Doppel für Local

LONDON

Während die pure und die noch vergleichsweise junge Menswear-Plattform JUST AROUND THE CORNER gemeinsam eine Halle im Kensingtoner Olympia bespielten, hatte sich die SCOOP ein Gebäude weiter eingemietet. alle Bilder ©FT

Autor: Markus Oess
Eigentlich war das Doppel ein Messe-Triple, das im Februar in London die Orderrunde Herbst/Winter 2023/2024 begleiten sollte. Während die pure und die noch vergleichsweise junge Menswear-Plattform JUST AROUND THE CORNER gemeinsam eine Halle im Kensingtoner Olympia bespielten, hatte sich die SCOOP ein Gebäude weiter eingemietet. Dass die Veranstaltungen zusammenrücken, zeigt zweierlei: Das Messegeschäft ist auch in London kein Selbstläufer mehr. Es zeigt aber auch, dass die Veranstalter an eine gemeinsame Zukunft glauben. Wir haben eine Delegation der Bielefelder EK Fashion auf ihrem Londontrip begleitet. Fazit: London lohnt immer, die Messen haben Entwicklungspotenzial.

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EK Retail auf Erkundungstour

Die EK ist immer auch auf der Suche nach neuem Input und Inspiration für ihre Händler. Regelmäßig schauen sich die Verantwortlichen auch außerhalb Deutschlands um, was gerade geht in Sachen Mode. Diesmal also London und der Besuch der pure x JATC im Olympia in Kensington. „London ist eine extrem facettenreiche Fashion-Metropole. Ein bisschen Vintage, ein bisschen schrill, klassisch, experimentell, exzentrisch: Die Mischung im Handel ist ziemlich einzigartig. Und genau das macht den Reiz aus. Auf den deutschen Markt sind die Stile und Marken auf den Messen nicht eins zu eins übertragbar, aber es ist unglaublich spannend, Londoner Modemessen wie SCOOP und pure zu besuchen“, sagt Thomas Schwab, Head of Sales & Marketing EK Fashion DACH, beim Gang durch die Messehalle. Schwab wirbt dafür, die Augen auf zu halten, neugierig zu bleiben: „Wer dabei ist, bekommt mehr als den Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand. Die beiden Messen sind wirklich eine spannende und interessante Quelle der Kreativität und Inspiration. Die Macher der SCOOP sehen ihre Veranstaltung selbst eher als Showroom denn als Handelsmesse. Das kann ich nur unterstreichen, zumal die durch den Brexit aufgeworfenen Handelshindernisse die Order auch für Händler aus Deutschland spürbar schwieriger machen. Aber tolle Ideen und interessante Menschen gibt es hier ohne Ende – insbesondere aus dem internationalen Blickwinkel heraus.“

Zusammenspiel der Messen

Premiere in London. pure LONDON und die Menswear-Plattform JUST AROUND THE CORNER (JATC) konnten im Olympia in Kensington eine Menge Einkäufer begrüßen. Die Messemacher listen dabei unter anderem auf: Einzelhändler wie JOHN LEWIS, Galeries Lafayette, Debenhams, asos, LIBERTY., V&A, Marks & Spencer, NEXT, McELHINNEYs, MACBEES, QVC, CORDELIA JAMES, morley, jago, rosypenguin, Agatha Boutique, Voisins, URBAN OUTFITTERS, FRASERS GROUP und NEW LOOK. Beide Plattformen haben sich zusammengetan, um als eine Einheit aufzutreten. Dabei war die Mehrheit der Aussteller bei pure eingemietet. 25 Marken, darunter auch Accessoires, waren der Menswear zugeordnet.

pure LONDON x JATC kamen zusammen, um Käufern und der Modebranche ein zusammenhängenderes und bequemeres Einkaufserlebnis zu bieten”, sagt Kreativ Director und Gründer von JATC Juls Dawson.

Gloria Sandrucci, Event-Direktorin bei pure LONDON, sprach von vielen neuen Marken auf der Messe. „Gemeinsam konnten wir neue und aufstrebende Marken unterstützen und etablierte Marken präsentieren. Es war eine Freude, so viele Einzelhändler aus dem ganzen Land und international begrüßen zu dürfen“, sagt sie. Juls Dawson, Kreativdirektor bei JATC, fügt hinzu: „pure LONDON x JATC kamen zusammen, um Käufern und der Modebranche ein zusammenhängenderes und bequemeres Einkaufserlebnis zu bieten, und es war so erfreulich zu sehen, wie sie über die drei Tage hinweg unterstützt wurden.“ Die Frequenz im Olympia war ordentlich. Für JATC-Gründer Dawson war der Zusammenschluss ein logischer und notwendiger Schritt, um gemeinsam mehr Attraktivität zu gewinnen und Stärke zu zeigen, sagt er gegenüber FT. So wie in anderen Messestandorten wie zum Beispiel Kopenhagen auch. Er hofft, dass der Zusammenschluss auch wieder zu Wachstum an Ausstellern und Besuchern führen wird, um der Menswear im Londoner Messegeschehen Raum zu geben. Neben dem aktuellen Zustand des britischen Marktes und der Mode waren auch immer noch der Brexit und die Folgen ein Thema. Bekanntlich ging der Brexit zulasten der britischen Volkswirtschaft und damit auch zulasten des Konsums. Die bürokratischen Hürden und Hindernisse kenne man jetzt und langsam kehre so etwas wie Routine ein, heißt es. Von Normalität oder Business as usual kann aber noch nicht die Rede sein. Der deutsche Lederjacken-Anbieter Mauritius musste auf einen Großteil seiner Kollektion verzichten. Der war am Zoll hängen geblieben. Das aber ist wahrlich nicht der Messe anzulasten.

