„Wir müssen den Laden am Laufen halten.“

BENVENUTO.

2020 und 2021 – Jahre der Stabilisierung und Konsolidierung ©BENVENUTO.

Autor: Markus Oess

Der Hammer Menswear-Spezialist hat schwierige Zeiten hinter sich. Nach Insolvenz und Sanierung in Eigenverwaltung ist nun ein neuer Eigentümer gefunden. Für Geschäftsführer Andreas Franz geht es im FT-Interview erst mal darum, das Unternehmen auf den Verkauf vorzubereiten und gleichzeitig BENVENUTO. zukunftsfähig zu machen. Dabei, so Franz, könne der Investor helfen und er werte den Kauf als strategischen Schritt.

FT: Herr Franz, nun also ist die Übernahme durch. Wird BENVENUTO. komplett verkauft oder hält die Familie noch Anteile?
Andreas Franz: „Das Unternehmen wird komplett verkauft: Markenrechte, Bestände, Sachvermögen und so weiter. Das Grundstück und die Immobilien verbleiben im Besitz der Familie. Wir werden am Standort bleiben, um die Kontinuität im Unternehmen zu wahren, zumal für uns auch jetzt sowieso keinerlei Anlass besteht umzuziehen.“

Wir prüfen, wie wir mögliche Synergien im Unternehmensverbund heben können.“ Geschäftsführer Andreas Franz. ©BENVENUTO.

Wer ist der Investor, es heißt, es handelt sich um einen strategischen Partner?
„Bevor nicht alles in trockenen Tüchern ist und der Kauf final abgeschlossen ist, kann ich den Namen nicht nennen. Wir wollten nur so früh es geht über die neue Situation informieren und für Vertrauen werben. Zu Ihrer Frage: Der neue Investor ist in verschiedenen Industrien engagiert, unter anderem auch in Fashion. Zwar ist es kein Bekleidungsunternehmen, die Übernahme ist aber gleichwohl ein strategisches Investment und langfristig angelegt.“

 Es war die Rede von mehreren Interessenten, was gab denn letztlich den Ausschlag?
„Zum Schluss erhielten wir vom Gläubigerausschuss das Mandat, mit den verbliebenen vier Investoren zu verhandeln und das für uns optimale Ergebnis herauszuholen. Finanziell waren die Gebote vergleichbar, aber es geht auch um die Konditionen der Übernahme und die Vorstellungen, wie BENVENUTO. zukunftsfähig bleibt. Letztlich entschied der Gläubigerausschuss.“

Ist es ein deutscher Investor?
„Der Sitz der Beteiligungsgesellschaft ist in Berlin. Aus diesem Grund sitzt die BENVENUTO. GmbH ebenfalls in Berlin. Die Mutter allerdings hat ihr Headquarter im Ausland.“

Bis Oktober soll die Übernahme stehen. Was muss noch geklärt werden?
„Wir arbeiten an den Details, um den Verkauf bis Oktober abzuschließen. Da geht es um handelsrechtliche, steuerliche und zollrechtliche Fragen et cetera, also alles Formaljuristische, aber auch um die Schaffung von Schnittstellen zum neuen Eigentümer wie zum Beispiel das Reporting. Gleichzeitig geht es natürlich auch operativ weiter. Wir müssen den Laden am Laufen halten. Und wir müssen Antworten finden: Wie gehen wir mit der Formal Wear um, die weiter beim Kunden an Attraktivität verliert? Wie reagieren wir auf die anhaltende Casualisierung der Menswear? Stichwort Broken Suit. Wir haben jetzt in der Order viele Gespräche mit unseren Händlern geführt, wie es diesbezüglich weitergehen kann. Wir erhoffen uns aber auch deutliche Impulse von unserem neuen Inhaber in dieser Richtung. Und wir prüfen, wie wir mögliche Synergien im Unternehmensverbund heben können. Auch im Vertrieb haben wir noch Arbeit vor uns, so werden wir unter anderem die Struktur unserer Handelsvertreter im Ausland teilweise anpassen.“

