„Wir sind nur erfolgreich, wenn unsere Händler erfolgreich sind“

Les Deux

©Les Deux

Autor: Markus Oess

Les Deux feiert Geburtstag. Zum 15-jährigen Bestehen kehrt die Kopenhagener Marke mit der Herbst/Winter-Kollektion 2026 in ihre Heimatstadt zurück. Kampagne und Kollektion entstanden in den Straßen von Frederiksberg und im industriell geprägten Kødbyen, teilt das Unternehmen mit. Gegründet wurde Les Deux 2011 von Freunden in einer Kopenhagener Bar. Am Anfang standen weiße T-Shirts mit Militär-Patches, die von Hand aufgenäht wurden. Im Mittelpunkt der Jubiläumskollektion steht die Stamp Series mit Motiven, die an europäische Briefmarken angelehnt sind. „Kopenhagen ist noch immer unser Ausgangspunkt. Es ist der Filter, durch den alles andere läuft“, sagt Creative Director Mathias H. Jensen. Mike Pedersen ist Country Manager Deutschland und Österreich. Im Gespräch erklärt er, wie Les Deux auf Vollpreisabverkauf statt auf Reduzierungen setzt, was hinter Soft Shops und Pop-up-Basketballplätzen steckt und welche Rolle Deutschland für das Wachstum spielt.

WERBUNG

FASHION TODAY: Les Deux wächst seit 14 Jahren kontinuierlich, auch in einem insgesamt schwächelnden Wholesale-Markt. Was ist der wichtigste Grund, warum sich die Marke diesem Trend entziehen konnte?
Mike Pedersen: „Es beginnt mit den Beziehungen, die wir zu Menschen aufgebaut haben, und damit, unseren Händlern zu helfen, zum vollen Preis zu verkaufen. Wir bleiben nah an den Kunden und investieren in die Präsentation der Kollektion, statt auf Reduzierungen zu warten. Kürzlich gab es einen Zeitraum von drei Monaten, in dem wir während der regulären Verkaufssaison 19 Pop-ups veranstaltet haben, um das Interesse an der Marke zu steigern und ihr visuelles Universum zu erweitern. Die erste Aufgabe ist, Menschen dazu zu bringen, stehen zu bleiben und hinzuschauen.“

Sie haben für 2026 ein Vorsteuergewinn-Ziel von 10 bis 11,4 Millionen Euro ausgegeben. Welche Märkte tragen am meisten zum Wachstum bei und welche Rolle spielt speziell die DACH-Region dabei?
„DACH ist seit vielen Jahren einer unserer wichtigsten Märkte und bleibt der einzige Markt außerhalb Dänemarks, in dem wir zwei Showrooms haben. Wir sehen hier viel Spielraum für weiteres Wachstum.

In den vergangenen Monaten haben wir sechs Soft Shops installiert, weitere sind in Planung. Sie verschaffen der Marke eine stärkere visuelle Präsenz in den Geschäften, dazu kommt praktische Unterstützung wie Personalschulungen. Außerdem haben wir kürzlich einen 67 Quadratmeter großen Shop-in-Shop im OBerPOLLInGer eröffnet.“

In Deutschland laufen Hosen und Overshirts besonders gut, in Frankreich sind Hemden die größte Kategorie. Wie erklären Sie diese Unterschiede im Verbraucherverhalten und wie stark passen Sie Sortiment und Marketing an den jeweiligen Markt an?
„Die lokalen Teams kennen ihre Märkte. Das gesamte Team trifft sich zweimal im Jahr in Kopenhagen zu den Kollektionspräsentationen und es gibt immer Teile, die ich für Deutschland auswähle und die ein anderes Team vielleicht anders sieht. Dieses lokale Wissen hilft uns, das richtige Sortiment auszuwählen. Außerdem bleiben wir mit wöchentlichen, monatlichen oder zweimonatlichen Meetings nah an unseren Partnern in Deutschland. Zusammen mit der Analyse der Zahlen gibt uns das einen sehr guten Einblick, welche Teile gut laufen werden.“

Sie investieren derzeit stark in Frankreich, mit dem Pariser Flagship und der Expansion nach Lyon, Marseille, Nizza und Straßburg. Warum liegt der Fokus gerade so klar auf Frankreich und nicht auf dem größeren deutschen Markt?
„Deutschland war über die Jahre ein großer Teil unseres Wachstums. Am 20. Oktober startet eine große Kollaboration und im Rahmen des Launches empfangen wir im November führende deutsche Medien und Content Creators in München.“

Die USA sind inzwischen einer der größten Märkte für Les Deux und Ihre Präsenz bei NORDSTROM wird sich ab Herbst/Winter 2026 nahezu verdoppeln. Wie vergleichen Sie das Wachstumstempo in den USA mit Europa und wo sehen Sie langfristig mehr Potenzial?
„Wir sehen überall Potenzial. So weit sind wir gekommen, indem wir nach Chancen gesucht haben und bereit waren, auf sie zu setzen. Die USA sind für uns schnell gewachsen und wir kratzen dort erst an der Oberfläche. Aber wir sind auch in Europa weiterhin ambitioniert, mit wachsender Dynamik in Großbritannien und den Benelux-Ländern neben Märkten wie Deutschland und Frankreich.“

