Autor: Markus Oess
Wolfgang Müller, Geschäftsführer von hajo POLO & SPORTSWEAR, sieht den Mode-Markt nüchtern: schwache Abverkäufe, schwieriger Winter, verunsicherter Handel. Aber der Firmenchef ist zufrieden. Für Herbst/Winter 2026/2027 strafft hajo die Kollektion, gliedert sie in drei Themen und setzt auf bewährte Materialkompetenz in Polo, Sweat, Strick und Hemd. Wachstum kommt regional vor allem aus Bayern, wo der neue Reisende Florian Gundel für zweistellige Zuwächse sorgt.
Der Modehandel kommt nicht aus dem Krisenmodus. Wolfgang Müller, Geschäftsführer von hajo POLO & SPORTSWEAR, sieht zwar eine stabile Entwicklung, spricht aber klar von einem weiterhin angespannten Umfeld. „Alles in allem können wir mit der aktuellen Marktentwicklung zufrieden sein, auch wenn das allgemeine Marktumfeld nach wie vor schwierig bleibt.“ Entscheidend sei die Lage auf der Fläche: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie fragil die Abverkäufe sind, vor allem, weil sich der Winter erneut nicht eben positiv auf die Frequenz und den Umsatz auf der Fläche ausgewirkt hat.“ Für Müller ist das inzwischen fast schon ein Dauerzustand: „Im Grunde genommen ist es mittlerweile der vierte sehr schwierige Winter in Folge, den der Handel zu bewältigen hat.“
Die Konsequenz ist für ihn klar: „Vor diesem Hintergrund fokussieren wir uns darauf, stabil durch diese Phase zu kommen“, während die Geschäfte im Handel schleppend verlaufen. Entscheidend sei, dass die Marke handlungsfähig bleibt. „Genau deshalb setzen wir in der Kollektion sehr bewusst auf Kontinuität, auf klare Themen und auf Produkte, die dem Handel Sicherheit geben.“
hajo sieht aber auch Lichtblicke. Müller betont die Entwicklung in Bayern: „Dort haben wir mit Florian Gundel seit gut einem Jahr einen neuen Reisenden im Einsatz, der für eine spürbar positive Dynamik sorgt. Wir sind in dieser Region über zwei Saisons hinweg zweistellig gewachsen.“ Auch NRW entwickle sich positiv: „Wir kommen voran und gewinnen neue Kunden, wenngleich das Wachstum dort kleinteiliger ist.“ Daraus leitet Müller seinen Kernansatz ab: „Nähe zum Handel, Verlässlichkeit und eine klare Kollektionshandschrift“ seien gefragt. Wachstum entstehe „nicht durch Aktionismus, sondern durch kontinuierliche Präsenz, saubere Sortimente und eine realistische Einschätzung dessen, was der Markt aktuell leisten kann.“
Folgerichtig setzt Müller für Herbst/Winter 2026/2027 auf Struktur statt auf Experimente: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht jedes Jahr alles neu zu erfinden. Kontinuität ist für uns kein Stillstand, sondern ein strategisches Instrument.“ Gerade jetzt brauche der Handel Verlässlichkeit. „Deshalb haben wir unsere Kollektion gestrafft, klar strukturiert und thematisch sauber aufgebaut.“
Konzeptionell bewegt sich die Herrenkollektion zwischen urbaner Lässigkeit, sportiver Dynamik und naturverbundener Wärme. Das übersetzt hajo in drei Themen: City Code, Club Rule und Chalet Law. City Code steht für urbane Eleganz und klare Linien. Club Rule bringt Casual-Sporty, wohingegen Chalet Law die warme, alpine Seite abbildet. Formseitig prägt die Saison der Trend zu hochgeschlossenen Kragenformen. High-Neck-Varianten sind bei Jersey, Sweat und Strick gesetzt, ergänzt um Stehkragen mit Tunnelzug, Schlauchkragen in Wickeloptik und knopflose Lösungen. Essenzielle Basics wie T-Shirts und Longsleeves werden als Layering-Bausteine geführt. Jacken und Overshirts spielen eine zentrale Rolle, als modisches Hybrid zwischen Hemd und Jacke und als Ganzjahresbegleiter.
