Orderauftakt
Düsseldorf bleibt als regionaler Orderplatz mit internationaler Ausstrahlung. Neben den Anrainerstaaten besteht die Stadt vor allem für Einkäufer aus Osteuropa und dem Nahen Osten als Anlaufpunkt. Die Markenchefs und Vertriebsverantwortlichen bewerten den Orderauftakt am Rhein überwiegend stabil – oder zumindest positiver, als es die zurückliegenden Abverkäufe im Handel hätten erwarten lassen. Kein Boom, aber auch kein Reinfall. So lässt sich die Stimmung in den Showrooms zusammenfassen, in denen gearbeitet wird und Einkäufer präsent sind – angesichts der gedämpften Gesamtlage bereits ein Signal. Ein Rundgang.
Bei FYNCH-HATTON ist Christian Kohlhase seit Januar offiziell an Bord. Der Manager, der zuvor unter anderem für Tommy Hilfiger und Calvin Klein tätig war, spricht von der Chance, „als Unternehmer mit einem Unternehmer“zusammenzuarbeiten. Die FYNCH-HATTON verfüge über eine starke Bildmarke, Heritage und eine zukunftsfähige Markengeschichte. Kohlhase sieht auch im aktuellen Marktumfeld Wachstumspotenzial. „Wenn alle im Minus planen, kommt im Ergebnis auch ein Minus heraus“, warnt er. Wichtig sei, trotz schwieriger Abverkäufe nach vorne zu denken. Zugleich betont er die partnerschaftliche Verantwortung: Die Industrie müsse liefern, ebenso entscheidend sei aber eine Balance, die eine Win-win-Situation für Handel und Industrie ermögliche.
Chief Brand & Commercial Officer Florian Wortmann betont, dass es für bugatti nun darum gehe, die Emotionalisieren und Markenrepwsotiuonierung in die Zukunft auch auf die Fläche zu bringen. „Wir sind heute ein ganzes Stück weiter und wir haben gezeigt, dass wir das Tempo hochhalten“, sagt der Manager. Jetzt drehten sich die Gespräche überwiegend darum, wie die Handelspartner bugatti „neu„ gegenüber den eigenen Kunden darstellten und abholten. „Wir hatten sehr positive Gespräche.“ Düsseldorf sei zwar keine klassische Messe, habe aber immer noch einen strategischen Stellenwert.
Bei MAERZ München verweist Director Sales Eric Salawies auf eine gute Resonanz zur Pitti Uomo, die sich in Düsseldorf fortsetze. Der neu gestaltete Showroom und das überarbeitete Storytelling würden vom Handel verstanden. MAERZ wird unter anderem bei der Peek-&-Cloppenburg-Tochter ANSON’S in vier neuen Filialen vertreten sein. Für Salawies ein Ergebnis der neuen Strategie. Er sieht Potenzial bei Neukunden, will aber auch bestehende Partnerschaften festigen. Die Frequenz sei vergleichbar mit der Ordersaison des vergangenen Sommers, allerdings mit höherer Besucherqualität.
Die niederländische Marke Petrol hat das vergangene Jahr positiv abgeschlossen, sagt Country Manager Bertram Laufer. Zusätzlichen Schwung erhofft er sich vom neuen Sales Manager Peter Stark, zuständig für NRW und Norddeutschland. Positiv bewertet Laufer auch den Einsatz der KI-basierten Nachversorgung von Chain Balance, die inzwischen von rund 50 Kunden genutzt wird. Die Kollektion folgt weiterhin dem Anspruch „Iron and Steel“, mit roughen Optiken, maskulinen Prints und smarter Workwear. Zudem haben die Niederländer mit INDIGOLD ein neues Label im Premium-Einstiegsbereich gestartet, das auch in den Niederlanden und Belgien verkauft wird.
Fabrizio Rojas, Teamleader Sales Germany bei Roy Robson, beschreibt die Order als stabil, wenngleich anspruchsvoll. Für ein breiter aufgestelltes Menswear-Label sieht er weiterhin Potenzial – sowohl bei Styles als auch bei Fits. Die Verhandlungen seien jedoch herausfordernder geworden, Kunden fragten stärker nach Relevanz und Einkaufsort. Insbesondere die Herbst/Winter-Saison sei aufgrund der kurzen Schwarzpreisphase schwieriger, zudem hätten sich Winterverkäufe zuletzt bis in den Januar hinein schwach entwickelt.
Thomas Jäger aus der Geschäftsführung von Dressler spricht von einer erfolgreichen Pitti und Zustimmung zur kommunikativen Neuausrichtung in Richtung Premium und Affordable Luxury. „Wir gehen gestärkt in die Saison“, sagt Jäger. Dressler wolle sich breiter aufstellen, auch mit Komplett-Looks. Die Marke sehe sich mit Heritage, Qualität und Passformsicherheit sowie der laufenden Modernisierung gut positioniert. Auch auf der Fläche soll die Sichtbarkeit steigen, unter anderem durch neue Pop-ups.
Im neuen Showroom von Frank Matten im Düsseldorfer Medienhafen bleibt Benvenuto Ankermarke. Brandmanager Tristan Bolvin spricht von ersten Erfolgen: Die Marke werde auf der Fläche sichtbarer, der Zuspruch aus dem Handel entwickle sich positiv. Mit marktfähigen Preislagen und einer tragfähigen Kalkulation sei Benvenuto wieder attraktiv. Anfang April startet bei Hagemeyer ein 80-Quadratmeter-Shop.
Bei den Holy-Marken wirken noch die Folgen der SAP-Umstellung nach. Für windsor. wird das Jahr eine Phase der Konsolidierung. „Wenn wir mit der Bestandsaufnahme fertig sind, werden wir wieder nach vorne gehen“, sagt die neue Marken-Chefin Anke Ratsch. Torsten Stiebing berichtet für Joop!, dass die Order besser angelaufen sei als befürchtet, unterstützt durch die modische Weiterentwicklung. Marcel Heuer, Sales Manager Strellson für Nord- und Ostdeutschland, spricht von einer differenzierten Stimmung. Der Investitionswille des Handels sei spürbar, zugleich würden Frequenzprobleme und Personalmangel auf der Fläche genannt. „Das Produkt allein reicht nicht mehr“, sagt Heuer und verweist auf Schulungen, Beratung und Präsenz als notwendige Ergänzungen.
Norbert Bens, Geschäftsführer Club of Comfort, registriert zum Auftakt eine überraschend gute Frequenz in der Halle 29. Mit seinem neuen Flächenmöbel habe er bereits mehrere feste Zusagen erhalten. Marc Beetzner betont, dass die gezielte Aussteuerung der Marke in neue Kollektionsbestandteile die Flächenfähigkeit schrittweise erhöhe. Auch diese Kollektionspolitik werde in Düsseldorf wie zuvor in Florenz positiv aufgenommen.
Rafael Heinold, CEO der Brand Group, sieht bei Pioneer, Pierre Cardin und insbesondere Baldessarini Fortschritte in der Repositionierung. In Düsseldorf dominierten Arbeitstermine. „Die Zeiten der Laufkundschaft kommen nicht zurück. Wir gehen davon aus, die Order in Summe stabil abzuschließen“, sagt Heinold.

