„Die globale Relevanz der Märkte“

AlphaTauri

„London ist wichtig, weil wir die internationale Fashionwelt ansprechen wollen, und kaum eine andere Stadt hat eine solche globale Strahlkraft. London ist eine der Metropolen für Trends und Inspiration." Ahmet Mercan, CEO AlpaTauri ©Ben Broomfield Photography

Autor: Markus Oess
Das Red-Bull-Label AlphaTauri hat seinen ersten internationalen Flagship-Store in London eröffnet. Der neue Store liegt in der Brompton Road im Londoner Stadtteil Knightsbridge und verfügt über eine 326 Quadratmeter große Fläche. Verkauft wird das gesamte Programm der Salzburger. Der Laden ist das erste in Eigenregie betriebene Geschäft im Vereinigten Königreich und markiert für AlphaTauri den Einstieg in den britischen stationären Einzelhandel. Nun soll das Wholesale-Geschäft mit der kommenden Herbst/Winter-Saison starten. Dafür gründeten die Salzburger eigens ein Tochterunternehmen. Zuvor schon hatte AlphaTauri im Erdgeschoss von ISETAN MEN’S im Tokioter Stadtteil Shinjuku den ersten Pop-up-Store der Marke in Japan eröffnet. Wir haben mit Ahmet Mercan, CEO AlphaTauri, über seine Expansionspläne gesprochen.

Bislang konnten wir die Erwartungen an uns immer erfüllen, meist sogar übertreffen.“ Ahmet Mercan, AlphaTauri ©AlphaTauri

FT: Ahmet, heute ist die offizielle Store-Eröffnung. Warum ausgerechnet London?
Ahmet Mercan: „London ist wichtig, weil wir die internationale Fashionwelt ansprechen wollen, und kaum eine andere Stadt hat eine solche globale Strahlkraft. London ist eine der Metropolen für Trends und Inspiration. Außerdem steht AlphaTauri von Beginn an für Urban Design und die, die genau dies anspricht, sind hier unterwegs. Und wir haben London als Standort gewählt, weil wir von hier aus nun auch das Wholesale-Geschäft in ganz UK aufbauen wollen. Der Flagship-Store in London ist unser erster internationaler Store und ein wichtiger Meilenstein in unserer weiteren globalen Expansion.“

Ihr habt eine UK-Tochter gegründet. Was habt ihr damit vor?
„Wir sind schon recht früh in UK mit dem eigenen Online gestartet. Im Jahr 2020 hatten wir weltweit 20 Premiumpartner in zwei Ländern. Heute sprechen wir bereits von 130 Handelspartnern in 14 Ländern. Ab 2023 wollen wir 200 Partner in nahezu 20 Ländern beliefern. UK ist ein strategischer Markt für uns, der AlphaTauri große Wachstumschancen bietet. Diese werden wir jetzt auch stationär aktivieren. Hier mit unserem Flagship-Store und über Wholesale-Partner. Hier am Standort befindet sich auch unser neuer Showroom. Nun werden wir AlphaTauri in UK schrittweise aufbauen. Los geht es mit der Kollektion Herbst/Winter 2023.

Partylaune ©Ben Broomfield Photography

Tokio und London liegen nicht nur geografisch weit auseinander. Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Expansionsziele und Märkte aus?
„Das Hauptkriterium ist die globale Relevanz der Märkte, um AlphaTauri auf der internationalen Bühne schnell und effektiv im relevanten Umfeld bekannter zu machen. Natürlich ist auch der asiatische Markt hochinteressant für eine technologieaffine Premiummarke. Japan und Tokio, wo wir vor wenigen Wochen bei ISETAN MEN’S im Tokioter Stadtteil Shinjuku unseren ersten Pop-up-Store in Japan eröffnet hatten, sind gute Türöffner. Eigens gestaltete Flächen bieten immer eine sehr gute Möglichkeit, die Grundidee der Marke deutlich gegenüber dem Endverbraucher, aber auch dem Handel wiederzugeben. Bislang konnten wir die Erwartungen an uns immer erfüllen, meist sogar übertreffen. Mit der kommenden Herbst/Winter-Kollektion starten wir dann 2023 auch in den USA.“

Sind dort auch eigene Stores geplant?
„Nein, wir konzentrieren uns abseits des eigenen Online-Shops auf den Wholesale.“

Das Label startete seine operative Tätigkeit, doch brachte die Corona-Pandemie die Welt zum Stillstand. An einen planmäßigen Start war nun nicht mehr zu denken. Dennoch zieht der Manager eine positive Bilanz über die zurückliegenden Jahre. Die Marke sei im Markt angekommen.

