Autor: Markus Oess
Seit März 2021 führt Alex Ibakasap die Modemarke LERROS als Geschäftsführer. Vorgefunden hat er einen etwas angestaubten Rohdiamanten, sagt er. Nun ist der Staub weg und LERROS hat sich nach eigenen Angaben deutlich weiterentwickelt: eine etablierte Marke, deren Umsatz gegenüber 2021 um 75 bis 80 Prozent gestiegen ist. Das Unternehmen ist schuldenfrei. Im Interview mit FASHION TODAY MEN spricht Ibakasap über die Positionierung im Modern Mainstream, die Partnerschaft mit Bayer 04 Leverkusen, internationale Expansionspläne und die Erwartungen an die laufende Order.

FASHION TODAY MEN:Alex, du bist seit März 2021 CEO bei LERROS – und hast das Unternehmen in einem schwierigen Marktumfeld übernommen. Was hat sich seitdem am stärksten verändert – an der Marke, am Markt, an deiner eigenen Sicht auf LERROS?
Alex Ibakasap: „Damals war LERROS für mich ein ungeschliffener Diamant. Die Marke war etwas angestaubt. Heute ist LERROS eine vollwertige Marke mit klarer Sichtbarkeit am POS und ein etablierter Vollsortimenter. Für mich ist die Liebe zum Produkt ausschlaggebend, wir haben das Programm merklich ausgebaut und zum Beispiel Denims und Hosen dazugenommen, Jacken ausgebaut et cetera. Mit Erfolg, denn wir haben den Umsatz um 75 bis 80 Prozent gegenüber 2021 erhöht und die Profitabilität deutlich gesteigert. Wir sind kerngesund und haben keinerlei Verbindlichkeiten. Auch in den Kennzahlen und den Abverkäufen performen wir nachweislich gut.“
LERROS versteht sich als „Trading-up im Modern Mainstream“ – beste Lifestyle-Marke im Mainstream-Segment. Wie hältst du diesen Anspruch aufrecht, wenn das mittlere Preissegment von oben durch Premium-Marken und von unten durch Fast Fashion unter Druck gerät?
„Es war noch nie anders, dass Marken an den Rändern von oben und unten versuchen, Marktanteile abzugreifen. Heute ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wichtiger denn je. Und das können wir nachweislich unter Beweis stellen, was die LUG angeht. Wir haben wenig Abschriften und ein starkes Produkt. Und auch das gehört zur Wahrheit: Wir haben das Glück, dass im Augenblick der ein oder andere Wettbewerber kein ganz so gutes Bild abgibt und wir uns die eine oder andere Fläche schnappen konnten, einfach weil unsere Renditen überzeugen und wir sehr partnerschaftlich agieren.“
Der Outfitgedanke ist für LERROS zentral – der Mann soll von Kopf bis Fuß eingekleidet werden. Wie weit ist dieses Konzept heute umgesetzt und fehlt noch etwas, um es konsequent zu Ende zu denken?
„Wir sind traditionell bei den Oberteilen recht stark. In diesem Frühjahr/Sommer planen wir einen neuen Aufschlag mit Pants in neuen Qualitäten und Fits. Wir wollen im Herbst/Winter auch noch einmal das Denimprogramm pushen. Outerwear haben wir stärker gewichtet, um unserem Lifestyle-Anspruch gerecht zu werden. Wir kriegen das schon ganz gut hin, dass wir von der Freizeit bis zum Büro, inklusive Sakko, Mode bieten können. Wer nichts bei uns findet, hat ein anderes Problem.“
Wie entwickelt sich der Casual-Wear-Markt für Männer gerade? Wo siehst du Wachstum, wo stagniert es?
„Casual ist allgegenwärtig und der Begriff ist natürlich weit gefasst. Aber jeder hat in seinem Kleiderschrank Casual-Teile hängen oder liegen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das auch so bleibt, wenngleich wir mit verschiedenen Ausrichtungen zum Beispiel von Smart bis Preppy hier den richtigen Style bieten müssen.“
LERROS ist seit der Saison 2024/2025 Premium-Partner und exklusiver Fashion-Partner von Bayer 04 Leverkusen. Was hat diese Partnerschaft konkret gebracht – für die Markenwahrnehmung, für den Handel, für den Endkunden?
„Wir haben die Zusammenarbeit mit Bayer 04 Leverkusen in der Saison 2022/2023 gestartet. Seit der Saison 2024/2025 sind wir Premium-Partner. Weil wir keinen eigenen Retail haben und auch nicht planen, besteht die Brand Awareness ganz oben als wichtigstes Ziel. Wir hatten aber auch das Glück, 2023/2024 mit einer Topmannschaft in Europa zusammenzuarbeiten. Das hat uns sehr viel Zuspruch verschafft und die Attraktivität der Marke erhöht. Auch beim Endverbraucher – so sind die Onlinezahlen merklich nach oben geschossen. Und wenn Alonso einen bestimmten Pulli getragen hatte, kamen vermehrt Anfragen, welcher Pulli das denn sei. Fußball ist in Deutschland die Nummer eins und unser Engagement macht sich nach wie vor bezahlt.“
Sportsponsoring ist kein Selbstläufer. Wie aktiviert ihr die Partnerschaft so, dass sie im Laden ankommt und nicht nur als Logozeile auf der LED-Bande endet?
