Autorin: Yvonne Heinen-Foudeh

Das italienische Luxuslabel – bis dato mit Angebotsfokus auf hochpreisige Sneaker, für die man bis zu 1.800 Euro für ein mit Kristallen besetztes Paar berappt –, hatte zuvor in den ersten neun Monaten 2025 ein Umsatzwachstum von 13 Prozent hingelegt.
GOLDEN GOOSE wurde im Jahr 2000 gegründet und hat sich durch die inszenierte Used-Ästhetik, seine italienischen Wurzeln in der Fertigung und den Schwerpunkt auf Personalisierung und Erlebnis-Einzelhandel eine unverwechselbare Position im Bereich Luxus-Schuhwerk erarbeitet. Zudem beschleunigte sich das Geschäft im Direct-to-Consumer-Kanal (DTC) im dritten Quartal erheblich, was auch mit dem Pre-Loved-Trend gerade in diesem Segment zusammenhängen dürfte.
Unter der Führung von Silvio Campara, der weiterhin als Chief Executive Officer tätig sein soll, ist die Marke rasch gewachsen. In den letzten fünf Jahren hat GOLDEN GOOSE seine Ladenfläche mehr als verdoppelt und seinen Umsatz deutlich gesteigert auf 989 Millionen SGD (rund 660 Millionen Euro) im Jahr 2024, trotz eines schwierigen Luxusmarktes.
Die neue Eigentümerphase von GOLDEN GOOSE – fraglos ein Signal auch für eine Neukalibrierung hinsichtlich Fusionen und Übernahmen in der Luxusmode-Branche. Ein weiteres Exempel dafür, wie strategisch asiatisches Kapital die nächste Phase des Wachstums im Luxussegment beeinflusst.
Rolle asiatischen Kapitals im Luxussegment legt weiter zu

Anfang 2025 hatte TEMASEK mit einer Investition in Höhe von 107 Millionen Euro einen Anteil von 10 Prozent an der Ermenegildo Zegna Group erworben und positionierte sich damit eher als langfristiger strategischer Partner denn als passiver Finanzinvestor. Bei diesem Geschäft legte Temasek den Schwerpunkt auf die Stärkung der Bilanz, das organische Wachstum der Marke und die Expansion in noch wenig erschlossene Märkte – insbesondere in Asien – und sicherte sich gleichzeitig eine Vertretung im Vorstand.

Die Parallelen unterstreichen die Vorliebe von TEMASEK für familien- oder gründergeführte Luxusmarken mit starkem Markenwert, disziplinierter Führung und klaren internationalen Wachstumspfaden. Damit dürfte auch das Engagement bei GOLDEN GOOSE eher auf eine nachhaltige globale Expansion verweisen und signalisiert damit, wie strategisches asiatisches Kapital die nächste Phase des Wachstums im Luxussegment neu gestaltet.
Im Gegensatz zu traditionellen PE-Exits deutet hier die Eigentümerstruktur eher auf weitere Investitionen in Geschäfte, Community-Erlebnisse und DTC hin als auf Margenverringerungen. Indem GOLDEN GOOSE markenorientiertes Wachstum vor aggressiven Kostensenkungen priorisiert, positioniert sich das Unternehmen glaubhaft für nachhaltige Relevanz statt kurzfristiger Optimierung.
Dazu beobachten wir ein stärkeres Augenmerk auf Südostasien, auf China. So konnte GOLDEN GOOSE im Vergleich zu anderen Luxusmarken in China bereits gute Ergebnisse erzielen. Ferner unterstreicht der Geschäftsabschluss einmal mehr, dass Marken mit starken Communitys, Preissetzungsmacht und Erlebnis-Einzelhandel selbst in der aktuellen Flaute im Luxussegment weiterhin hohe Bewertungen erzielen.
Die Fakten
Die chinesische Private-Equity-Gesellschaft HongShan (HSG) übernimmt die Mehrheit an GOLDEN GOOSE gemeinsam mit der in Singapur ansässigen Investmentgesellschaft TEMASEK als Minderheitsinvestor sowie einem Fonds, der von ihrem hundertprozentigen Vermögensverwalter TRUELIGHT CAPITAL verwaltet wird. Das globale Finanz-Unternehmen TEMASEK hat sein Engagement in Luxus- und Premiummarken stetig ausgebaut, darunter Beteiligungen eben an der Ermenegildo Zegna Group und MONCLER.
Anteilseigner PERMIRA wird im Schulterschluss mit anderen Beteiligten, wie unter anderem CARLYLE, eine Minderheitsposition behalten. Indikator für eine stärkere Aufsicht in der neuen Eigentümer-Konstellation und die anvisierte nächste Wachstumsphase: Marco Bizzarris Rollenwechsel vom derzeit nicht geschäftsführenden Mitglied des Vorstands bei GOLDEN GOOSE zum geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden in der neuen Eigentümerstruktur.


