Unaufgeregt erfolgreich? Hallo Skandis!

Skandinavien

DAs Kopenhagener Label NATIVE NORTH setzt auf einen zeitlosen Mix aus Street und Klassik. Bild: NATIVE NORTH

Autorin: Nina Peter

TIGER OF SWEDEN, Nudie Jeans, WOOD WOOD, Acne Studios, ASTRID ANDERSEN und NORSE PROJECTS … an diesen starken Brands vorbeizusehen, ist derzeit unmöglich, denn die liebevoll genannten Skandis sind in aller Munde. Sie sind die Minimalisten. Die, die es beherrschen, moderne Klassiker zu kreieren. Die, die absolute Street Credibility haben. Funktional, hochwertig, progressiv und voller Innovation in Material und Oberfläche. Fortschritt ist ihr Ding … und die unschlagbare Fähigkeit, Einflüsse, Stile und Techniken anderer Bekleidungskulturen aufzugreifen und mit der eigenen Tradition zu vereinen. Ein bisschen japanisch, ein bisschen amerikanisch, ein bisschen skandinavisch … das, was stilistisch hinten rauskommt, trifft den Puls der Zeit.

Neben den Big Stars der Szene gibt es durchaus auch jüngere Brands, die diesem Erfolgsprinzip gerecht werden. Deutschland steht bei ihren Expansionsplänen oben auf der Liste. Das nicht nur wegen der guten Nachbarschaftspflege, sondern vor allem wegen der positiven Resonanz. Es lohnt sich also, dem Prinzip der Skandis zu folgen und einen offenen Blick auf das zu werfen, was sie derzeit zu bieten haben.

NATIVE NORTH

Das dänische Label NATIVE NORTH wurde 2014 von dem Designer Morten Hvidtsted ins Leben gerufen, ist auf hochwertige und zeitlose Menswear mit traditionellen Techniken spezialisiert und hat seinen Sitz in Kopenhagen. Bild: NATIVE NORTH

FT: Morten, was macht euren Stil einzigartig?
Morten Hvidtsted: „Die Verbindung zur skandinavischen Tradition ist in unseren Designs unverkennbar. Unser Fokus sind simple Silhouetten auf Canvas-Basis in cleanen Formen und klassischen, gedämpften Farben. Allerdings sind unsere Designs bedingt durch die weitreichenden Inspirationsquellen und unsere Experimente mit besonderen Materialien, Oberflächen und Farben etwas zu exzentrisch für diese Tradition.“

 Kann man ihn als typisch skandinavisch beschreiben?
Im weiteren Sinne kann er als skandinavisch bezeichnet werden. Dennoch würden wir NATIVE NORTH nicht als ‚typisch‘ kategorisieren. Wir sind bekannt für kleine Details und ausgewählte Zutaten, das unterscheidet uns grundsätzlich von typisch skandinavischen Designs.

Bemerkt ihr ein zunehmendes europäisches Interesse an skandinavischen Marken und Styles?
„Ja. Wir denken, dass das Interesse immer schon da war, aber weniger als in der letzten Zeit. Das globale Interesse an skandinavischen Styles und dänischen Designs ist generell gewachsen.“

Habt ihr in diesem Zuge einen Orderzuwachs oder zusätzliche Händler in Deutschland und Co gewonnen?
„NATIVE NORTH ist noch sehr jung. Wir befinden uns noch in der Aufbauphase und wir stecken sehr viel Zeit in unsere Fundamente – unsere Website und unseren Flagship-Store in Kopenhagen. Wir erwarten uns ein schnelles Wachstum in vielen Ländern. Allerdings sind die USA und Deutschland unser Hauptfokus für die kommende Saison. Wir haben schon einige Händler in Deutschland, aber viel Ware wird dort ebenfalls über unseren Webshop direkt bestellt. Die Deutschen scheinen unsere Designs sehr zu mögen.“

Wie wichtig ist der deutsche Markt für euch? Habt ihr Expansionspläne?
„Der deutsche Markt ist sehr wichtig für uns. Da wir Dänen sind, gibt es ohnehin eine unmittelbare Verbindung zwischen uns und Deutschland – wir sind ja praktisch Nachbarn! Wir haben derzeit laufende Expansionspläne für Europa und die USA.“

NIKOLAJ d’ÉTOILES

Das schwedische Luxuslabel NIKOLAJ d’ÉTOILES vereint Dandy-Stil, Sportivität und skandinavische Coolness. Bild: NIKOLAJ d’ÉTOILES

Anna Björkstedt ist Brand Manager und Creative Director der in Stockholm ansässigen Marke NIKOLAJ d’ÉTOILES, deren Konzept die Gründer bereits 2005 in Stein meißelten. Perfektion, Eleganz, die Verbindung aus alten und neuen Kulturen und die Bereitschaft zu einem stetigen modischen Wandel, der sich immer der zeitgemäßen Definition von Modernität anpasst, charakterisieren die Luxusmarke.

