Spieglein, Spieglein an der Wand …

Beauty-Trends bei Männern

Der Mann legt wieder Wert auf gepflegtes Äußeres. (Bild: PITTI UOMO)

Autor: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Rougher Vollbart-Look oder doch lieber smart zurückgelegte Haare mit glatt rasiertem Gesicht? Selten präsentierten sich Männer mit ihrem äußeren Erscheinungsbild so facettenreich wie zurzeit. Fest steht: Der Mann von heute ist dem Thema Schönheit nicht abgeneigt. Beautyshops sowie Kosmetikprodukte for Men zeigen sich stark im Kommen. Eine Momentaufnahme.

Ein neuer Trend erobert das Internet. Als sogenannte „Beauty Boys“ ziehen Männer mit perfekt geschminkten Lidstrichen und akkurat nachgezogenen Lippenkonturen die Begeisterung Zigtausender Fans auf sich. Patrick Starr alias Patrick Simondac gilt als prominentestes Beispiel der Szene. Die Make-up-Tutorials des YouTubers verfolgen mittlerweile über zwei Millionen User, auf Instagram lassen sich drei Millionen Follower zählen. Dabei wollen die „schönen Jungs“ nicht etwa an die Bewegung der Drag Queens anknüpfen. Vielmehr will man darauf aufmerksam machen, dass das Thema Make-up und Beauty nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden ist. Der  Blogger Jake-Jamie Ward startete unlängst sogar unter dem Hashtag #makeupisgenderless eine Online-Kampagne, die Bilder von Männern weltweit geschminkt zeigt.

Männer-Make-up macht Geschichte

Männer zelebrieren das Thema Beauty?! In der Tat sind Männer und Make-up kein Novum oder gar eine außergewöhnliche Kombination. Quer durch die Geschichtsschreibung tauchen geschminkte Männer auf – ob Pharaonen im alten Ägypten oder Adlige zu Zeiten des Barocks und Rokoko. In der Moderne verhalfen grelle Zeichnungen im Gesicht der Band Kiss zu Weltruhm. Und was wäre Boy George ohne seinen blauen Lidschatten? Oder der junge Beckham ohne seine schwarz lackierten Fingernägel? Ob Jared Leto mit Kajalstrich oder Pharrell Williams mit Eyeliner-Make-up – die Liste der Beispiele ist lang. Und noch länger wird diese, wenn man von dekorativer Kosmetik einmal absieht und sich allein auf das Sujet Gesichts- und Körperpflege beschränkt. Während es für Männer noch vor nicht allzu langer Zeit kein großes Thema war, viel Mühe und Zeit in das Äußere zu investieren, so haben sich die Dinge heutzutage merklich verändert. In welchem Umfang der Trend hin zu mehr Pflege bei den Männern auf der Straße tatsächlich angekommen ist, lässt sich bei einem Streifzug durch die City schnell beantworten.

Gepflegte Bärte und steigende Umsätze

Köln-Mitte. Männer mit vollen Bärten und lässiger Klamotte kreuzen den Weg, ebenso glatt rasierte Gentleman-Typen. Bei näherer Betrachtung stechen oftmals Männer mit Gesichtsbehaarung eindeutig als beautyaffin ins Auge. Denn was auf den ersten Blick rough und originär wirkt, wird in Wahrheit penibel gehegt und gepflegt. Nicht umsonst sind der Bart und seine richtige Handhabe zu einem wichtigen Thema für Blogger avanciert, haben diverse Kosmetikhersteller ihr Sortiment prominent um Bartpflege erweitert. Selbst traditionsreiche Pomadenproduzenten sind auf den Zug aufgesprungen. Um den pflegebewussten Männern lifestylekonform gerecht zu werden, schmücken diese ihre Ölfläschchen gar mit markanten Bildern eines toughen Vollbartträgers. Die Industrie steckt laut Experten noch in den Kinderschuhen, zeigt sich jedoch durchaus einfallsreich. Neben gängigen Cremes und Anti-Müdigkeit-Gels für die Augen gibt es Haarwuchs- und Bartshampoos, zu den Kuriosa dürfen wohl eigens für Männer gemachte Wattepads zählen. Das stetig wachsende Angebot für das starke Geschlecht zieht. Bereits seit Jahren verbucht die Kosmetikindustrie steigende Umsatzzahlen für Men-Produkte. So erklärt der Konzern Unilever im Geschäftsbericht des letzten Quartals 2016, dass die Marke Dove dank der positiven Entwicklung der Premium- sowie der Men Range erneut eine gute Performance für das gesamte Jahr abliefern konnte.

