Autor: Markus Oess
Mit dem zweiten eigenen Store und einem integrierten Showroom geht MIKUTA den nächsten Schritt in seiner europäischen Entwicklung. Nach dem Berlin-Flagship folgt Amsterdam als erster internationaler Standort. Im FASHION-TODAY-Interview spricht Mitgründerin Jacqueline Mikuta über den Weg vom Schmuckprojekt zum Fashionlabel, über Produktion, Retail, Wholesale und ihre Wachstumspläne.
FASHION TODAY: Ihr seid ein Berliner Label, das mit Schmuck angefangen und sich zum vollwertigen Fashionlabel entwickelt hat. Erzähl mal, wie kam es dazu?
Jacqueline Mikuta: „Als wir MIKUTA gestartet haben, war es nie als klassisches Modelabel gedacht. Klemens und ich haben unser Leben über unseren Blog und Instagram geteilt und unsere Community hatte großes Interesse an den Geschichten hinter den Dingen, die wir getragen haben. Daraus entstand ganz organisch der Wunsch, eigene Stücke zu entwerfen. Wir haben mit wenigen in Deutschland und Südafrika handgefertigten Schmuckdesigns begonnen, die von unserem Leben und unseren Reisen inspiriert waren. Der entscheidende Schritt Richtung Mode kam dann mit dem ersten MIKUTA-Sweater, den wir für uns entworfen und getragen haben. Die Resonanz aus der Community war so stark, dass schnell klar wurde: Daraus kann mehr entstehen. Als wir uns anschließend entschieden haben, MIKUTA strukturell weiterzuentwickeln, war das vor allem eine Frage des richtigen Timings.“
Wer designt die Teile?
„Das Design entsteht in der Zusammenarbeit von dem Inhouse-Designteam und mir. Die MIKUTA-Ästhetik entsteht sehr organisch aus unserer Art zu leben und der visuellen Sprache, die wir seit vielen Jahren online teilen. Klemens ist nicht täglich im Designprozess eingebunden, aber sein Blick von außen ist mir sehr wichtig. Ich hole mir regelmäßig seine Meinung ein, weil MIKUTA immer auch ein gemeinsames Lebensgefühl widerspiegelt.“
Produziert wird in Portugal? Wie weit könnt ihr die Produktion noch hochfahren mit den bestehenden Strukturen?
„Ja, der Großteil unserer Kollektion entsteht in Portugal bei familiengeführten Betrieben, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Unsere Partner arbeiten mit uns, nicht für uns. Die Pflege und das Beibehalten dieser Partnerschaften sind für uns zentral, weil wir langfristig denken und gemeinsam wachsen wollen. Unsere aktuelle Produktionsstruktur lässt weiteres Wachstum zu, aber immer kontrolliert. Wichtig ist uns, dass Qualität, Langlebigkeit und Verlässlichkeit nicht unter Skalierung leiden. Wachstum passiert bei uns nur dann, wenn es von allen Seiten getragen werden kann.“
2024 habt ihr in Berlin den ersten Store eröffnet. Wie viele Händler beliefert ihr aktuell?
„Unser Fokus lag im vergangenen Jahr klar auf dem Aufbau unseres eigenen Retail-Erlebnisses in Berlin. Für uns ist ein Store kein reiner Verkaufspunkt, sondern ein Ort für Begegnung und Community. Wholesale existiert bereits, aber sehr selektiv. Mit dem neuen Flagship und dem integrierten Showroom in Amsterdam beginnt unsere Wholesale-Reise nun offiziell. Ab 2026 werden wir mit sorgfältig ausgewählten Partnern arbeiten und erste Schritte in Richtung internationaler Distribution gehen.“
Wie teilt sich das Business auf in Retail, digitalen Verkäufen und Wholesale?
„MIKUTA ist stark digital gewachsen und E-Commerce ist nach wie vor ein zentraler Bestandteil unserer DNA. Eigene Stores ergänzen dieses Modell, weil sie Nähe schaffen und unsere Welt physisch erlebbar machen. Wholesale bauen wir bewusst kuratiert auf. Langfristig sehen wir ein ausgewogenes Zusammenspiel: DTC als Kern, ergänzt durch eigene Flagship Stores und ein selektives Wholesale-Netzwerk, das unsere Marke langfristig stärkt.“
Ihr expandiert nach Amsterdam mit einem zweiten Store. Warum Amsterdam, welche besonderen Beziehungen habt ihr zu der Stadt?