Verkauft hat Konstantinos Priovolos noch nichts, er sieht es gelassen. Es braucht eben Zeit, bis sich Dinge entwickeln, sagt er. (li. Andrea Andrianiki) 

Wir steigen die Treppen hoch, die Menswear ist in der Messehalle auf der Galerie untergebracht. Das sorgt zwangsläufig für einen volleren Gang – es gibt nur einen. Oben treffen wir Konstantinos Priovolos. Der Grieche ist mit seiner Menswear-Brand void.mode angereist. 1979 ist er in seine Heimat zurückgekehrt. Geboren wurde Konstantinos in Sydney. Seine Mode, die stark auf Schwarz-Weiß setzt und einen lässig-leichten Causalstyle mit fallenden Formen verkörpert, ist in mittleren Preislagen angesiedelt. Die Hosen kosten zwischen 80 und 150 Euro im VK, T-Shirts zwischen 30 und 60 Euro, Overshirts sind für 120 bis 130 Euro zu haben. In Griechenland verkauft er seine dort in Kleinserien gefertigte Mode in zwei eigenen Läden. Den Wholesale hat er gestoppt, es hat sich nicht mehr rentiert. Nun testet er den Export. Aus dem Grund ist er hier. Konstantinos ist ohne große Erwartungen angereist. Er wartet ab. Er findet die Messe okay. Verkauft hat der Grieche noch nichts, er sieht es gelassen. Es braucht eben Zeit, bis sich Dinge entwickeln, sagt er.

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Es ist noch nicht klar, ob RELIGION wieder ausstellen wird.

OUTERKNOWN wurde vom ehemaligen Profisurfer Kelly Slater gegründet. 2015 war das. Die Marke steht für nachhaltige Casual Wear. Die Ladenpreise liegen irgendwo zwischen 59 GPB (T-Shirts) und 150 GBP für das Blanket Shirt und Hosen. Kalkuliert wird die Marke mit 2,4 bis 2,5 auch. Es sei okay, hören wir auf dem Stand. Bei RELIGION, die auch in Deutschland verkaufen, ist man sich hingegen noch nicht ganz sicher, ob man wiederkommen wird, sagt Darryl, der den Sale in UK macht. JATC sei einmal mit 30 echten Menswear-Brands gestartet, heute seien es definitiv weniger.

Andrea Carless von MAISON et VIE sagt: „Es war wirklich entspannt, was schön ist. Trotzdem lebhaft, aber eine großartige Umgebung. Ich liebe alle neuen Marken von JATC, ich konnte zuvor nicht zu dieser Messe gehen. Ich mag es, dass alles zusammengefasst und auf einer Messe kombiniert ist.“ Für Shanice Clark und Opitib Wokoma vom Plus Size Store To the Nines, Birmingham, hat sich der Besuch der pure ebenfalls gelohnt. Sie seien zufrieden mit dem Angebot und Markenmix. So viele Orderplattformen gebe es ja nicht mehr in UK. Samantha Duncan und Summer Prescott von Debenhams fanden es gut, „sich mit Leuten zu vernetzen und als Online-Marke unsere Gesichter zu zeigen. Es war auch gut, viele europäische Marken hier zu sehen. Die Modenschau war erstaunlich. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen.“

Wenig Alternativen in UK. Shanice Clark und Opitib Wokoma vom Plus Size Store To the Nines

Zur SCOOP muss man die Messehallen verlassen und ein paar Minuten gehen oder sich fahren lassen. Gefühlt ist mehr los in den Gängen und dort sind zufriedenere Stimmen zu hören. Die Anzahl der Aussteller ist ähnlich. Die Plattform versteht sich mehr als Showroom denn als Trade Fair, wie Karen Radley, Direktorin von SCOOP International, betont. Es gehe in erster Linie um die Kollektionen, um die Mode. Isabel von INSIDE OUT AGENCIES mit Marken wie DEDICATED. und DR.DENIM spricht von einer guten Messe auch dieses Mal. Das Ordervolumen liegt auf Vorjahresniveau.

Und das Fazit der EK? „Ich denke, die Veranstalter haben ihre eigenen Vorstellungen und Zielsetzungen richtig gut umgesetzt, da gibt es nichts auszusetzen. Die beiden Messen sind top organisiert, sprechen allerdings eher den nationalen englischen Markt an. Insbesondere die Fashion Catwalk Show war spektakulär. Aus meiner Sicht würde eine stringente Präsentation der aktuellen Trends den Bedürfnissen des Handels deutlich entgegenkommen. Eine erkennbar klarere Struktur wäre wünschenswert. Wobei die aktuelle Veranstaltungsform natürlich ihren ganz besonderen Reiz hat“, antwortet Schwab.

Messebilder