Ahlers AG kämpft mit Folgen des Corona-Jahrs

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Maßnahme-Paket New TOMORROW

„Wir hatten die Rückkehr in die Gewinnzone für das Geschäftsjahr 2019/20 geplant und hätten dies auf Basis der Vororder bis Januar 2020 auch geschafft – und dann kam Corona“, sagt die Vorstands-Chefin Dr. Stella Ahlers bei der Vorlage der Bilanz des Geschäftsjahres 2019/20. „Um das Unternehmen präzise auf die neuen Trends einzustellen und die Strukturen auf die Markterfordernisse auszurichten, haben wir zu Beginn des neuen Geschäftsjahres mit „New Tomorrow“ das umfangreichste strategische Performance-Programm unserer Unternehmensgeschichte aufgelegt.“

Dr. Ahlers musste vom schlechtesten Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte berichten, dies allerdings unverschuldet, denn die Folgen der COVID-19-Pandemie und der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Virus hat die Herforder voll getroffen. Der Konzernumsatz sank im Jahresvergleich um 26,8 Prozent auf 151,6 Millionen Euro. Dabei beziffert Dr. Ahlers den Corona-bedingten Umsatzrückgang auf 23,8 Prozent. Ein Wert, der sich im Branchendurchschnitt bewegt. Daneben führte die Beendigung des Geschäfts mit Jupiter-Jacken sowie mit Pierre Cardin- und Pioneer-Damenhosen zu einem planmäßigen Umsatzrückgang von insgesamt 8,4 Millionen Euro. Gleichzeitig spiegeln sich die regionalen Unterschiede hinsichtlich Umfang und Dauer der Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19 auch in den Umsatzverläufen in diesen Gebieten wider. In Deutschland lagen die Umsatzrückgänge bei 22,3 Prozent, in Westeuropa bei 28,1 Prozent und in Osteuropa, die sogar um 37,4 Prozent zurückgingen.

Immerhin gibt es auch Positives zu berichten. So haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Digitalisierung weiter beschleunigt und den Online-Handel noch stärker in den Fokus des Konzerns gerückt. Im Geschäftsjahr 2019/20 verzeichnete der eCommerce ein Umsatzplus von 13,2 Prozent. Das Wachstum stammt von den eigenen Shops wie auch von den Markplätzen. Der Umsatz des eigenen Retail ging dennoch um 30,4 Prozent zurück als der Konzernumsatz. Ein Großteil der eigenen Läden liegt in Osteuropa. Da das Umsatzminus über dem Konzernschnitt liegt, ist auch der Umsatzanteil des eigenen Retail am Gesamtumsatz von 15,4 Prozent auf 14,6 Prozent. Das Premiumsegment und die beiden Marken Pierre Cardin und Baldessarini wurden stark belastet und litten national wie international unter dem Einbruch bei Formal Wear. Die dritte Marke im Premiumsegment, Otto Kern, konnte sogar den Umsatz steigern. Der Segmentumsatz im Geschäftsjahr liegt mit 106,6 Millionen Euro rund 25,8 Prozent unter Vorjahr.

Die Umsätze des Segments Jeans & Workwear mit den Marken Pioneer Authentic Jeans und Pionier Workwear sanken um 28,9 Prozent auf 45 Millionen Euro. Dabei milderten die Verkäufe von Mund-Nasen-Masken das Minus etwas ab. Rund zwei Drittel des Umsatzminus wurden durch die Corona-Einflüsse verursacht.

Die Effizienzprogramme des Vorjahres sowie kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung und die Corona-bedingt niedrigeren Umsätze führten auch zu deutlich geringeren betrieblichen Aufwendungen. So fiel etwa der Personalaufwand um 18,1 Prozent auf 38,4 Millionen Euro. Insgesamt reduzierten sich die betrieblichen Aufwendungen um 17,4 Prozent auf 84,3 Millionen Euro. Die Einsparungen milderten den Umsatzeffekt auf den Rohertrag, konnten diesen aber nicht kompensieren. In der Folge fiel das EBIT vor Sondereffekten von -2,4 Millionen Euro auf -12,6 Millionen Euro. Einschließlich der Wertberichtigung der aktiven latenten Steuern kletterte der Konzernverlust  von 3,7 Millionen Euro auf 18,4 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei 48,6 Prozent.

Zum Start des des neuen Geschäftsjahres hat das Management ein neues strategisches Performance-Programm „New Tomorrow“ aufgelegt. Das Programm zielt auf eine Stärkung der Marktpositionierung der einzelnen Marken sowie die Optimierung der betriebswirtschaftlichen Leistungsprozesse ab. „Unter dem Titel „New Tomorrow“ soll die strategische Ausrichtung jeder unserer Marken individuell neu justiert werden, um die Markenaussage, die Kundenorientierung und -ansprache sowie die Vertriebskanäle zu optimieren“, erklärt Dr. Ahlers. Dazu zählen der  Ausbau des E-Commerce-Geschäfts und eine aus den Marken heraus gesteuerte innovative Markenkommunikation. Für die Service-Bereiche des Unternehmens soll neben einer allgemeinen Kostensenkung vor allem die Beschaffung kostengünstiger werden. Nachdem das Land Nordrhein-Westfalen eine neuerliche Landesbürgschaft übernommen hat, sei die mittelfristige Finanzierung zum Teil neu aufgestellt und in die bisherigen Finanzierungsverträge eingebunden worden. Von der Landesbürgschaft über zusätzlich 8,4 Millionen Euro „mussten wir bisher noch keine Mittel in Anspruch nehmen. Die Durchfinanzierung des Unternehmens sollte daher, vorbehaltlich des noch immer dynamischen Pandemie-Geschehens, sichergestellt sein“, sagt Simon Tabler, CFO der Ahlers AG.

Unter der Voraussetzung, dass der Bekleidungseinzelhandel in weiten Teilen Europas sukzessive im März 2021 öffnen kann und kein weiterer breiterer Lockdown im Laufe des Geschäftsjahres 2020/21 kommt, erwartet der Vorstand einen Konzernumsatz leicht unterhalb des Vorjahreswerts. Das EBIT vor Sondereffekten des Geschäftsjahres 2020/21 sollte etwa auf Vorjahresniveau liegen. Die Fortschritte durch „New Tomorrow“ sollten sich aber erst im Folgejahr 2021/22 mit einer Normalisierung der Marktbedingungen voll zeigen und ab dem Geschäftsjahr 2022/23 wieder zu positiven Ergebnissen auf den Ergebnisebenen vor und nach Sondereffekten führen. Die aktuelle Vororder werde mit einem zweistelligen Auftragsminus enden, sagt Dr. Ahlers. Zahlen dazu wird sie mit den Ergebnissen des ersten Quartals nennen.