„Amsterdam war für uns eine sehr natürliche Entscheidung. Die Stadt ist lebendig, kreativ, historisch und dennoch modern – insgesamt einfach angenehm kompakt. All das passt sehr gut zu unserer Marken-DNA. Gleichzeitig ist Amsterdam ein wichtiger europäischer Hub mit starker internationaler Strahlkraft und einer sehr relevanten Kundschaft für uns. Es ist einer unserer stärksten Märkte und insgesamt fühlte es sich einfach nach dem richtigen Ort für unseren ersten internationalen Store an.“
„Unser Anspruch ist nicht schnelle Expansion, sondern nachhaltige, gesunde Zusammenarbeit.“
Ihr habt einen Showroom in Amsterdam integriert. Welche strategischen Überlegungen stecken dahinter?
„Amsterdam ist zentral gelegen und hervorragend erreichbar – ideal für einen Showroom. Wir wollten einen Ort schaffen, der dieselbe Atmosphäre trägt wie unsere Stores, aber gleichzeitig Raum für Austausch mit Händlern, Stylisten und Partnern bietet. Der Showroom ist für uns der Startpunkt unserer Wholesale-Strategie. Hier können bestehende und zukünftige Partner MIKUTA wirklich erleben, unsere Core Pieces sehen und anfassen und erste Einblicke bekommen.“
Ich nehme an, in Berlin gibt es ebenfalls einen?
„Unser Berliner Store ist unser erstes Zuhause und ebenfalls als Begegnungsraum gedacht. Dort finden regelmäßig Events, Community-Abende oder kleinere Formate für Fans und Freunde der Marke statt. Zusätzlich haben wir unser Headquarter im Herzen von Berlin-Kreuzberg, direkt am Wasser. Dort laufen viele kreative Prozesse zusammen, auch wenn wir keinen klassischen Showroom wie in Berlin betreiben.“
Wie sehen denn die kurz- und mittelfristigen Wachstumspläne aus?
„Wir denken an Wachstum auf zwei Ebenen. Zum einen möchten wir die Verbindung zu unserer Community weiter vertiefen – über physische Orte wie unsere Stores, aber auch über Events und gemeinsame Momente. Unsere Läden sind keine klassischen Verkaufsflächen, sondern Orte, an denen die MIKUTA-Welt lebendig wird. Zum anderen entwickeln wir MIKUTA Schritt für Schritt weiter in Richtung einer ganzheitlichen Lifestyle-Marke. Wir interessieren uns dafür, unser Leben auf unterschiedliche Arten zu teilen – immer von einer Designperspektive aus. Bereiche wie Home, Duft oder andere Lifestyle-Kategorien fühlen sich für uns wie eine natürliche Erweiterung an – immer organisch und nah an unserem Markenkern.“
Wo können Händler euch noch ordern, gibt es weitere Agenturen und wenn nicht, welche sind in der Prüfung?
„Aktuell sind unsere eigenen Standorte – insbesondere Amsterdam – die wichtigsten Touchpoints. Parallel führen wir Gespräche und prüfen sehr genau, welche Agenturen und Partner langfristig zu unserer Vision passen. Unser Anspruch ist nicht schnelle Expansion, sondern nachhaltige, gesunde Zusammenarbeit.“
Ihr macht aktuell Womenswear – ist angedacht, auch Menswear oder Unisex-Teile anzubieten?
„Wir bieten bereits einige Unisex-Pieces an, was sich für uns sehr natürlich anfühlt. Unser Stil ist zeitlos, mühelos und nicht trendgetrieben, viele Silhouetten funktionieren unabhängig vom Geschlecht. Am Ende stellen wir uns immer nur eine Frage: Fühlt es sich nach MIKUTA an? Wenn ja, gehen wir den Schritt.“
Hintergrund

MIKUTA hat im Dezember 2025 den ersten internationalen Flagship Store in Amsterdam eröffnet. Der Standort in der Nieuwe Spiegelstraat 39 ist als vierstöckiges Townhouse konzipiert und verbindet zwei Retailflächen mit einem integrierten Showroom. Damit fungiert der Store sowohl als Verkaufsfläche als auch als zentrale Plattform für Wholesale, Presse sowie Stylistinnen und Stylisten.
Nach der Eröffnung des ersten eigenen Stores in Berlin im Jahr 2024 ist Amsterdam der nächste Schritt in der europäischen Entwicklung des Labels. Der Showroom ist strategisch auf den Aufbau eines selektiven Wholesale-Geschäfts ausgerichtet. Jetzt arbeitet MIKUTA mit ausgewählten Handelspartnern und startet die internationale Distribution schrittweise.
Gegründet wurde das Label von Jacqueline Mikuta und Klemens Weiss. Es entwickelte sich aus einem ursprünglich auf Schmuck fokussierten Projekt zu einer Modemarke mit Schwerpunkt auf Direct-to-Consumer. E-Commerce bildet weiterhin das Kernmodell, ergänzt durch die beiden Stores. Der Wholesale soll nun aufgebaut werden. Angeboten wird Womenswear mit einzelnen Unisex-Pieces. Die Preisspanne liegt zwischen 85 Euro und 500 Euro, die Positionierung bleibt im Premiumsegment.



