„Reichlich Neuland“

FRANKFURT FASHION WEEK

„In den zurückliegenden Saisons und im Rahmen der vielen neuen Formate haben wir reichlich Neuland betreten. Sicher konnte nicht auf Anhieb alles perfekt funktionieren, aber wir sehen uns – bestärkt durch das Feedback der Branche – auf dem richtigen Weg.“ Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies bei der messe frankfurt ©messe frankfurt

Autor: Markus Oess
Zurück auf Los. Allerdings gibt es jetzt kein Extra-Startgeld wie beim Gesellschaftsspiel Monopoly. Aber die messe frankfurt muss sich nach dem überraschenden Rückzug der PREMIUM in Richtung Berlin neu sortieren. Olaf Schmidt
, Vice President Textiles & Textile Technologies bei der messe frankfurt, erklärt im FT-Interview, wie es nun weitergeht mit der FRANKFURT FASHION WEEK. Dass es weitergeht, steht für den Messemacher außer Frage.

FT: Herr Schmidt, was hat überwogen, als Sie erfahren haben, dass die PREMIUM nach Berlin zurückkehren wird – Überraschung, Verwunderung, Unverständnis …?
Olaf Schmidt: „Auch für uns war das eine sehr kurzfristige Entwicklung. Aus unserer Sicht gab es zu keinem Zeitpunkt Zweifel an den Erfolgsaussichten unseres Konzepts und dem Potenzial, das der Standort Frankfurt birgt. Einzig die Pandemie hat uns immer wieder ausgebremst.

Wenn Sie auf die zurückliegenden Monate schauen, lässt sich sagen, dass COVID-19 einen exogenen Faktor darstellt, der zumindest von den Messen nicht beeinflusst werden kann, bei dem andere Stellschrauben angesteuert werden. Aber wie ist es mit dem Handeln der Messeveranstalter selbst und der Realisierung der zurückliegenden Events? Hat man am Main alles richtig gemacht?
„Die Pandemie stellt die Veranstaltungsbranche vor massive Probleme. Wie wir unter diesen Umständen in den vergangenen beiden Saisons eine FRANKFURT FASHION WEEK umgesetzt haben, war aus meiner Sicht äußerst beachtlich und fand sowohl in den Medien als auch in der Branche große Anerkennung: Im Sommer konnten wir die Vordenkenden unserer Branche zu digitalen Konferenzen einladen. 25.000 internationale Branchenvertreterinnen und -vertreter verfolgten unter anderem die Premieren-Veranstaltungen ,The New European Bauhaus – Werkstatt der Zukunft‘, organisiert vom Fashion Council Germany, und den ,Frankfurt Fashion SDG Summit‘ in Zusammenarbeit mit dem United Nations Office for Partnerships. Und jetzt im Januar haben wir mit einem Mix aus physischen Events und Showcases sowie einem begleitenden digitalen Programm wertvolle Impulse liefern und den lange vermissten Austausch in der Branche unterstützen können. Die Maßnahmen wurden sehr gut angenommen, wenngleich wir nur eine sehr limitierte Anzahl von Branchenvertreterinnen und -vertretern zulassen konnten. In den zurückliegenden Saisons und im Rahmen der vielen neuen Formate haben wir reichlich Neuland betreten. Sicher konnte nicht auf Anhieb alles perfekt funktionieren, aber wir sehen uns – bestärkt durch das Feedback der Branche – auf dem richtigen Weg.“

Darstellung der Wertschöpfungskette

Noch ist es zu früh für konkrete Schritte, aber was kommt jetzt grundsätzlich – kurz durchschütteln und weiter oder überdenken und Neu-Planung?
„Im Gebilde der FFW sind Gastveranstaltungen nur ein Baustein. Wir haben starke Produkte und Formate. Aktuell führen wir intensive Gespräche mit unseren Stakeholdern, Partnerinnen und Partnern wie auch Kundinnen und Kunden und werden in Kürze mit weiteren Informationen auf die Branche und die Medien zukommen.“

