„Mehr Tempo, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“

VICUNHA

„Das Hauptproblem sind die Rohstoffe, da die Stoffpreise zu 55 bis 60 Prozent von den Rohstoffen abhängen, gefolgt von den Preisen für Chemikalien und Farbstoffe, ", sagt Kürşad Çakılcıoğlu, Sales and Product Development Manager Europe VIVUNHA ©alle Bilder VICUNHA

Autor: Markus Oess

Die Kingpins war gut besucht, doch für VICUNHɅ steht nicht der Verkauf, sondern der Austausch im Mittelpunkt. Kürşad Çakılcıoğlu, Sales and Product Development Manager Europe, erklärt im FASHION-TODAY-Interview, warum Europa schneller, innovativer und wettbewerbsfähiger werden muss, um im globalen Denim-Markt zu bestehen. Während der Markt sich von Marmor-Looks abwendet und Y2K-Trends folgt, steigen die Rohstoffpreise. Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss: VICUNHɅ setzt auf Closed-Loop-Prozesse, recycelt und investiert in wasserlose Färbetechniken. Doch die größten Herausforderungen bleiben geopolitische Spannungen und die Suche nach Stabilität in unsicheren Zeiten.

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Der europäische Markt benötigt den schnellsten Service. ©VICUNHA

FASHION TODAY MEN: Wie lief die Kingpins-Messe insgesamt?
Kürşad Çakılcıoğlu: „Es war eine großartige Erfahrung und die Kingpins war sehr gut besucht – mit Besuchern und Kunden aus der ganzen Welt.“

Wie bewerten Sie aktuell die wirtschaftliche Lage auf dem Denim-Markt – global und mit Fokus auf Europa? Und hatte das Auswirkungen auf die Kingpins?
„Die Kingpins ist keine reine Verkaufsmesse, sondern ein Ort, an dem sich die Denim-Community trifft, um Ideen auszutauschen, über zukünftige Möglichkeiten und Entwicklungen zu diskutieren.“

Wo sehen Sie aktuell die größten Unterschiede zwischen Europa und anderen Märkten – oder bewegt sich alles in dieselbe Richtung?
„Heute werden die Unterschiede kleiner und fast alle Märkte bewegen sich in dieselbe Richtung. Aber der europäische Markt benötigt den schnellsten Service, fortschrittliche Entwicklungen und muss der Modeindustrie Richtung weisen. Um in Europa zu überleben, muss man schnell, innovativ und wettbewerbsfähig sein.“

Welche Entwicklungen prägen aktuell den Denim-Markt?
„Der Markt bewegt sich weg vom Marmor-Look, bleibt aber authentisch, weich und folgt den Y2K-Trends. Wir beobachten auch, dass Marken nach unterschiedlichen Casts wie Braun, gealtertem Look und vielen farbigen Denims suchen, die jetzt im Trend liegen.“

Der Markt bleibt authentisch, weich und folgt den Y2K-Trends. ©VICUNHA

Wie viel davon erreicht tatsächlich den Einzelhandel – und was bleibt tendenziell in der Entwicklungsphase?
„Wir lancieren die AW28-Kollektionen, also erwarten wir, dass die Trends bis zur nächsten Wintersaison in den Läden ankommen. Das gibt uns auch Richtung für schnelle Entwicklungen.“

Wie hat sich die Preisentwicklung bei Denim in den letzten 12 bis 24 Monaten verändert?
„Aktuell ändern sich die Denim-Preise aufgrund der globalen Situation und die Rohstoffpreise steigen. In den letzten drei Monaten sind die Polyesterpreise um 50 Prozent und die Baumwollpreise um etwa 25 Prozent gestiegen, daher werden die Denim-Preise in der kommenden Saison betroffen sein.“

Welche Faktoren treiben die Preise aktuell am meisten?
„Das Hauptproblem sind die Rohstoffe, da die Stoffpreise zu 55 bis 60 Prozent von den Rohstoffen abhängen, gefolgt von den Preisen für Chemikalien und Farbstoffe.“

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Sind Ihre Kunden aktuell bereit, für nachhaltigere Produkte mehr zu zahlen – oder kommt es am Ende doch auf den Preis an?
„Nachhaltigkeit hängt nicht nur vom Preis ab. Wir versuchen, Produkte gemeinsam mit den Anforderungen und Wünschen unserer Kunden zu entwickeln – nachhaltig und zu einem vernünftigen Preis.“

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit aktuell im Denim-Segment – Nice-to-have, Anforderung oder entscheidender Differenzierungsfaktor?
„Es gibt wichtige Punkte, die im Markt genutzt werden: Reduce – Reuse – Recycle. Rohstoffe, Chemikalien und Wasser sind dabei die Schlüsselfaktoren.“

Regionale Produkte sorgen für mehr Flexibilität und kürzere Lieferzeiten.

Wo sehen Sie aktuell echten Fortschritt in der Denim-Produktion, sowohl bei Prozessen als auch bei Stoffen?
„Man könnte sagen, in der Fasertechnologie, die mit neuen Recyclingtechnologien, neuen wasserlosen Färbetechniken und Veredelungstechnologien zusammenhängt, liegen die Schlüsselfaktoren.“

Welche konkreten Auswirkungen haben die wachsenden geopolitischen Spannungen auf Ihre Lieferketten?
„Sie beeinflussen die globalen Lieferungen von Rohstoffen und Chemikalien. Wir arbeiten mit unseren Ressourcen und Fabriken in Südamerika, sodass wir das bisher gut managen können. Unsere Lieferungen in verschiedene Regionen sind jedoch durch lange Transitzeiten betroffen, aber wir erwarten, dass sich das sehr bald löst.“

Beobachten Sie eine stärkere Regionalisierung der Lieferketten oder bleibt das Geschäft global organisiert?
„Wir haben von unseren Kunden die Rückmeldung erhalten, dass sie zu regionalen Produkten wechseln möchten. Das gibt den Kunden Flexibilität und kürzere Lieferzeiten.“

Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie aktuell für den europäischen Markt?
„Die größte Herausforderung ist die Marktstabilität. In den letzten Jahren gab es viele unsichere Situationen, angefangen mit Covid und dann Kriege in unserer Region. Diese unsicheren Situationen wirken sich sehr schnell auf unsere Modeindustrie aus, weil unsere Nachfrage einen friedvollen Geist braucht, damit die Verbraucher einkaufen und ausgehen können.“

„Die größte Herausforderung ist die Marktstabilität.“

Wie positioniert sich VICUNHɅ in diesem Umfeld – und was sind Ihre Prioritäten für die kommenden Jahre?
„VICUNHɅ ist eine der ersten Webereien, die in Nachhaltigkeit investiert haben, und wir arbeiten an verschiedenen Aspekten. VICUNHɅ hat einen Closed-Loop-Prozess und recycelt jährlich 7.000 Tonnen Garne, die in der eigenen Produktion verwendet werden. VICUNHɅ hat auch in das VCA-Projekt investiert, bei dem Stadtwasser recycelt und in der Fabrik wiederverwendet wird. VICUNHɅ ist zudem eine der ersten Webereien, die einen Nachhaltigkeitsbericht öffentlich teilen.“