Curtis Harding – If Words Were Flowers

GEHÖRT – GEKAUFT

Tradition trifft Moderne, bestens austariert, die späten 1960er/frühen 1970er treffen auf heutige Klänge. Sehr schön. Curtis Harding ©Matt Correira

Autor: QK

Kaum jemand verbindet in der derzeitigen Soul-Szene den fast immer präsenten Retro-Aspekt so gut mit moderneren Einflüssen, so schlüssig, spielerisch und leichtfüßig. Wozu jetzt sogar ein paar punktuelle, angenehme Raps gehören. Ansonsten teils wunderbar arrangierte, relativ weiche Bläser, einige geschmackssichere Streicher, mal sehr schöne Flöten, analoge 1970s-Synths, diverse Gospelchöre. Auch Gitarren in verschiedensten Formen, darunter auch wieder rockig-bluesige, spielen in vielen Songs eine wichtige Rolle. Insgesamt agiert er deutlich zurückhaltender bis relaxter als sonst, präsentiert gerne eine Art Neo-Soul mit rhythmischen Aktualisierungen und sehr flüssigen Grooves. Das verleiht manchen Stücken eine zeitlose Ausstrahlung. Wenigstens zweimal sind Psychedelic-Elemente aufs Köstlichste verarbeitet. Mal dachte ich an Curtis Mayfield circa 1970, mal an Marvin Gaye mit einer kleinen Prise Bill Withers, oder, weniger stark ausgeprägt, Spuren von heruntergedimmtem Isaac Hayes. Ein Hauch Jazz kommt für Momente dank eines Sax oder einer Flöte hinzu. Tradition trifft Moderne, bestens austariert, die späten 1960er/frühen 1970er treffen auf heutige Klänge. Sehr schön.

CD im Glitter Shop kaufen (14,95 Euro)

 

The Courettes – Back In Mono

Diesmal mit noch mehr Sixties Girl Pop à la Phil Spector im Garagenpunk-Format. 

Das dänisch-brasilianische Garagenrock-Duo ist nun relativ frisch beim britischen Damaged-Goods-Label gelandet: nach den kürzlich wiederveröffentlichten ersten beiden Courettes-Alben jetzt das neue Werk. Diesmal mit noch mehr Sixties Girl Pop à la Phil Spector im Garagenpunk-Format, teils klingt es wie „Leader of the Pack“ von den Shangri-Las mit derber Fuzz Guitar. Die Courettes schaffen das locker: blechern und scheppernd à la The Cramps, aber doch deutlich dem klassischen Wall of Sound von den Ronettes und Crystals nachempfunden. Inklusive authentischer Details wie den typischen Spector-Kastagnetten. Allerdings mit rumpelnden Drums und fettem, dreckigem Fuzz unterlegt ein definitiv cooles Stil-Hybrid. Sängerin Flavia steuert nicht nur die brachiale Gitarre bei („Atomic Fuzz Guitar Sounds“), sondern gibt auch souverän die singende Teenage Queen. Bei Garage Trash ansonsten ja eher unüblich: Hier gibt es sonnige Melodien galore, Herzschmerz und Drama in kleine Song-Monumente gepackt. Dunkler Twang trifft auf eingängigen Chorgesang, das Duo hat seinen Sound jedenfalls gefunden. Live gerät die Performance (bislang jedenfalls) deutlich wilder, lauter und rougher. Nächstes Jahr auch wieder auf hiesigen Bühnen zu erleben!

CD/LP im Glitter Shop kaufen (12,95 Euro/16,95 Euro)

 

La Luz – La Luz

Mehr als drei Jahre nach dem Release ihres gefeierten letzten Albums „Floating Features“ und einer wunderbaren Soloplatte von Sängerin Shana Cleveland meldet sich die kalifornische Indie-Rockband La Luz zurück. Auf dem selbst betitelten vierten Longplayer des Trios aus Los Angeles tauschen Shana Cleveland (Gitarre und Songwriting), Lena Simon (Bass) und Alice Sandahl (Tasten) ihren ausgelassenen Surf-Noir-Sound gegen ein erdverbundeneres Songwriting mit psychedelischem Einschlag aus.

 An den einzelnen Bestandteilen hat sich nicht viel geändert, an der Schwerpunktsetzung schon. La Luz ©Pooneh Ghana

Sie orientieren sich immer noch an allen möglichen Spielarten der 1960er-Jahre (aber selten in ganz purer Form), haben sich jedoch ein wenig weiterentwickelt, agieren differenzierter, detailreicher, mehr leisere Zwischentöne. Weiterhin sind die Songs präzise und eher knapp gehalten (nur einer übertrifft die Vier-Minuten-Marke), Eklektizismus wird großgeschrieben, die Klangfarbenpalette ist breit, von Gitarren, mit Fuzz, Reverb, Jangle angereichert; Tasten aller möglichen Art, neben Orgel auch Mellotron, Keyboards, wie sie in den 1960ern noch nicht existent waren, Synthie, Tupfer von elektrischer Sitar (ein Solo), Harmonica, Theremin, eventuell Vibrafon, eine Menge Harmony und Backing Vocals. Das Album wurde im Linear Labs Studio in Los Angeles aufgenommen und von Adrian Younge (Kendrick Lamar, Talib Kweli, Jay-Z) produziert, der den Songs ein wunderbares warmes wie psychedelisches Soundbild verpasst hat. An den einzelnen Bestandteilen hat sich also nicht viel geändert, an der Schwerpunktsetzung schon.

CD/LP im Glitter Shop kaufen (13,95 Euro/18,95 Euro)