Denim wächst konzernweit um 88 Prozent, während Slim-Fit-Hosen schwächeln. Ist das ein globaler Trend oder gibt es deutliche regionale Unterschiede, etwa zwischen DACH und Südeuropa?
„Denim erlebt bei uns gerade einen starken Moment und in Deutschland wachsen außerdem weiter geschnittene Anzughosen stark. Unser Core-Programm (NOOS) umfasst inzwischen eine Hose mit weiterer Passform, die sich selbst bei einigen unserer eher konservativen Handelspartner als sehr beliebt erwiesen hat.“

WERBUNG

Weit über 80 Prozent Ihres Umsatzes kommen über Wholesale. Bleiben Sie bei diesem Modell oder sehen Sie mittelfristig eine Verschiebung hin zu mehr eigenem Retail und E-Commerce, auch in Deutschland?
„Unsere Handelspartner sind zentral dafür, wie wir das Geschäft aufbauen. Der Fokus liegt darauf, eng mit ihnen zusammenzuarbeiten und sicherzustellen, dass die Marke in ihren Geschäften funktioniert. Genau dort sehe ich in Deutschland viele Chancen.“

Les Deux spricht von einem partnerschaftlichen Ansatz gegenüber dem Handel statt eines reinen Sell-in-Fokus. Wie sieht das in Ihrer Arbeit mit den Händlern konkret aus?
„Wir sind nur erfolgreich, wenn unsere Händler erfolgreich sind. Ein großer Teil davon ist, nah an ihnen zu bleiben und darauf zu schauen, was der Kollektion beim Abverkauf hilft. Ein Beispiel sind die Pop-ups, Personalschulungen und Aktivierungen, die wir gemeinsam entwickeln. Wir machen das Saison für Saison, mit starken Ergebnissen.“

Für 2026 sind zwei große Produktlaunches mit Aktivierungen in Paris geplant. Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Märkte im Zentrum solcher internationalen Kampagnen stehen?
„Der Ort sollte zur Kollektion oder Kollaboration passen. Bei unserer Kollaboration mit Prince Anfang dieses Jahres war Paris während der Tennissaison eine naheliegende Wahl.

Neben Kollaborationen mit Namen wie engelhorn, breuninger und KaDeWe investieren wir viel in Partnerschaften mit Local Heroes und regionalen Häusern in Deutschland. Dabei entwickeln wir jeweils gemeinsam Ideen, die zu deren Kunden und Flächen passen, und das können auch Pop-up-Basketballplätze sein. Diese Beziehungen bieten uns in ganz Deutschland viele Möglichkeiten. Für den nächsten Sommer prüfen wir hier außerdem ein größeres Projekt, auch wenn die Planung noch am Anfang steht.“

  • ©Les Deux

Les Deux positioniert sich zwischen Preppy- und Streetwear-Ästhetik. Wie stark unterscheidet sich diese Markenwahrnehmung zwischen den Märkten, etwa zwischen einem eher konservativen deutschen Kunden und einem französischen oder amerikanischen?
„Die Preppy- und Streetwear-Einflüsse bieten den Menschen unterschiedliche Zugänge zur Kollektion. Ein Hemd funktioniert zur Anzughose ebenso wie zu weitem Denim und einer Cap. Diese Vielseitigkeit macht einen großen Teil des Reizes aus.“

Beim Thema Nachhaltigkeit betonen Sie Bio-Baumwolle, recyceltes Polyester und ein Legacy-Programm. Wie wichtig ist dieses Thema für Ihre Handelspartner und Endkunden in der DACH-Region im Vergleich zu anderen Märkten?
„Es ist uns wichtig, unabhängig davon, wo wir verkaufen. Wir wollen, dass Händler ein gutes Gefühl bei dem haben, was sie ihren Kunden anbieten. Das bedeutet, an den Materialien zu arbeiten und über Legacy Gemeinschaften zu unterstützen. Es gibt immer mehr, was wir tun können.“

Über Les Deux

©Les Deux

Les Deux ist eine Menswear- und Lifestylemarke aus Kopenhagen. Gegründet wurde sie 2011 von Andreas von der Heide, Kristoffer Haapanen und einem Freund. Der Name ist französisch für „die beiden“ und steht für die Verbindung von klassischem Preppy-Stil und Streetwear. Haapanen führt das Unternehmen als CEO, von der Heide ist Chief Brand Officer. 2021 stieg der schwedische Investor RŌKO mit einer Mehrheitsbeteiligung ein, die Gründer blieben als Anteilseigner und Geschäftsführer an Bord. Vertrieben wird die Marke unter anderem über Galeries Lafayette, KaDeWe und SELFRIDGES. 2025 wuchs der Umsatz um 13 Prozent, es war das 14. Wachstumsjahr in Folge. Im selben Jahr kamen mehr als 250 neue Wholesale-Kunden hinzu, das Unternehmen eröffnete Showrooms in London und Amsterdam sowie einen Flagship-Store in Paris. In Frankreich kommen 15 neue Standorte hinzu. In den USA steigt die Zahl der NORDSTROM-Verkaufspunkte ab Herbst/Winter 2026 von 15 auf 25. In Deutschland unterhält Les Deux ein Büro in Düsseldorf.