Innerhalb von zwei Jahren werdet ihr die Zahl von Händlern Ende dieses Jahres auf 200 verzehnfachen. Welche Bilanz ziehst du?
„Ich bin absolut zufrieden. Die Bedingungen, unter denen wir gestartet sind, waren denkbar schlecht: Mitten in der Pandemie, als die Welt stillstand, ist es uns dennoch gelungen, mit der Marke loszustarten. Die Tatsache, dass wir inzwischen so gut nachgefragt werden, zeigt die Relevanz der Marke für den Markt.“

Wie sieht es mit Deutschland aus, gibt es noch Wunschhändler?
„In der DACH-Region, speziell in Deutschland, sind wir schon ganz gut distribuiert. Allein in München sind wir bei LODENFREY, LUDWIG BECK, HIRMER und Eckerle vertreten. Natürlich haben wir noch Zielkunden und müssen gleichzeitig auch den Beweis antreten, dass wir weiterhin die Erwartungen an die Marke erfüllen. Wir sehen durchaus noch Potenzial in Deutschland.“

Wie sieht es umsatz- und ertragsmäßig aus?
„Generell kommunizieren wir keine Zahlen. Aber die Expansion spricht für sich. Wir sind zufrieden.“

Ihr habt mittlerweile ein recht breites Programm, wie geht es mit den Kollektionen weiter?
„Kern unserer Kollektion bleibt die Kombination zwischen innovativem Design und Technologie. Vor allem unser 3D Knit kommt sehr gut an. Ein Fokus bleibt auch auf der Outerwear. Wir haben beispielsweise eine eigene Drei-Lagen-Membran, Taurobran®, entwickelt, die wir in vielen unserer Produkte verarbeiten. Dabei stehen das Design, die Schönheit des Produktes stets im Vordergrund. Wir denken immer auch an sinnvolle Erweiterungen unseres Programms. Aber im Augenblick wollen wir die Kollektion in den bestehenden Segmenten entwickeln und stärken.“

Ihr werdet wieder im Januar auf der Pitti Uomo ausstellen?
„Wir sind wieder dabei. Mittlerweile ist es ja schon eine kleine Tradition, dass wir in der Fortezza dabei sind. Auch wenn die Pitti eine Menswear-Messe ist und wir inzwischen auch Womenswear anbieten, bleibt Florenz international gesetzt. Wir freuen uns drauf!“

Rennstall: v.l. Ahmet Mercan, Yuki Tsunoda, Franz Trost, Pierre Gasly, Bruno Sälzer. ©David M. Benett/Dave Benett/Getty Images for AlphaTauri

AlphaTauri ist offizieller Fashion-Ausstatter für die Formula 1 und kleidet das F1®-Team, einschließlich leitender Mitarbeiter und F1®-Moderatoren, ein. Mehrere Fashion-Aktivierungen seien ebenfalls Teil der Partnerschaft mit der Königsklasse des Motorsports, teilen beide Partner mit: „Die moderne, stilvolle Kleidung von AlphaTauri wird von unseren Das Label pflegt auch seit 2020 eine Zusammenarbeit mit dem F1®-Rennteam Scuderia AlphaTauri. Die Marke ist ein Tochter-Unternehmen von Red Bull. Nach dem Launch der Heatable Capsule Collection (HCC) im Jahr 2020 setzt AlphaTauri die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und der Schoeller Textil AG fort. Mit der Kollektion für Herbst/Winter 2022 (HCC 2.0) wird die Smart-Fashion-Serie um zwei weitere beheizbare Styles erweitert. Ahmet über die Bedeutung der Formel 1 für die Marke und künftige Kooperationen:

Gestern waren auch die Formel-1-Fahrer da. Ihr profitiert damit natürlich auch von der Konzernmutter. Was ist im Zusammenhang mit Marketing weiter geplant, geht ihr auch direkt auf die Endkunden?
„Direct to Consumer ist extrem wichtig für uns. Die Synergien zu unserer Konzernmutter sind hierbei sehr hilfreich, insbesondere auch in der Formel 1. Zum einen über unser Rennteam, dessen Namensgeber wir sind. Zum anderen sind wir offizieller exklusiver Bekleidungssponsor der Formel 1. Ich kenne kaum ein attraktiveres Umfeld für uns als Brand.“

Sind Collabs mit externen Designern denkbar oder sogar geplant?
„Wir sind immer offen für Kooperationen und glauben an die Kraft des Kollektivs. Sehr gerne auch branchenübergreifend, so wie unsere Zusammenarbeit bei der Heatable Capsule Collection mit der Deutschen Telekom und der Schoeller Textil AG, die wir 2020 gestartet haben. Wichtig ist für uns aber bei allem, dass die Projekte längerfristig ausgelegt sind. Schnellschüsse sind nicht unsere Sache.“

Wer wäre dein Wunschdesigner beziehungsweise was wäre dein Wunschprojekt?
„Es wird etwas kommen. So viel kann ich verraten …“