Luft zum Durchatmen

KOMMENTAR

Tays Jennifer Köper-Kelemen

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Welt und Wirtschaft sind von Krisen und Kriegen erschüttert. Dahingegen dominieren in der Menswear – aktuell und auch im Ausblick – leichte, luftige Looks mit fließenden Konturen, helle Naturåfarben und pudrige Pastelle. Sie schaffen über ihre ruhige, freie und unbeschwerte Optik einen regelrechten Gegenpol zur beunruhigenden Situation in der Außenwelt. „Dopamin Dressing“ ist angesagt – so kann man es wohl treffend bezeichnen.

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Tatsächlich ist das Prinzip der „Enclothed Cognition“ ein bekanntes Phänomen in der Modepsychologie. Es beschreibt, wie die Eigenschaften, die wir unserer Kleidung zuschreiben, auf uns selbst übergehen. So werden kognitive Prozesse, Verhalten, Stimmung und Selbstvertrauen nachweislich von dem beeinflusst, was wir tragen. Nicht einengende, weitere Kleidung lässt auch psychologisch Luft zum Durchatmen. Softe Haptiken beruhigen das Nervensystem. Helle, klare und erdende Nuancen sorgen für Emotionen um Wärme, Sicherheit und Optimismus. Angesichts der negativen Nachrichtenflut auf allen Kanälen erscheint der modische Dreh in Richtung positiver Gefühlslagen damit erst recht begründet.

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Hinzu kommt: Wir leben in einer digitalen, schnelllebigen Ära. Zeit ist knapp bemessen, es herrscht ständige Verfügbarkeit vor. Darüber schlägt sich die Tendenz hin zu hybriden Kleidungsstücken nachhaltig durch. Diese bringen Attribute verschiedener Kleidungsstücke neu zusammen und schaffen so Looks, die in einem hohen Maß wandelbar und darüber auch zeiteffizient sind, knitterfreie Material-Eigenschaften verstärken den unmittelbaren, unkomplizierten Effekt noch. Jedes Komplett-Outfit, jede Situation und Gelegenheit – Hybride passen sich an und lassen sich ohne großen Aufwand integrieren. Sie schaffen merkliche Erleichterung im Alltag.

In der Modegeschichte lässt sich nachverfolgen, wie sehr Kleidung immer wieder von äußeren Geschehnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt war. Im Kern geht es dabei wohl ganz wesentlich um Balance. Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen innerer und äußerer Welt herzustellen und zu halten. Mode funktioniert als wichtige Stellschraube, um persönlich auszutarieren und Kehrtwenden zu vollziehen, auf eigene Art und Weise Ruhe und Zuversicht in unruhigen Zeiten zu finden. Damit sei umso mehr festgehalten: Das Motiv „La Dolce Vita“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Menswear-Kollektionen Frühjahr/Sommer 2027. Und ja, wer will sich nicht vom sonnigen „Italian Way of Life“ angesprochen fühlen?