus Bender ©Privat

Justus Bender, geboren 1981, hat Philosophie und Amerikanismus in Frankfurt am Main studiert. Er ist stellvertretender Leiter des Politikressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und gilt als profunder Kenner der AFD. Bender beobachtet die Partei seit ihren Anfängen als euroskeptische Kleinpartei und hat 2017 mit „Was will die AFD?“ das Standardwerk über deren Aufstieg und Ziele geschrieben.