Rotwein, Mao und die Stadt Gottes

Auf ein Kaltgetränk …

„Plattensammlung: Roosevelt find ich super, Kings of Convenience sind perfekt für die entspannte Stimmung und wenn ich in Jazzlaune bin, lege ich gerne Aretha Franklin auf.“ Marius Borgards, MAERZ MUENCHEN ©MAERZ MUENCHEN

Autor: Andreas Grüter
Herzlich willkommen zum ersten „Auf ein Kaltgetränk mit …“-Trinkgelage im Jahr 2021. Mein heutiger Gast ist Marius Borgards, Director Product & Creative Womens- and Menswear bei MAERZ MUENCHEN, der im Gespräch nicht nur erzählt, warum er sein Herz an die süddeutsche Metropole verloren hat, sondern uns auch einen Blick in sein Platten- und Bücherregal gewährt. Read on …

FT: Willkommen zur gepflegten Trinksoiree. Womit kann ich dir eine Freude bereiten?
Marius Borgards: „Wenn es geht, hätte ich gerne einen Primitivo. Leicht süßlich und nicht ganz so schwer und genau deshalb für mich der perfekte Rotwein.“

Endstation Mode. Wie bist du in die Branche gekommen?
„Mein Vater hat in der Fashionbranche gearbeitet, sprich: Mir ist die Mode ein Stück weit in die Wiege gelegt worden. Ich fand das Thema schon als Kind ziemlich spannend und wusste eigentlich schon mit zehn oder zwölf Jahren, dass ich auch etwas mit Bekleidung machen möchte. Ich habe dann mit 16 ein Schulpraktikum in einer Jeanswäscherei in Italien absolviert, was extremst cool war. Zwei Wochen weg von zu Hause und dann auch noch in so einem spannenden Umfeld – ein Traum. Danach war endgültig klar, wohin die Reise geht. Ich habe in Nagold studiert und in den Semesterferien bei Peek & Cloppenburg in Düsseldorf gearbeitet. Zuerst als Werkstudent und nach dem Studium als Product Manager. Danach war ich bei Marc O’Polo, dann eine Weile bei K&L und seit zwei Jahren bin ich jetzt bei MAERZ.“

Wenn ich nicht in Sachen Fashion unterwegs wäre, würde ich jetzt …?
„… in einem anderen Bereich als Kreativer arbeiten. Wo genau, kann ich dir jetzt auf die Schnelle aber nicht sagen. Vielleicht in der Werbung …“

Deine Cools and Fools des Branchenlebens?
„Cool: Man ist der Zeit immer ein Stück weit voraus, reist viel und setzt sich mit Menschen und deren aktuellen und zukünftigen Lifestyles auseinander. Fool: diese ganzen ziemlich seltsamen Saisonverschiebungen. Warum wird im Sommer bereits die Winterware ausgeliefert, die der Kunde eigentlich noch gar nicht haben möchte? Warum geht vor Weihnachten bereits die Sommerware raus? Das macht für mich auch nach mehr als zehn Jahren Branchenzugehörigkeit keinen rechten Sinn. Ich würde mir wünschen, dass man da gemeinsam mit dem Handel eine Veränderung hinbekommt. Eigentlich hatte ich gehofft, dass durch Corona vielleicht ein Umdenken eingeleitet wird, aber aktuell sieht es leider nicht danach aus.“

Du lebst in München. Traumstadt oder notwendiges Übel?
„Definitiv Traumstadt, auch wenn man das von jemandem aus Nordrhein-Westfalen wahrscheinlich nicht allzu häufig hört. Nach meinem finalen Gespräch mit Marc O’Polo, als klar war, dass München meine neue Heimat werden würde, bin ich dort in einem Büdchen über eine Postkarte mit einem Zitat von Clint Eastwood gestolpert: ,Ich erinnere mich kaum, schon einmal so eine schöne Verbindung von Bergen, Seen und Stadt gesehen zu haben wie in München. Ob das ein Gott gemacht hat?‘ Ich fand die Karte so cool, dass ich sie sofort mitgenommen habe, und nach einigen Jahren in der Stadt kann ich dem guten Mann nur recht geben.“

Deine drei Highlights der Stadt?
„Die Isar, an deren Ufern man nicht nur prima joggen, sondern im Sommer auch picknicken, trinken und Pizza essen kann. Der Viktualienmarkt, über den ich gerne schlendere, weil ich die Stimmung dort einfach toll finde. Und richtig empfehlen kann ich die Dachterrasse der TU München mit ihrer großartigen Bar, dem fantastischen Ausblick, der guten Musik und der entspannten Stimmung ohne die Nase-hoch-Gesellschaft, die leider doch häufig einen Teil Münchens ausmacht.“

Luxus ist für mich …
„… Gesundheit, Freiheit, Gelassenheit.“

Ein Thema, zu dem ich nie befragt wurde, wozu ich aber viel zu sagen hätte?
„Meine Reiseabenteuer.“

Drei Must-haves, die in keinem Kleiderschrank, keiner Plattensammlung und keinem Bücherregal fehlen dürfen.
„Kleiderschrank: ein langlebiger, dunkelblauer Pullover von MAERZ MUENCHEN als Allround Essential, das jeder Mann haben sollte, ein Overshirt, weiße Sneaker und damit man nicht nackig ist, gehört die Jeans als viertes Must-have einfach noch dazu. Plattensammlung: Roosevelt find ich super, Kings of Convenience sind perfekt für die entspannte Stimmung und wenn ich in Jazzlaune bin, lege ich gerne Aretha Franklin auf. Bücherregal: ‚Das Café am Rande der Welt‘ von John Strelecky, ‚On Fashion Photography‘ von Peter Lindbergh und die 1.500 Seiten schwere Biografie von Mao. Nicht weil ich Mao gut finde, ich habe das ja noch nicht einmal gelesen, aber das Buch ist wirklich massiv und sieht mit seinem roten Einband einfach fantastisch aus.“

Du bezeichnest dich auf deinem Instagram-Account als Sammler. Welche Stücke deiner Sammlung liegen dir besonders am Herzen?
„Hut ab, gut recherchiert. Ich musste ein wenig schmunzeln, dass du den entdeckt hast. Ich habe mich da ohne viel drüber nachzudenken einfach als Sammler bezeichnet, aber es macht durchaus Sinn. Auf meiner Instagram-Site teile ich Erinnerungen in Fotoform, aber mein Sammeln geht natürlich darüber hinaus. Erfahrungen sammelt man ja auch und natürlich schafft man sich auch das eine oder andere materielle Gut an. Ich mag Lieblingsstücke, die ich dann auch entsprechend hege und pflege. Besonders mein altes Portemonnaie, das mittlerweile über zehn Jahre alt ist, liegt mir am Herzen. Das war gar nicht besonders teuer, aber es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe meine Initialen und den Tag des Kaufs einarbeiten lassen und hoffe, dass wir noch einen langen Weg gemeinsam gehen werden.“