Sie werden zeitnah über die nächsten Schritte informieren. Aber inwieweit könnte sich die Gewichtung der FRANKFURT FASHION WEEK zugunsten der Vorstufen, in denen Ihr Unternehmen bekanntlich sehr stark unterwegs ist, verändern?
„Mit den Vorstufen sprechen Sie eine der Stärken der messe frankfurt an: Als internationaler Marktführer im Bereich Textil- und Modemessen veranstalten wir weltweit über 50 Events – darunter auch führende Veranstaltungen für die textilen Vorstufen. Unser langjähriges Textil-Know-how, unser weltweites Netzwerk sowie die Partnerschaften zu global agierenden Institutionen wie dem United Nations Office for Partnerships und auch zum Fashion Council Germany kommen uns bei der weiteren Entwicklung unseres Veranstaltungsportfolios zugute. Die Darstellung der Wertschöpfungskette der Textil- und Modeindustrie wird ein zentraler Bestandteil der kommenden FFW.“

Sie sind Veranstalter der FRANKFURT FASHION WEEK. Die PREMIUM GROUP war Gastveranstalter, können Sie noch mal kurz die Grundlage der Zusammenarbeit erläutern?
„Unser Ziel war es immer, für den Markt eine zentrale und zeitgemäße Lösung im Hinblick auf alle relevanten Fashion-Segmente zu entwickeln. Das war der klare Wunsch unserer Kundinnen und Kunden. Gemeinsam mit unseren internationalen Partnerinnen und Partnern werden wir weiter daran arbeiten.“

Haben Sie schon erste Reaktionen aus dem Ausland erhalten? Die messe frankfurt ist ja international gut vernetzt …
„Die Reaktionen aus dem Ausland unterstreichen das Renommee und das Ansehen, das die messe frankfurt als weltweit agierendes Unternehmen und Weltmarktführer im Textilmessebereich genießt. Gerade die internationalen Branchenteilnehmenden haben die Entscheidungen aus Berlin überrascht.“

„,Reform the Future‘ lautet unser Motto. Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die beiden großen Themen unsere Branche, stehen bei der FFW ganz klar im Fokus.“

Was passiert jetzt mit der NEONYT, was mit der val:ue?
„Wir stehen intensiv im Austausch mit potenziellen Ausstellerinnen und Ausstellern und werden auch hier zeitnah über die weiteren, konkreten Pläne informieren. Aufseiten der NEONYT sind wir im engen Schulterschluss mit den ausstellenden Unternehmen, Partnerinnen und Partnern. Sie wissen um unsere Verlässlichkeit und die Bedeutung der NEONYT mit ihrem weltweit einzigartigen Konzept, ihrer Strahlkraft und ihren Chancen. Als Flaggschiff für nachhaltige Mode und Advanced Fabrics sowie als Gastgeberin der FASHIONSUSTAIN-Konferenz werden die Formate der NEONYT mit dem Zukunftsthema Nachhaltigkeit und der starken Cross-Sector-Community weiterhin zentraler Teil der FRANKFURT FASHION WEEK sein.“

Wie sieht es mit den Veranstaltungsansätzen aus, die B2C-orientiert waren? Wird es beim „Fashion Festival“ bleiben und was könnte nun folgen?
„Eines der erfreulichen Resultate der vergangenen FFW war die tolle Resonanz bei den B2C-Events, die gemeinsam mit AAAREA, der hiesigen Kreativwirtschaft und weiteren Partnerinnen und Partnern quer über die Stadt verteilt veranstaltet wurden. Diesen Weg der City-Aktivierung und des B2C-Ansatzes werden wir weiterverfolgen.“

Welche Argumente sollen Marken überzeugen mitzumachen und wie sieht das bei den Fashion Shows selbst aus?
„Die FRANKFURT FASHION WEEK steht für den Neustart der Branche – an einem neuen Ort, im internationalen Kontext und im Umfeld einer sehr aktiven Frankfurter Kreativ- und Designszene. ,Reform the Future‘ lautet unser Motto. Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die beiden großen Themen unsere Branche, stehen bei der FFW ganz klar im Fokus. Hierfür bieten auch Shows und weitere Formate gleichsam emotionale wie inhaltlich fundierte Präsentationsmöglichkeiten. Als Partner der Branchenteilnehmer und Marken werden wir hier selbstverständlich unterstützen: Hinzu kommen die internationalen Chancen und die Zuverlässigkeit, die wir der Branche mit unserem Netzwerk und unseren Partnerschaften bieten.“