Pitti Uomo #96: Bunt, na und?

©Winfried Rollmann

Natürlichkeit und Funktion

Viel los auf der Pitti. Die Stimmung ist gut und die Botschaft der Messemacher, „The Pitti Special Click“, trifft ins Schwarze. Florenz hat im Augenblick den Kick und die Modesonne lacht. Dass die Laune steigt, hängt sicher auch an den Jahreszahlen 2018, die der Verband Confindustria Moda für die Menswear veröffentlicht hat. Der Verband hat seine Prognose von  1,5 Prozent auf 2,4 Prozent nach oben angepasst. Das ist angesichts der augenblicklichen Verfassung der italienischen Wirtschaft durchaus bemerkenswert. Allerdings kommt das Wachstum aus dem Ausland und so wundert es nicht, dass gerade die heimischen Anbieter auf ihre internationale Klientel setzen. Modisch geht es entspannt zu, die Kollektionen versprühen eine entspannte Leichtigkeit. Es geht um eine neue Lässigkeit, die etwa das Sakko durch Strick und Overshirts ersetzt. Urban Hiking bleibt angesagt.

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Die Funktion wird mit Natürlichkeit verbunden. Herno Laminar etwa zeigt neue Bi-Qualitäten: außen Leinen, innen Hightech. ORIAN druckt florale Prints nicht mehr auf natürliche Stoffe, sondern auf High-Tech-Gewebe. Die Nachhaltigkeit ist endgültig in Italien angekommen, nahezu jeder Anbieter hat das Thema aufgegriffen. Die neue Sommerlichkeit hat speziell im Megatrend Leinen ihren Hauptdarsteller gefunden. Z Zegna etwa hat auf seinem Stand eine Wüstenatmosphäre erzeugt, in der sich Sand, Leinen und High Performance vereinen. Auch Marken wie JOOP! oder Drykorn sehen für den deutschen Markt, der sonst nicht unbedingt allzu empfänglich dafür ist, Leinen und seine (farbliche) Attitüde vorn. „Die Mode zeigt viel Fantasie. Sie ist farbenfroh und es gibt viele Drucke, die die Buntgewebe ablösen. Hightech allein reicht nicht mehr aus. Sie wird mit einer gewissen Natürlichkeit verbunden“, sagt FT-Modeexperte Winfried Rollmann. Beeindruckt hat ihn der Ansatz des italienischen Designers Daniele Fiesoli. Er sagt, Mode hat auch eine psychologische Funktion. Fiesoli hat eine Oase in der Wüste, dem Sinnbild der augenblicklichen weltpolitischen Situation, geschaffen, in der die Menschen Luft holen und Kraft tanken können. „Eine Oase, die sich nicht von der Welt abkoppelt, sie aber ein Stück weit einfach draußen lässt“, sagt Rollmann.

Die Gastnation China wird ihrem Anspruch international mithalten zu wollen, voll und ganz gerecht. „Viele der chinesischen Designer, die sich hier in Florenz präsentiert haben, können sicher bald auf Augenhöhe mitspielen. Die chinesische Mode hat ihre eigene Sprache gefunden, die auch wir Europäer nicht nur verstehen, sondern die uns gefallen wird“, sagt Rollmann.

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