Nessun Dorma: Ein Liebesdrama zwischen Robotern

KI im Theater

Zwei Roboter, eine große Leidenschaft füreinander. alle Bilder ©Thea Hoffmann-Axthelm

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen
„Nessun Dorma“ lautet der Titel einer musikalischen Vorstellung im Essener Grillo-Theater. Es geht dabei um einen Liebesdiskurs zwischen zwei Robotern. Hinter dem Stück stehen Fragen um den Status von künstlicher Intelligenz, wenn diese denn ein menschenähnliches Bewusstsein und Emotionen entwickeln kann.

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Zwei Roboter, eine große Leidenschaft füreinander. Das Essener Theater gibt mit „Nessun Dorma“ aktuell eine musikalische Vorstellung, die auf Schauspieler gänzlich verzichtet. Im Mittelpunkt stehen stattdessen Maschinen, die einen Diskurs um Liebe und Verrat führen. Der Industrieroboter ARKA malt tagsüber zu einer alten Kassette mit Todesarien Kunstwerke in einer Galerie. Zum Abend trifft dieser dann auf den dort arbeitenden, aus Alltagsgeräten gebauten Putzroboter PUTZINI. Beide Roboter lieben einander und leiden, ganz so wie in einem dramatischen Opernstoff. Sie diskutieren über Imitation und Authentizität in der Kunst, Gefühle. Als die Beziehung scheitert, lernt PUTZINI auf Basis komplexer Algorithmen und neuronaler Netzwerke schließlich, selbst eine Todesarie zu komponieren.

Das Theater Essen betritt mit dieser Komposition Neuland. Hinter dem Stück stehen Fragen um das traditionelle Verständnis von Menschsein und Maschine, den Status von künstlicher Intelligenz. Wenn KI ein menschenähnliches Bewusstsein und Emotionen entwickeln kann, was sagt dies dann über Menschen und ihre Einzigartigkeit als bewusste Wesen aus? Wenn KI Schmerz und Leid empfinden kann, verdient sie die gleichen Rechte wie Menschen? Ist es ethisch korrekt, sie als bloßes Objekt und Spielzeug anzusehen, oder sollte ihr vielmehr Würde und Respekt zuteilwerden? Der Kritiker Stefan Keim kommentiert in der „Welt am Sonntag“: „Am Anfang ist das Stück süß, dann wird es dramatisch. […] Die meisten sind überrascht, wie schnell die Maschinen menschlich wirken.“

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„Nessun Dorma“ (italienisch: Keiner soll schlafen) betitelt ursprünglich eine Arie aus Giacomo Puccinis Oper „Turandot“. Diese handelt von einer Prinzessin im alten Peking, die allen Männern, die um ihre Hand anhalten, Rätsel aufgibt. Wer diese nicht lösen kann, wird auf ihre Anordnung hin umgebracht. Nach vielen Umwegen findet sie letztendlich doch die Liebe.

Die Interpretation „Nessun Dorma“ der Theater und Philharmonie Essen ist noch am 22. und 27. März 2024 im Grillo-Theater Essen um jeweils 20 Uhr zu sehen. Im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen finden Gespräche mit mindestens einem Mitglied des künstlerischen Teams sowie Experten zu Zukunftsfragen statt.

Das musikalische Stück wurde durch GrazKultur2020 realisiert und gefördert.
www.theater-essen.de