Fynch Hatton kündigt Maßnahmenpaket für Handel an

©FYNCH HATTON

Valutierungen und Reduzierung der Order

 „Wir sind im Moment noch zuversichtlich, dass wir diese beispiellose Krise gemeinsam überstehen und wir uns hoffentlich bald wieder in ruhigerem Fahrwasser befinden werden“, sagt Roger Brands in einem öffentlichen Schreiben an die Händler, in dem er Maßnahmen ankündigt, um dem Handel bei der Bewältigung der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns unter die Arme zu greifen. Wichtig werde sein, dass die Politik die Wirtschaft nicht aus dem Auge verliert und, dort wo notwendig und angemessen, schnell und nachhaltig unterstützt. Das betreffe auch Fynch Hatton: „Auch wir haben trotz einer soliden Finanzdecke einen erheblichen Liquiditätsbedarf im Zyklus von Order, Produktion und Lieferung an unsere Handelspartner. Genauso sind Sie betroffen. Sie sitzen auf gekaufter Ware, auf Verbindlichkeiten, auf Orders, die Sie für die kommenden Monate abgegeben haben, auf fehlenden Umsätzen. Das verzahnte Räderwerk, welches abrupt angehalten wurde, führt bei Ihnen und bei uns zu riesigen Problemen.“

Im Unternehmen selbst gehe es gut. Keine Ausfälle in der Mannschaft und Home Office klappe. Die allermeisten Mitarbeiter/-innen seien am Standort – mit Sicherheitsabstand und inzwischen auch mit Maske: „Wir wollten für Fynch-Hatton Kurzarbeit anmelden, machen es nun aber doch nicht. Wenn ich darüber berichte: Das ist unsere Entscheidung, aus der Brille eines dienstleistungsorientierten Großhändlers. Für Sie, als unseren Partner mit enorm hohen Fixkosten, kann das ganz anders aussehen“, erklärt der Firmenchef. Zum einen wolle er die Mitarbeiter nicht angesichts der damit verbundenen Netto-Einbußen belasten und auch nicht am Staat schadlos halten. „Wir waren vor der Krise als Firma sehr gesund, das Überleben kann jetzt nicht von der reduzierten Lohnsumme abhängen. Mag naiv sein, aber es entspricht meiner Überzeugung. Drittens, im Grunde sind wir, wie oben beschrieben, ein Dienstleistungsunternehmen. Wir machen uns jetzt im Team fit für die Zeit nach Corona. Wir stehen in den Startlöchern. Und wir sind im Moment 24/7 für Sie da, falls Sie Fragen oder Anliegen haben“, sagt Brands.

Basierend auf der Annahme, dass der Lockdown ab dem 20. April aufgehoben wird und die Geschäfte wieder öffnen, kündigt das Management ein Maßnahmenpaket, das „Fynch-Hatton Survival Package“ an, um die Händler zu unterstützen und das vier Themen umfassen wird.

  • „Lösungen für die Frühjahr/Sommer Saison: Wie gehen wir hier mit der Ware auf der Fläche um? Einlagern, um Platz für „ready to wear“ zu machen? Was sind die richtigen Themen auf Ihren Flächen zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung? Brauchen Sie dann noch Langarm-Themen? Wohl kaum, wenn das Wetter so gut werden sollte wie angekündigt.
  • Lieferung von Ware: Wann können wir Ihnen wieviel Ware liefern? Was ist Ihrerseits verträglich? Was hilft Ihnen? Aber auch, wie kommen wir selber mit den Warenmengen klar? Ist es denkbar, Ware aus diesem Jahr erst im kommenden Jahr zur Auslieferung zu bringen? Das gilt für die Rückstände unter Sommer aber eben auch für die Herbst/Winter Order.
  • Valutierungen: Was können wir Ihnen, im Rahmen unserer Möglichkeiten (die natürlich auch von unseren Liquiditätsoptionen über unsere Hausbanken – und vorgelagert – von der KfW abhängen) sinnvollerweise anbieten? Wir wollen Sie in jedem Fall nicht zu sehr belasten und Brücken bauen, so viel ist klar!
  • Reduzierung der Order: Was können wir noch zurücknehmen? Hier folgen wir gerne der vielfach kommunizierten 20prozentigen Mengenreduzierung. Jedoch müssen wir auch an die vorgelagerten Stufen in der textilen Kette denken. Und das tun wir sehr verantwortungsbewusst. So wie wir Ihnen ein verlässlicher Partner sein wollen, so nehmen wir das auch in Bezug auf unsere langjährigen Lieferanten-Partnerschaften ernst! Ein simples Stornieren der Orders trifft die Arbeiter am Anfang der Lieferkette am allerhärtesten. Das wollen und werden wir nur dort durchsetzen, wo wir weder unsere Partner noch deren Mitarbeiter gefährden. Wir sind auf diese großartigen Firmen angewiesen, noch mehr in der Zeit nach Corona!“