Plus Size ist das neue Regular

Normbereiche

Die Avatare sind so aufbereitet, dass sie in der virtuellen Anprobe die gleichen Passformergebnisse liefern können wie in der realen Modelanprobe. ©Human Solutions
Autor: Maximilian Fuchs
Der Bodyscanner der aktuellen Generation benötigt in  viel Raum wie eine Umkleidekabine im Shop. ©Human Solutions

Wie hat sich das Größensystem in den letzten Jahren verändert und welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf die gängigen Passformen?

So unterschiedlich die Menschen sind, so ungleich sind Körpermaße. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Statur des Durchschnittsbundesbürgers deutlich verändert. Unternehmen, die schon länger auf aktuelle Daten in der Konfektion setzen, haben einen Wettbewerbsvorteil. Dazu Anke Rissiek, Passform-Expertin bei HUMAN SOLUTIONS in Kaiserslautern: „Tendenziell sind Unternehmen eher vorsichtig, weil sie ihre zufriedenen Kunden durch Umstellungen nicht verunsichern möchten und gleichzeitig nicht sicher wissen, wie viel mehr sie verkaufen können, wenn sie bestehende Größen anpassen. Zudem beschäftigten sich viele globale Unternehmen mit den Letter Sizes (M, L et cetera), weil die überall verstanden werden und aufgrund der größeren Sprünge von Größe zu Größe für passformunkritische Teile gut geeignet sind. Man kann sagen, Plus Size ist das neue Regular.“

Maßnehmen im Jahr 2020

2018 hat HUMAN SOLUTIONS sein Tochterunternehmen Avalution GmbH gegründet, Spezialist für 3-D-Bodyscanning. Auf der texprocess im letzten Jahr wurde ein Bodyscanner vorgestellt, der auf Stereoskopie basiert und mit zwölf Tiefensensoren misst. Dabei entsteht innerhalb weniger Sekunden ein Abbild der gescannten Person, von dem 50 Körpermaße entnommen werden können. Der Scanner benötigt in etwa so viel Raum wie eine Umkleidekabine im Shop.

Megatrend Avatare

Auch in der Bekleidungsindustrie arbeiten derzeit viele Menschen von zu Hause aus oder sind im Büro sehr auf sich allein gestellt. Produktentwickler bekommen Produkte zugeschickt, können aber die Passform technisch nicht validieren, weil die Möglichkeit entfällt, ein Fitting-Modell hinzuzuziehen. „Wir können mit unseren Avataren digitale Models zur Verfügung stellen, um die Prozesse am Laufen zu halten“, so Anke Rissiek weiter. Die Daten basieren auf echten Körpermaßdaten, die im Rahmen einer aufwendigen Reihenmessung erhoben wurden.