FT: Anna, was macht euren Stil einzigartig?
Anna Björkstedt: „NIKOLAJ d’ÉTOILES begann als erste skandinavische Luxusmarke im Bereich Menswear, Dandy-Bekleidung mit skandinavischer Coolness zu kombinieren. Von diesem Standpunkt aus haben wir uns dann zu einer erschwinglichen Luxusmarke weiterentwickelt, die die Brücke zwischen dem Contemporary- und dem Luxussegment schlägt – und das mit einer Produktpalette, in der Schnittperfektion auf Sport trifft und damit den modernen Mann anspricht. Wir liefern tragbare, sophisticated, moderne Menswear, die im Trend liegt, aber nicht übertrieben trendig ist, setzen dabei auf italienische Qualitäten und produzieren in einigen der besten Manu­fakturen Europas. NIKOLAJ d’ÉTOILES bietet somit Designerqualität zu einem erschwinglichen Preis und das ist für mich einzigartig! Unsere Kunden kombinieren NIKOLAJ d’ÉTOILES sowohl mit Brands wie LANVIN, PRADA und VALENTINO als auch mit Streetwear Brands. Sie sind sehr stil- und qualitätsorientiert.“

Kann man ihn als typisch skandinavisch beschreiben?
„Ja und nein. Aus Sicht der Skandinavier werden wir höchstwahrscheinlich als eine nicht sehr schwedische Marke angesehen, aber aus einer europäischen Perspektive denke ich, dass wir als skandinavisch eingestuft werden. NIKOLAJ d’ÉTOILES ist tragbar, stylish und sophisticated mit einer sportiven Note. Wenn es um Werte, Silhouetten, Qualität, Preis und Nachhaltigkeit geht, sind wir sehr skandinavisch. Aber wir sehen uns als globale Brand. Das ist die perfekte Kombination, wenn du mich fragst. Der NIKOLAJ-d’ÉTOILES-Mann reist um die Welt und dadurch entwickelt er ein internationales Gespür für Stil. Er interpretiert Trends auf der Basis seiner Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturen und Städten. Er ist sehr selbstbewusst und aufgeschlossen. Er ist ein Weltbürger mit einer skandinavischen Seele.“

Bemerkt ihr ein zunehmendes europäisches Interesse an skandinavischen Marken und Styles?
„Ja, ich glaube, dass der skandinavische Stil die ganze Fashion-Welt beeinflusst. Ich denke, der Grund dafür ist, dass die skandinavische Mode sehr tragbar und funktional und von großem Wert in Bezug auf Preis, Qualität und Stil ist. Wir reagieren sehr schnell auf Trends und lieben es, mit Mode zu experimentieren – aber auf unsere eigene Art und Weise. Ich mag besonders, wie wir Skandinavier die Lieblingsteile unserer Garderobe für die verschiedensten Anlässe nutzen. Mal werden sie schicker kombiniert, mal lässig, um eben dem bestimmten Anlass gerecht zu warden … oder sie werden eben einfach nur als Alltagsgarderobe getragen. Ich denke, dass das eine sehr moderne Art ist, um verschiedene Stile zu kreieren.“

Bild: NIKOLAJ d’ÉTOILES

Habt ihr in diesem Zuge einen Orderzuwachs oder zusätzliche Händler in Deutschland und Co gewonnen?
„Wir sind gerade mitten in einem Prozess, in dem wir unser gesamtes Geschäftsmodell und unsere Sortimentsstruktur verändern. Wir wollen die Zeit zwischen Idee und fertigem Produkt im Regal verkürzen, näher am Endverbraucher arbeiten und eine starke Marke schaffen, die eine gute Verbindung zum Markt hat und über ein stabiles Vertriebsnetz verfügt, sowohl für uns als auch für unsere Partner. Das ist eine sehr wichtige Strategie für uns und wir glauben, dass sie uns eine bessere Basis schafft, um mit neuen Händlern in neuen Märkten gesund zusammenzuarbeiten. Das heißt auch, dass wir gezielt Händler suchen, die offen dafür sind, die saisonalen Kollektionen innerhalb der Saison zu kaufen und unsere Bestseller saisonunabhängig anzubieten. Wir versuchen, wählerisch und clever beim Vertrieb unserer Kollektion zu sein und mit Kunden zusammenzuarbeiten, die uns helfen können, diese Marke zu formen, und bei denen wir in Gesellschaft von Premium- und Luxusmarken sind, die unseren Look komplettieren.“

Wie wichtig ist der deutsche Markt für euch? Habt ihr Expansionspläne?
„Wir würden gerne in einigen ausgewählten Städten und Regionen Deutschlands expandieren. Aber es wird eine selektive Herangehensweise und keine flächendeckende. Deutschland ist ein großer Markt, also ist es von starker Bedeutung für uns, dort die richtigen Kunden zu erreichen. Wir haben derzeit keine Geschäftsbeziehungen in Deutschland, außer über unseren Webshop nikolajdetoiles.com, aber ich glaube, dass unsere Marke durchaus von Interesse für den deutschen Mann sein könnte, und ich freue mich sehr über ein wachsendes Geschäft mit dort ansässigen Händlern.“