Wie sieht es mit dem Personal aus?
„Wenn wir davon ausgehen, dass die Händler mit einem Umsatzverlust von 30 Prozent oder mehr in das kommende Jahr hineingehen, müssen wir natürlich auch mit entsprechenden Rückgängen planen und haben unsere Kollektionen zurückgefahren. Außerdem haben wir unsere Kundenstruktur nach Rentabilitätsgesichtspunkten durchforstet und angepasst. Zudem werden wir im Oktober unsere Outlets in Ingolstadt und Leipzig schließen. Das alles erfordert zwangsläufig auch Anpassungen beim Personal. Diese Dinge sind aber noch nicht spruchreif und müssen erst einmal intern sauber umgesetzt werden.“ 

Bleiben Sie an Bord?
„Der Investor möchte, dass ich bleibe und die in 2019 aufgesetzte Strategie auf die aktuelle Situation anpasse und ebenso konsequent umsetze, wie wir es bereits in 2019 getan haben. In der neuen GmbH bin ich bereits als Geschäftsführer eingetragen.“

Wie viele Händler konnten Sie halten?
„Die gesamte Situation durch die Insolvenz und das gesamte Verfahren, die durch Corona zusätzlich befeuert wurde, hat natürlich viel Unruhe gebracht. In unserer Lage konnten wir nicht viel machen, um den Handel zusätzlich zu unterstützen, aber sie haben uns alle die Treue gehalten. Mir ist kein Händler aktuell bekannt, der seine Zusammenarbeit mit uns aufgekündigt hat, weil wir diese schweren Zeiten durchgestanden haben. Aber die Orders gingen natürlich spürbar zurück.“  

Wie sieht es international aus?
„Ich hatte ja auch schon bei unserem letzten Gespräch, das noch vor der Insolvenz stattgefunden hatte, gesagt, dass wir Anpassungsbedarf im Exportgeschäft haben und nicht alle Auslandsmärkte halten werden.“

Wann wird BENVENUTO. dann wieder in ruhigerem Fahrwasser unterwegs sein?
„Die Jahre 2020 und auch 2021 werden eine Zeit der Stabilisierung und Konsolidierung werden – für uns, aber auch für die Branche. Ich baue auf die Zuversicht der größeren Händler, die als Erstes wieder in normale Orders einschwenken werden. Das gibt uns Zeit, bis alle Händler folgen werden, die die Krise überstehen. Wir planen langsam, 2022 wieder an die Leistungsfähigkeit und Zahlen vor Insolvenz und Corona anschließen zu können.“

Stabwechsel im Oktober

Screenshot ©BEVENUTO.

Der Menswear-Spezialist BENVENUTO. mit Sitz in Hamm hat einen neuen Investor. Das teilt das Unternehmen mit. Schon seit Beginn des Sanierungsverfahrens sei klar gewesen, dass eine Fortführungslösung nur mit einem neuen Investor möglich wäre, heißt es in einer Mitteilung. Nach „ausgeprägten“ Verhandlungen mit Investoren und Betriebsrat im August seien vergangene Woche die Verträge zum Verkauf des Unternehmens unterzeichnet worden. Ein Name wurde noch nicht genannt.

Das neue Unternehmen firmiert künftig unter Benvenuto GmbH. Der Betrieb verbleibt in Hamm, Sitz der GmbH wir allerdings Berlin sein. Mit dem neuen Investor solle die Produktentwicklung und Produktinnovation weiter vorangetrieben und Synergieeffekte im Unternehmensverbund geschaffen werden, um so die Positionierung im dynamischen Feld der casualisierten Formal Wear weiter auszubauen, heißt es weiter. In den kommenden Wochen soll an dem Übernahmeszenario gearbeitet werden, um ab Anfang Oktober den Stabwechsel anzugehen.