Produktionsschau in Porto

modtissimo

Abwechselnd präsentieren sich Portugals Produzenten im Sommer in der Altstadt von Porto und im Winter direkt im Flughafengebäude. alle Bilder ©FT

Autor: Markus Oess

Zweimal im Jahr. Klar, auch Portugal hat seine Modemessen. Eine davon ist die modtissimo. Abwechselnd präsentieren sich die Produzenten im Sommer in der Altstadt von Porto und im Winter direkt im Flughafengebäude. Und dort herrschte zur Winterausgabe der Messe ein buntes Treiben. Wichtiger Exportmarkt ist Deutschland. Gleichzeitig arbeitet das privat-gemeinnützige Institut citeve am Aufbau eines internationalen Netzwerkes. Die portugiesische Bekleidungs- und Textilindustrie will technologisch und in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn haben.

„Wir müssen in Nachhaltigkeit und Funktionalität investieren.“ Antonio Braz-Costa, General Dircetor von citeve

Portugal blickt auf eine lange Tradition in der Modeindustrie zurück. Aber: „Heute bewegen wir uns in einem hochkompetitiven, überaus komplexen globalisierten Markt“, sagt António Braz Costa, General Director von citeve mit Sitz in Vila Nova de Famalicão, einige Autominuten von Porto entfernt. citeve ist ein privat-gemeinnütziges Institut, das im Textil- und Bekleidungsgeschäft tätig ist und der heimischen Industrie technologische Unterstützung und Dienstleistungen anbietet. Zur Angebotspalette zählen Produktdesign und -entwicklung, Prototyping, Tests und angewandte Forschung und Entwicklung, die auf innovative Anwendungen ausgerichtet sind, auch Beratung, Schulung und Fashion Intelligence. citeve hat speziell zur Förderung der Spitzentechnologien vor einigen Jahren ein eigenes Tochterunternehmen, CeNTI, gegründet. Zudem vertritt citeve die portugiesische Modeindustrie auf internationalen Messen und ist zudem mit Niederlassungen in Brasilien (São Paulo) sowie Tunesien (Monastir) auch Partner-Institut von OEKO-TEX®.

 „Wir müssen auf der einen Seite die hohen technischen und Sicherheitsstandards der EU erfüllen und haben auf der anderen Seite ein Lohnniveau, das gegenüber den Billiglohnländern in Asien oder Afrika nicht mithalten kann. Also müssen wir nach vorne denken und in Nachhaltigkeit und Funktionalität investieren. Dinge, mit denen wir eine Nische besetzen, die uns aber nicht zuletzt auch aufgrund der regionalen Nähe zu den großen Volkswirtschaften der EU wie Deutschland oder Frankreich eine Zukunftsperspektive eröffnen, und mit denen wir dauerhaft international wettbewerbsfähig sind“, sagt Braz Costa gegenüber FT auf der Winterausgabe der modtissimo (19. bis 20. Februar).Abwechselnd präsentieren sich die Produzenten im Sommer in der Altstadt von Porto und im Winter direkt im Flughafengebäude. Und dort herrscht während der Messe ein buntes Treiben. Sie ist direkt im Abflugbereich untergebracht und auch jeder Fluggast könnte vorbeischauen, wären da nicht die Sperrbänder und das Kontrollpersonal. Zutritt haben nur Fachbesucher. Der Speckgürtel um Porto hat einen Vorteil zu bieten. In einem Radius von einer Stunde sind mit dem Auto nahezu 90 Prozent der Textilbetriebe des Landes erreichbar. Einer dieser Betriebe ist der Bekleidungsproduzent olmac aus Cabeçudos, der MAMMUT, FJÄLL RÄVEN und TIGER OF SWEDEN zu seinen Kunden zählt. Nach der großen Finanzkrise 2008 hat sich das Unternehmen neu ausgerichtet. Mehr Service und bessere Qualität. „Wir konzentrieren uns auf mittlere bis hohe Preislagen. Anders können wir international nicht bestehen“,betont Orlando Miranda.

