Autor: Markus Oess
Mit Marco Sänger hat ROY ROBSON seit August 2025 einen neuen Director Brand & Product. Im FT-Gespräch erläutert er, wie sich Tailoring und Casual neu verbinden lassen, welche Rolle New Formal spielt, wie sich die Marke im Wettbewerb positioniert und wo er strategische Hebel bei Kollektion, Kommunikation und Vertrieb sieht.
FASHION TODAY: Marco, mehr Anzug oder mehr Casual?
Marco Sänger: „Wir denken in smarten Hybrid-Looks. Für mich ist die beste Lösung die präzise kuratierte Kombination aus modernem Tailoring und einem leicht formellen Casual-Ansatz. Smarte Anzug-Silhouetten, ergänzt durch lässige Elemente – das ist die neue Realität im Markt.“
Eher klassisch oder neu interpretiert?
„Ganz klar neu interpretiert. Leichte Oversize-Proportionen, subtile Workwear-Einflüsse, moderne Stofflichkeit – das sind die Impulse, die unseren Look nach vorne treiben.“
Hat der klassische Anzug immer noch ein Problem – oder hat sich die Lage beruhigt?
„Der traditionelle, streng formelle Anzug tut sich außerhalb der Anlässe weiterhin schwer. Der Business-Look verändert sich substanziell. Gleichzeitig werden Anlassthemen relevanter und auch dort entwickeln sich neue, modernisierte Dresscodes. Es entsteht ein neues Spielfeld.“
Ihr habt zuletzt in beiden Orderrunden zugelegt, international sogar stärker als in Deutschland. Alles gut bei ROY ROBSON – oder gibt es Optimierungsbedarf?
„Wachstum ist ein starkes Signal. Gleichzeitig gilt: Weiterentwicklung ist Pflicht. Stillstand wäre der größte Fehler. Wir sehen viele Potenziale – und haben genügend Ideen, diese systematisch zu heben.“
Not a place …
Du sollst Casual und Business Wear neu verbinden. Wie müssen wir uns das vorstellen?
„Beispielsweise so: Ein zweireihiger Woll-Jersey, kombiniert mit einer Hose mit etwas mehr Volumen, dazu ein High-Twist-Merino Rollneck und eine leichte, onion-quilted Pufferweste. Darüber ein langer Wool Coat in Pistazie. Das ist die neue Synthese – beide Welten klar erkennbar, aber zeitgeistig zusammengeführt.“
Hilft die eigene Produktion in der Türkei bei diesem Vorhaben?
„Absolut. Sie macht uns schnell, präzise und extrem innovationsfähig. Wir können Entwicklungen unmittelbar umsetzen – auf konstant hohem Qualitätsniveau.“
Du bist jetzt einige Monate dabei – wie lief es bisher für dich?
„Sehr gut. Ich wurde von einem starken Team in einem leistungsfähigen Unternehmen aufgenommen. Die strukturellen Voraussetzungen beim Marktführer sind ausgezeichnet. Gleichzeitig sehe ich zahlreiche Ansatzpunkte, um gute Themen weiter zu schärfen und die Marke nach vorne zu entwickeln.“
Was war deine erste Amtshandlung?
„Neben einigen strukturellen Anpassungen konzentrieren wir uns aktuell konsequent auf die Marke selbst – ihre DNA, ihre Herkunft, ihre Werte. Warum existieren wir? Warum sollte der Kunde uns vertrauen? Warum entscheidet er sich für ROY ROBSON?
Diesen USP arbeiten wir gerade mit Herzblut, Stolz und Innovationskraft heraus. Das wird der Kick-off für unsere neue, langfristige Kommunikationsstrategie. Eine Strategie mit dem Namen ‚ECHOES of the NORTH‘.“
Was zeigt ihr in Florenz zur Order – und wo hast du erste Veränderungen vorgenommen?
„Die Kollektion präsentiert sich auf gewohnt hohem Niveau – das Team hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir legen den Fokus deutlich auf New Formal. Wir fragen uns: Wie sieht Formalwear 2026 aus? Welche neuen Materialien treiben die Entwicklung? Wie entsteht der nächste Look?
