Woll-Kunst made in Iceland

Woll-Kunst

'Dulur' exhibition
Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Wolle ist in Island ein besonderes Kulturgut, verbunden mit vielen Traditionen. Da liegt es nur nah, dass das Naturmaterial auch für die heimische Kunstwelt ein wichtiges Arbeitsthema darstellt. FASHION TODAY hat die Werke der isländischen Textilkünstlerin Anna Thora Karlsdóttir näher betrachtet. 

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Wolle ist das Metier der isländischen Künstlerin Anna Thora Karlsdóttir. Seit ihrem Abschluss im Jahr 1970 an der Kunstschule Myndlista in Reykjavik beschäftigt sie sich bereits mit dem Naturmaterial, das gerade in ihrer Heimat Island sehr mit Tradition und Kulturgeschichte verbunden ist. Islandwolle war in der Historie der Inselbewohner über Jahrhunderte hinweg überlebensnotwendig, um den rauen klimatischen Bedingungen zu trotzen und wirtschaftlich zu bestehen. Sie ist für sehr wasserabweisende, wärmende, atmungsaktive und besonders widerstandsfähige Eigenschaften bekannt, bestehend aus einer Kombination von zwei unterschiedlichen Fasertypen.

Karlsdóttir nutzt das Material, um organische Objekte zu schaffen, die unterschiedlichste Formen annehmen. Ihre Werke präsentieren sich auf dem Boden liegend und in den Raum erhebend. Sie suchen sich als Geister zu manifestieren. Es schweben Konturen, Farben und Silhouetten, die die Aufmerksamkeit auf den Himmel und die Erde lenken. Natur steht als Motiv im Mittelpunkt. Und auch wenn die Formen einen geordneten Rahmen zu bilden scheinen, so offenbaren sich bei genauerer Betrachtung Ungezähmtheit, Grenzenlosigkeit. Die Werke – wie zuletzt in der Exposition „Naturally“ gezeigt – durchdringen den Raum auf natürliche Weise. Sie verbinden sich mit der nächsten Umgebung und rücken bis in Außenwelten vor. Es steht für die Modelle eine mühelose, natürliche Arbeit mit Wolle im Vordergrund, die Schutz und Wärme für Körper und Seele suggeriert. Die Künstlerin wendet sich der Natur zu, um ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen und an Ursprünge zu erinnern. Denn Natur empfindet sie als Kraftquelle, als grundlegende, universale Verbindung zu allem und jedem.

Karlsdóttir unterrichtet in Island Kunst an Schulen aller Stufen. Zwölf Jahre lang leitete sie gemeinsam mit anderen Kunsthandwerkerinnen die Kunstgalerie Kirsuberjatréð in Reykjavik. Zudem erhielt sie Bezüge als staatliche Künstlerin und Stipendien der Fonds „Myndstef“ und „Muggur“ für Auslandsreisen. Zweimal wurde ihr ein Künstleraufenthalt in Finnland und Paris, Frankreich, gewährt.

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  • 'Naturally' exhibition

„Naturschutz bestimmt meine künstlerische Praxis!“

Anna Thora Karlsdóttir

FASHION TODAY: Was bedeutet Wolle für Sie?
Anna Thora Karlsdóttir:
„Meine Verbindung zu Wolle begann schon vor meiner Geburt. Meine Mutter kaute während ihrer Schwangerschaft gerne auf Wollgarn herum. Und als Kleinkind brauchte ich viel mehr einen Wollpullover zum Beißen als einen Schnuller. Die Arbeit mit Wolle fühlt sich für mich daher immer wie eine natürliche Fortsetzung von etwas an, das tief in mir verwurzelt ist.“

Schwingen isländische Traditionen in Ihrer Arbeit mit?
„Auf jeden Fall. Ohne Wolle hätten die Menschen in Island die harten Bedingungen unseres Landes nicht überlebt. Diese Geschichte und Widerstandsfähigkeit fließen in alles ein, was ich schaffe.“

 Was wollen Sie über Ihre Kunst vermitteln?
„Durch die Arbeit mit dem natürlichen Material Wolle möchte ich mein Engagement für den Naturschutz zum Ausdruck bringen. Das war auch die Kernbotschaft meiner letzten Ausstellung ‚Naturally‘ und sie bestimmt weiterhin meine künstlerische Praxis.“

www.annathora.is