Für citeve auf auf Messen unterwegs, Cristina Castro

So wundert es auch kaum, dass genau diese Themen als Lösungsansatz und Business Case von der citeve bespielt werden und auch die Aussteller der modtissimo da mitziehen. Deutschland ist der drittgrößte Exportmarkt und daher natürlich für die Textilfirmen interessant. Allerdings könnte das Interesse deutscher Firmen durchaus noch größer sein. Mit ein Grund, weswegen citeve auf deutschen Messen wie der NEONYT und heimtextil Werbung macht. „Wir kommen voran“, bilanziert Cristina Castro, die sich um die internationalen Messeauftritte der citeve kümmert. Zeit zum Zurücklehnen sieht sie allerdings auch nicht. Portugal hat aufgeholt und ist unter der sozialdemokratisch orientierten PS-Regierung von António Costa, der im vergangenen Oktober in seine zweite Amtszeit gestartet ist, auf einen stabilen Entwicklungspfad eingeschwenkt. Das Land gilt inzwischen schon als Musterknabe Europas. „Portugals Geschäftsumfeld liegt im oberen Viertel weltweit, wie gängige Rankings bescheinigen. Das Land profiliert sich als Entwicklungsstandort für Informationstechnik. Gemessen an der Bevölkerung von 10,3 Millionen rangiert Portugal im Mittelfeld unter den Ländern der Europäischen Union. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 201 Milliarden Euro positionierte sich das iberische Land 2018 hinter Rumänien und vor Griechenland auf Rang 16. Als Erbe der Rezessionsphase zwischen 2009 und 2013 bleibt eine hohe Staatsverschuldung. Zugleich hat die portugiesische Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit und Exportorientierung verbessert. Deutschland war 2018 mit einem Anteil von 13,8 Prozent das wichtigste Lieferland nach Spanien (31,4 Prozent)“, urteilt die GERMANY TRADE & INVEST (GTAI), die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Nach Angaben des portugiesischen Textilverbandes ATP zählt die Textil- und Bekleidungsindustrie rund 5.900 Unternehmen mit knapp 138.000 Arbeitnehmern. Der Umsatz lag im vorvergangenen Jahr bei rund 7,6 Milliarden Euro, 5,3 Milliarden Euro stammen von jenseits der Landesgrenzen. Schwerpunkt ist die Outerwear mit einem Umsatzanteil von 38 Prozent

Wachsendes Interesse aus dem Ausland. Manuael Serrão, CEO der Selectiva Moda

Manuael Serrão ist CEO der SELECTIVA MODA, der Veranstalter der modtissimo. Die Textil- und Bekleidungsmesse wurde 1992 von der SELECTIVA MODA ins Leben gerufen, die interessanterweise von der französischen FEDERATION MAILLE, LINGERIE & BALNEAIRE  und APIM (portugiesischer Verband der Strick- und Bekleidungsindustrie) zusammengestellt wurde. Seit der dritten Ausgabe akzeptierte die Messe auch portugiesische Aussteller. Nach 14 Ausgaben räumten die Franzosen ihren Posten zugunsten der beiden Textilverbände von APT und APIM. Heute sind mehr als 30 Ausgaben gelaufen. Serrão verzeichnet ein wachsendes Interesse ausländischer Einkäufer, wenngleich die Besucher- und Ausstellerzahlen relativ stabil sind. 400 Kollektionen (davon gut 70 Prozent Private Label) werden gezeigt. Um die 5.000 Besucher zählt die Veranstaltung an den beiden Tagen, etwa 10 Prozent kommen aus dem Ausland. Gut 120 Einkäufer werden vom Veranstalter eingeladen. Nach Spanien stelle Deutschland die meisten Besucher, berichtet Serrão. Auch aus der Menswear-Branche lassen Marken wie zum Beispiel DIGEL, MEYER Hosen oder HUGO BOSS in Portugal produzieren oder kaufen Stoffe ein.

DIELMAR ist ein portugiesischer Hersteller, der unter eigenem Namen auf dem Heimatmarkt klassische Businesswear vermarket und auch für Dritte produziert. Made-to-Measure-Aufträge sind in vier Wochen durch. Unter anderem ist das Unternehmen auch auf der Pitti Uomo in Florenz. „Deutsche Kunden haben wir noch nicht“, sagt Andre Medeiros, International Sales & Brand Development Manager. Dafür bestehen Geschäftsbeziehungen zu Frankreich, Spanien und Brasilien. Deutschland ist ein Thema. „Wir suchen einen deutschen Agenten“, sagt Medeiros. „Für unsere eigene Marke oder für große deutsche Brands.“