Beauty-Werkstätten im Trend

Inwieweit das Thema Beauty Einzug in den Männeralltag gehalten hat, lässt sich nicht zuletzt auch an der wachsenden Anzahl von an männlicher Klientel ausgerichteten Barber-, Beauty- und Nagelshops ausmachen. Ein Paradebeispiel ist der Salon Hammer & Nagel, der in München und Nürnberg als „Werkstatt für Männerhände“ Maniküre-Behandlungen mit den Titeln „Schnelle Nummer“ und „Hammer Ding“ anbietet. Das Konzept des Ladens entfernt sich bewusst von „Saubermann“-Images, die eventuell gekünstelt wirken könnten. Das Ambiente präsentiert sich rough und authentisch, von Vintage- und Industrial-Design-Elementen geprägt. Auch wenn Beauty im Fokus steht, soll der Mann ganz Mann sein dürfen – sich quasi in seinem natürlichen Lebensraum wiederfinden. Die Kampagnen- und Werbemotive zeigen tätowierte und bärtige Typen mit lässigen Sprüchen wie „Schlimme Finger“ oder „Macht harte Kerle handzahm“. Denn auf Lässigkeit kommt es im aktuellen Umgang mit dem Thema wesentlich an. Ob Patrick Starr mit seinen Make-up-Tipps oder der Normalsterbliche mit Augencreme im Gesicht und Pflegeöl im Haar – es geht um ein neues Level der Selbstverständlichkeit, schlichtweg Natürlichkeit, mit der Männer ihr Bedürfnis nach Pflege neuerdings verstehen und auch verstanden wissen wollen. Etwas Eitelkeit darf nicht schaden. So zitiert Hammer & Nagel auf der firmeneigenen Homepage – quasi den „Prototyp“ eines Mannes – John Wayne: „Ein Mann, der nicht eitel ist, ist kein Mann.“ Wohl wahr.

Raum für neue Konzepte

von Maximilian Fuchs

Bild: MR. BEAU

Im Herzen von Trier, unweit der Porta Nigra, hat im Oktober 2016 Deutschlands erstes Kosmetik- und Wellnessinstitut für Herren eröffnet. Die Geschäftsführerin Alesja Kroneberger und ihr Team bieten bei MR. BEAU spezielle Treatments für Männer, von der professionellen Enthaarung bis zur entspannenden Gesichtsbehandlung. „Die meisten unserer Kunden liegen im Altersschnitt von 30 bis 45 Jahren, aber natürlich kommen auch jüngere oder ältere Herren zu uns“, erklärt Alesja Kroneberger, selbst langjährige Kosmetikerin, im Interview. Um geeignete Behandlungen und Pflegeprodukte für den Kunden zu finden, wird eine individuelle Typenberatung angeboten. Im Markensortiment finden sich Brands wie Jack Black oder Ebenholz. „Ich wähle alle Pflegeprodukte mit großer Sorgfalt aus, dabei sind vor allem die Inhaltsstoffe entscheidend. Parabene oder Paraffine gibt es bei uns nicht“, so Kroneberger weiter. Die kundenseitige Akzeptanz ist hoch, auch wenn die männliche Laufkundschaft manchmal noch zögerlich ist. „Manche der Herren schauen ins Fenster, drehen eine Runde um den Block und kommen schließlich doch zu uns in den Laden.“ Hierbei zeigt die Erfahrung: „Wenn Männer einmal die Wohltat und den Effekt einer Behandlung erlebt haben, kommen die meisten von ihnen wieder“, resümiert Alesja Kroneberger.