Lässig, sportiv
Im Kernsortiment bleibe Polo ein starkes Segment, führt Müller weiter aus. Die Langarmvarianten im Winter greifen klassische Elemente wie Kragen und Knopfleiste auf und reichen von Ton-in-Ton- bis zu Bicolour-Jacquards und Streifen. Im Sweatbereich arbeitet hajo mit Strukturen und Materialeffekten: Fischgrat-Jacquards mit Effektgarnen, Flammengarne, zweifarbige Effekte. Neu ist die vierteilige „Organic Cotton Line“ auf Basis kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle. Dazu kommen Oberflächen mit Peach Finish und Rippen, die Cord-Charakter imitieren.
In Strick entwickelt hajo mehr Modernität. Müller betont dabei: „Wir haben in der Strickkollektion noch mal Gas gegeben. Der Modegrad wurde erneut erhöht, ohne die kommerzielle Basis aus den Augen zu verlieren.“ Chenille bleibt ein zentrales Element: „Der plüschige Griff, der leichte Schimmer und die lebendige Struktur geben den Modellen Tiefe und Wertigkeit.“ Ergänzt wird das Sortiment durch variierte Zopfmuster, Fair-Isle-Elemente und neue Strickbilder. Ein weiterer Punkt: „Mehr als ein Drittel unserer Strickmodelle wird ,Made in Italy‘ gefertigt.“ Müller verweist dabei auf langjährige Partnerschaften und die Premium-Strickserie smart relaxx®.
Das Hemdsegment baut die Marke weiter auf. Müller sagt: „In Ergänzung zur im vergangenen Sommer wiedereingeführten Hemdenkollektion führen wir diesen Kollektionsbestandteil auch im Winter konsequent fort.“ Hemden seien mittlerweile „ein strategischer Baustein“. Neben Flanell und Popeline bringt hajo Japanese Knit sowie Jerseyhemden aus funktionalen Materialien. Die Musterpalette reicht von floralen Designs über Karos bis Pepita; bei den Kragen stehen Kent, Button-down, Under-Button-down und Cutaway im Fokus.
Nachhaltigkeit binden die Weidener über Materialentscheidungen ein, wie Müller erklärt: „Nachhaltigkeit ist für uns kein isoliertes Thema, sondern Teil unserer Material- und Produktentscheidung.“ Recycelte Wolle spiele etwa bei Tweed, Glencheck und Streifenqualitäten eine Rolle. Gleichzeitig bleibt er realistisch: „Es geht nicht um plakatives Labeling, sondern um nachvollziehbare Konzepte.“
Auch die Vermarktung am POS behält Müller im Blick. Müller verweist auf die Qualität des Bildmaterials: „Beim Shooting im Schloss Elmau hatten wir tatsächlich Glück mit dem Wetter.“ Das zahle auf den Verkauf ein: „Wir konnten diesmal sehr hochwertiges Verkaufsmaterial produzieren.“
Die Weidener werben für den Herbst/Winter 2026/2027 mit Themenwelten, Materialkompetenz und verlässlichen Bausteinen. Müller ist überzeugt, so, stabil aus dieser Saison herauszukommen. Und: „Kontinuität, Qualität und eine klare Handschrift sind aus meiner Sicht die entscheidenden Faktoren, um auch in einem schwierigen Umfeld bestehen zu können.“ Ein kleines Jubiläum gibt es außerdem: Im Jahr 2026 begleitet hajo zum zehnten Mal die German Polo Tour als offizieller Ausstatter und Sponsor.
Zwischenwelten

Formthemen sind High-Neck- und Stehkragen, Schlauchkragen sowie knopflose Varianten. Layering bleibt wichtig: T-Shirts, Longsleeves, Jacken und Overshirts. Polo wird im Winter als Langarmvariante ausgebaut. Sweat arbeitet mit Strukturen, Effekt- und Flammengarnen; neu ist die „Organic Cotton Line“. Strick setzt auf neue Musterbilder, Chenille und Made-in-Italy-Anteile von über einem Drittel. Hemden umfassen Flanell, Popeline, Japanese Knit sowie Jerseyhemden aus funktionalen Materialien.