„Wir spielen die klassische Klaviatur mit Anzeigen bei Sport Bild und kicker sowie mit POS-Aktionen. Wir veranstalten Shootings mit den Spielern und organisieren auch Gewinnspiele und Aktionen auf der Fläche. Auch auf Social Media hilft uns die Kooperation mit Leverkusen: Der Club hat rund 4,3 Millionen Follower, das ist schon ein Pfund. Als wir eingestiegen sind, waren es noch 2,2 Millionen.“
Ihr entwickelt gemeinsam mit Bayer 04 eine Business-Linie für internationale Reisen der Mannschaft. Was ist das Ziel dahinter – Produktentwicklung, Sichtbarkeit oder beides?
„Wir hatten die Business-Linie im Onlineshop, verkaufen sie aber nicht auf der Fläche. Wir gehen jetzt aber weg vom Anzug und hin zu einem cooleren Outfit mit Overshirt und Bundfaltenhosen. Das passt besser zu uns und auch zum aktuellen Trend.“
LERROS ist in über 30 Ländern präsent, DACH und Benelux sind euer stärkster Markt. Welche Märkte haben in den letzten zwei Jahren am stärksten zugelegt – und wo seht ihr noch ungehobenes Potenzial?
„Gut läuft es vor allem in Osteuropa und den Niederlanden. In Tschechien haben wir zum Beispiel seit über 20 Jahren eine eigene Tochter. Ich bin mit dem internationalen Geschäft nicht unzufrieden, aber wir haben auch hier noch eine Menge Potenziale und benötigen die richtigen Partner dazu.“
2024 habt ihr erste Gespräche für den US-Markt geführt. Wie ist der Stand?
„Die USA wären natürlich ein riesengroßer Markt mit viel Umsatzpotenzial. Aber wir haben die Pläne vorerst gestoppt. Nachdem Trump an die Regierung gekommen ist und seine Zollpolitik losgetreten hat, wurde es deutlich komplizierter. Dafür sind wir aber in Indien mit MYNTRA gestartet, mit der Kollektion Frühjahr/Sommer 2026. MYNTRA ist in Indien der absolute Top Player im E-Com, wodurch wir auch eine gute Bekanntheit erlangen können.“
Ihr seid 2024 von Neuss nach Düsseldorf an die Plange Mühle gezogen – neues Headquarter, neuer Showroom. Was hat dieser Schritt verändert?
„Das Mindset ist ein anderes. Die meisten Mitarbeiter sind happy mit dem neuen Standort, und tatsächlich werden wir als attraktiverer Arbeitgeber wahrgenommen als noch in Neuss. Auch aus Kundensicht wurde der Umzug begrüßt.“
LERROS richtet sich an Männer zwischen 35 und 50 Jahren. Das ist eine breite Zielgruppe. Wie schaffst du es, einen 38-Jährigen und einen 48-Jährigen mit derselben Marke zu erreichen – ohne beliebig zu werden?
„Heute sind die Übergänge fließend. Es geht also auch nicht um das Alter im Ausweis, sondern darum, wie das mentale Alter ist und wie sich der Endkunde fühlt. Wir bedienen einen bestimmten Geschmack, der sich nicht am Alter festmacht, sondern am Lebensstil. Wir reden aus dem Grund auch nicht über Mode. Wir reden über Modernität. Und dieser Anspruch passt sehr gut zu uns.“
Im mittleren Preissegment ist Flächenproduktivität das entscheidende Argument beim Handel. Wie überzeugst du einen Händler heute davon, Fläche für LERROS zu reservieren, wenn die Auswahl an Casual-Wear-Marken riesig ist?
„Dem Händler geht es um den Profit. Wir bieten, das hatte ich eingangs bereits erwähnt, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, saisonales NOS, eine funktionierende Logistik et cetera. Der Service stimmt. Vor allen Dingen aber sind unsere Kennzahlen auf der Fläche nachweislich besser als bei dem einen oder anderen Wettbewerber links und rechts. Wir erfahren aktuell viel Zuspruch aus dem Handel. Das freut mich natürlich.“
Zum Schluss: Deine Erwartungen an die aktuelle Order und das laufende Geschäftsjahr?
„Wir haben auch im zurückliegenden Jahr ein zweistelliges Plus eingefahren, von 23 Prozent. Wir planen auch in diesem Jahr wieder positiv und gehen mit viel Rückenwind in die neue Order. Ich denke, dass 2026 in der Summe kein einfaches Jahr für die Branche wird. Es wird aber auch immer Gewinner und Verlierer geben, im Handel wie auch bei der Industrie. Wir haben in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern gezählt und ich sehe keine Zeichen, dass sich das nun ändert.“
Auf Reisen
Für die Saison Frühjahr/Sommer 2027 präsentiert LERROS das neue Kollektionsthema The Modern Traveller – Island Nomad, wie das Unternehmen mitteilt. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der zwischen unberührter Natur und urbanen Hafenstädten pendelt: Sportliche Utility-Elemente treffen auf smarte, sommerliche Lässigkeit. Die Farbpalette orientiert sich an maritimen und felsigen Kontrasten – von Broken White und Foam White über das erdige Bark Brown und Classic Navy bis zu den Frischeakzenten Tulip Red, Pistachio und Celestial Blue. Materialseitig setzt LERROS auf innovative Jacquards mit 3D-Strukturen, funktionale Cool-&-Dry-Jerseys sowie Linen Blends aus Leinen, Baumwolle und Viskose. Zentrales Designthema bei Oberteilen sind vertikale und horizontale Streifen, ergänzt um Overshirts und Kurzarm-Strickpolos. Das Hosensortiment wird komplett neu aufgestellt und in fünf Kategorien gesplittet, dazu kommen Chino- und Cargo-Shorts. Bei der Outerwear dominieren leichte, sportive Styles mit dezenten Wattierungen. Abgerundet wird die Kollektion durch Total Looks, Accessoires und eine Smart-Casual-Kapsel.











