Weinberg: neues Arbeiten gefordert

Prof. Ulrich Weinberg ©HPI School of Design Thinking

20.12.2018

Digital sprechen, aber analog denken

Prof. Ulrich Weinberg ist Director HPI School of Design Thinking in Brandenburg. Er sagt, die Digitalisierung der Modebranche werfe viele Fragen auf, etwa wie sich die Unternehmen in der Zukunft organisieren und welche Art von digitalen Kanälen künftig genutzt werden. „Welche entwickeln wir, welche brauchen wir speziell für die Branche? Ich glaube, da ist in der Mode, weil sie auch ein Kreativbereich ist, vielleicht schon viel mehr passiert als in anderen Bereichen, die nicht so viel mit Kreation zu tun haben“, sagt Weinberg.

Die digitale Transformation sei kein Sprung, der sich von jetzt auf gleich vollziehe sondern ein langjähriger Transformationsprozess. „Mit Design Thinking sind wir an einer Schnittstelle unterwegs. Wir nutzen den Design-Prozess, den jeder Designer intuitiv vollzieht, und das eigentlich schon seit es das Thema Gestaltung gibt, für die Kollaboration von Teams zu jedem beliebigen Thema. Unser Impetus ist, dass die digitale Welt in erster Linie eine vernetzte Denkhaltung braucht, raus aus diesem Silo-Denken, was die analoge Welt noch geprägt hat und auch weiterhin Organisationen massiv prägt.“

Design Thinking definiere einen Dreiklang, der aus kollaborierenden Teams besteht, aus dem Design-Thinking-Prozess, den jeder Designer ohnehin durchlaufe und dem physische Raum, der das überhaupt möglich mache. „Die jetzige Lern- und Arbeitsumgebung, kommt auch aus den analogen, kompetitiven Zeiten – aus den Zeiten, in denen man Leute in Einzelbüros verfrachtet hat. Da wurden dann Großraumbüros mit Einzeltischen draus, aber Kollaboration förderte das trotzdem nicht”, sagt Weinberg.

Wichtig sei, die Mitarbeiter auf dem Weg vom analogen und kompetitiven Denken zum digitalen vernetzten Arbeiten proaktiv zu begleiten. Dies könne in kleinen Schritten mit Einzelmaßnahmen und Workshops oder auch institutionalisiert über Incentives geschehen. Die Firma Bosch zum Beipiel „hat schon Anfang 2016 den Einzelbonus im gesamten Unternehmen abgeschafft. Es gibt keine Zielvereinbarung mehr für Einzelpersonen, es gibt auch keinen Bonus, der da dran hängt. Es gibt weiterhin einen Team-Bonus und einen Company-Perfomance-Bonus. So wird der Fokus auf den Kulturwandel, hin zu einer kollaborativen Unternehmenskultur, gelegt.“ Zudem sollte dringend auch die Organisationsstruktur auf den Prüfstand. Wegner wird zu diesem Thema auch im Januar auf dem Konferenzformat der PREMIUM GOUP, #FASHIONTECH BERLIN, die die Arbeitswelt von morgen in den Fokus nimmt, referieren.