Umfrage
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht die deutsche Wirtschaft weiter unter Druck. Nach Einschätzung der Organisation treffen die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten auf anhaltende strukturelle Probleme am Standort Deutschland. Grundlage ist eine Konjunkturumfrage unter rund 23.000 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen. „Wir stecken in einer Doppelkrise“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. Viele Betriebe seien nach mehreren Jahren Rezession und Stagnation an ihrer Belastungsgrenze angekommen. „Wir leben in Deutschland von der Substanz“, sagt Melnikov.
Mehr als jedes vierte Unternehmen bewertet seine aktuelle Geschäftslage als schlecht. Im Handel liegt dieser Anteil bei 35 Prozent. Gleichzeitig rechnen ein Drittel der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften. Nur 13 Prozent erwarten eine positive Entwicklung. Der DIHK-Stimmungsindex sank von 95,9 Punkten zu Jahresbeginn auf 88,1 Punkte. Die Wachstumsprognose für 2026 reduzierte die DIHK von 1 Prozent auf 0,3 Prozent.
Als größte Risiken nennen die Unternehmen steigende Energie- und Rohstoffpreise. Auch hohe Arbeitskosten, schwache Inlandsnachfrage und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben zentrale Belastungsfaktoren. Laut DIHK seien nach Beginn des Nahost-Kriegs unter anderem die Preise für Öl, Gas, Benzin, Baumaterialien und Kunststoffe deutlich gestiegen.
Auch die Exportaussichten der Industrie haben sich verschlechtert. Drei von zehn Betrieben rechnen mit rückläufigen Ausfuhren. Gleichzeitig planen nur 22 Prozent der Unternehmen höhere Investitionen, während mehr als ein Drittel ihre Budgets kürzen will. Beim Personal zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung: Knapp ein Viertel der Unternehmen plant Stellenabbau.
Die DIHK fordert deshalb strukturelle Entlastungen. Melnikov nennt unter anderem niedrigere Energie- und Arbeitskosten, Steuerentlastungen sowie weniger Bürokratie und schnellere Verfahren.