Wir haben darauf klare Antworten entwickelt – und sie in die Kollektion übersetzt.“
Wo steht die Marke heute im Wettbewerb?
„Wir sind weiterhin Marktführer im Anzugsegment. Darüber hinaus werden wir zunehmend als Total-Look-Brand wahrgenommen. Der Mantel performt stark, Strick wird zu einer echten Kompetenz. Und im Bereich New Formal gehören wir heute zu den ersten Ansprechpartnern im Markt.“
Wo soll die Marke hin?
„Wir wollen unsere Führungsposition im Bereich Tailoring sichern und gleichzeitig den Total Look konsequent stärken. Unser USP wird noch klarer herausgearbeitet. Das Ziel: maximale Strahlkraft einer modernen Marke, die für Qualität, Stil und Innovation steht.“
… – it’s an attitude
Wie bringt ihr die Marke künftig auf die Fläche – gibt es Neuerungen in der Kommunikation?
„Ja, eindeutig. Wir werden die Marke deutlich emotionaler, moderner und systematischer auf die Fläche bringen. Unser Ansatz basiert auf einem klaren Dreiklang: Storytelling, Flächenkonzept und Experience.
Wir etablieren modulare Präsentationsbausteine, schärfen die Markenarchitektur und arbeiten mit visuellen Echo-Elementen, die unsere DNA sofort erkennbar machen. Die Kommunikation wird konsistenter, hochwertiger und deutlich präsenter – on floor, digital, im Handel und in der internationalen Markenführung. Ziel ist eine Markenwahrnehmung, die weit über das Produkt hinausgeht.“
Also mehr Evolution als Revolution?
„Evolution – aber mit Haltung. Wir reden über präzise gesetzte Impulse, nicht über Schnellschüsse. Wir entwickeln die Marke Schritt für Schritt weiter, schaffen klare Wiedererkennbarkeit und verbinden Bewährtes mit modernen, mutigen Themen. So erzeugen wir ein Momentum – nachhaltig und markenkonform.“
Es gab auch vertriebsseitig Veränderungen. Wie ist das Geschäft unter der neuen Konstellation angelaufen?
„Die neue Struktur greift hervorragend. Wir arbeiten fokussierter, schneller in der Entscheidungsfindung und näher an unseren Partnern. Die Teams sind klarer aufgestellt, Schnittstellen effizienter definiert. Das führt zu einer spürbaren Professionalisierung im täglichen Austausch – und zu einem deutlich geschärften Marktauftritt.“
Wie schätzt du die Order ein? Wie immer: Euphorie in Florenz, Realismus in den Orderzentren?
„Wir gehen mit Zuversicht in die Order. Die Stimmung in Florenz ist traditionell ein guter Seismograf für Innovation und Zeitgeist – und genau hier sind wir mit New Formal extrem stark positioniert. In den Orderzentren wird der Markt dann pragmatischer, aber das Momentum ist da. Wir haben eine Kollektion, die Inspiration bietet und gleichzeitig kaufmännisch belastbar bleibt. Das ist eine starke Ausgangsbasis.“
Was können Händler vom Ausland lernen, wenn es dort aktuell etwas besser läuft?
„Vor allem Mut in der Präsentation, klare Looks und konsequentes Storytelling. International erleben wir Retailer, die Kollektionen stärker kuratieren, Farbthemen deutlicher ausspielen und Marken emotionaler inszenieren. Diese Klarheit im Auftritt, kombiniert mit einem mutigen Wareneinsatz, führt zu besseren Abverkäufen und einer stärkeren Markenbindung – etwas, das wir auch im Heimatmarkt noch stärker nutzen können.“
Der Interview-Partner
Marco Sänger ist seit 1. August 2025 Director Brand & Product bei ROY ROBSON. Er übernahm die Verantwortung für Produktentwicklung und Markenkommunikation und folgt auf Sven Brüggemann. Sänger war zuvor bei windsor., BENVENUTO. und FYNCH-HATTON in leitender Funktion tätig. Mit seiner Erfahrung in formeller und Casual Menswear soll er die strategische Verbindung beider Stilwelten bei ROY ROBSON weiterentwickeln.
northern studios – Haltung statt Hype










