„Keine Kompromisse“

Andreas Murkudis

Die Idee des Ladens ist, sehr hochwertige Dinge zu verkaufen, damit die Leute diese Dinge länger besitzen können, sie sogar weitervererben können. Bilder ©FT

Autor: Markus Oess
Andreas Murkudis betreibt drei exklusive Standorte in der Potsdamer Straße in Berlin. Der Mann verkauft nicht allein Mode, sondern unterhält überdies auch eine Galerie und einen Möbel-Showroom. Alles nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Murkudis nimmt nur Marken und Produkte auf, die ihn überzeugen. Ein Stück Unabhängigkeit in der schnelllebigen Modewelt. Warum es das nur in Berlin geben kann. 

„Im Grunde ist es für mich alles ein großes Ganzes – wenn ich an Mode denke, denke ich direkt an Kunst, an Strukturen und Silhouetten und, im weiteren Sinne, an Möbel und Design.“ Andreas Murkudis im AM Möbel + Architektur in der Potsdamer Strasse in Berlin ©Thomas Meyer

FT: Herr Murkudis, Sie haben Ihren Laden 2002 eröffnet, anfangs kamen meist Freunde aus der Kunstszene. Kamen sie mehr aus Neugierde und Solidarität oder war schon früh klar, es geht ums Shoppen?
Andreas Murkudis:
„Beides! Ausschließliche Solidaritätsbesuche hätten den Laden nicht finanziert. Erstmals kamen die Leute aus Neugierde und aus Interesse. Das Sortiment vor Ort hat sie dann überzeugt, denke ich. Es musste von Anfang an funktionieren, ich hatte ja direkt Rechnungen, die gezahlt werden mussten. Die ersten Kundinnen und Kunden empfing ich in der ersten Nacht, als die Wände noch feucht waren.“

Inzwischen betreiben Sie drei Flächen, verkaufen Mode und Möbel und beschäftigen sich aber auch mit Kunst. Wie hängt das alles konzeptionell in Ihrem Kopf zusammen?
„Im Grunde ist es für mich alles ein großes Ganzes – wenn ich an Mode denke, denke ich direkt an Kunst, an Strukturen und Silhouetten und, im weiteren Sinne, an Möbel und Design. Schon in der Münzstraße, in der ich damals 2002 mein erstes Geschäft eröffnete, waren alle Facetten vertreten. Möbel von e15, Kleidung von YOHJI YAMAMOTO, Porzellan von NYMPHENBURG, Leinwände von Olav Christopher Jenssen. Mit dem Umzug in die Potsdamer Straße und der Eröffnung der zwei weiteren Geschäfte ist es nur in der Fläche gewachsen. Multidisziplinär war mein Konzept schon immer.“

 Sie verkaufen Mode und Möbel im gehobenen Segment. Muss es immer Luxus sein?
„Nein, muss es nicht. In meinem Sortiment finden sich auch Produkte unter 100 Euro wieder, auch unter 50 Euro. Aber natürlich ist die Idee des Ladens, sehr hochwertige Dinge zu verkaufen, damit die Leute diese Dinge länger besitzen können, sie sogar weitervererben können und mit ihnen langfristig glücklich werden. Produkte mit solch einer Qualität sind oftmals luxuriös und teuer. Dies ist der wahre Preis, der sich aus legitimen und verantwortungsbewussten Faktoren zusammensetzt. Trotzdem würde ich mein Geschäft nicht als reinen Luxusladen bezeichnen. In einen Luxusladen muss man nicht gehen, wenn man nicht bereit ist, mindestens 500 Euro auszugeben.“

Sie haben mittlerweile ein junges Team, das den Einkauf macht, aber der Kopf sind Sie. Was inspiriert Sie bei der Order, welche Kriterien legen Sie an?
„Das oberste Kriterium ist, dass es mir gefallen muss. Ich mache keine Kompromisse und ich kaufe nichts aus kommerziellen Gründen, um Umsatz zu generieren. Deswegen finden ausschließlich kommerzielle Marken bei mir auch keinen Platz.“

Sie sagen, Sie führen nur Marken, die Sie überzeugen, und geben ihnen auch die nötige Zeit, sich zu entwickeln, notfalls Jahre. Welche Designerin oder Designer macht derzeit den besten Job?
„Im Moment bewundere ich besonders Dušan Paunovic bei DUSAN, Veronica Leoni bei QUIRA, Sara Lanzi und Dries Van Noten.“

Was nervt Sie an der Modebranche am meisten?
„Dass zu wenig über das Produkt gesprochen wird und zu viel um das Drumherum. Wir können doch nicht verantworten, dass der Großteil des Preises eines Produkts für das Marketing ausgegeben wird und so gut wie gar nichts in das Produkt selber gesteckt wird. Ich bin der Meinung, der Preis sollte sich im Produkt selber widerspiegeln.“

Sie haben davon gesprochen, gerne mit Ihrem Bruder Kostas Murkudis eine Unisex-Kollektion in Zusammenarbeit mit rund 30 verschiedenen Firmen auf die Beine stellen zu wollen. Ist das noch eine Idee oder werden Sie das realisieren und wie weit sind gegebenenfalls die Pläne gediehen?
„Die Idee existiert weiterhin, aber es wird noch einige Zeit dauern, da es sehr aufwendig ist, mit so vielen Herstellern zu korrespondieren.“

Berlin ist Ihre Heimat, könnten Sie sich in einer anderen Stadt zu Hause fühlen, Paris zum Beispiel, wo Sie gerne einen Store eröffnen würden?
„Ich würde in Paris einen Laden eröffnen, aber ich fühle mich hier in meinem Umfeld sehr wohl. Ich könnte dieses Konzept in diesem Rahmen in keiner anderen europäischen Großstadt umsetzen.“

Was macht Berlin so besonders?
„Einerseits, dass man solche Räume überhaupt in so einer Innenstadt-Nähe findet, zum anderen, dass ein solch internationales Publikum durch die einzigartige Kultur und Geschichte angezogen wird. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch gegeben. So etwas zu finanzieren (und zu riskieren), ist nur noch in Berlin möglich.“

Der Gesprächspartner

Andreas Murkudis war 15 Jahre Geschäftsführer im Museum der Dinge und in der Berliner Kunst- und Kulturszene zu Hause. 2003 eröffnete er seinen ersten Laden in Berlin-Mitte, 2011 folgte der Umzug nach Berlin-Tiergarten. In der ehemaligen Druckerei des Tagesspiegels, auf 1.000 Quadratmeter Ladenfläche, befindet sich sein erstes Geschäft auf der Potsdamer Straße 81, umgeben von Kunstgalerien. Murkudis verkauft Mode, Möbel, Accessoires, Kosmetik und besondere Objekte, Stücke, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. In der Potsdamer Straße 81 finden Sie eine sorgfältig kuratierte Produktauswahl von über 300 Marken, darunter bekannte und etablierte Talente, von innovativem Design kleiner Hersteller bis hin zu arrivierten Modelabels.

2015 eröffnete Murkudis zusätzlich einen Galerieraum in der Hausnummer 77 und drei Jahre später einen Möbel-Showroom auf der Potsdamer Straße 98. Mit den drei Standorten sollen immer wieder neue Impulse gegeben werden. Es finden dort regelmäßig besondere Veranstaltungen und Ausstellungen statt.

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