Summer of Lightness

Saisonstart

Menswear ist diesen Sommer in Florenz unbeschwerter als je zuvor. Weite Silhouetten und dekonstruierte Verarbeitung prägen ein luftiges Layering. Leinen und hochfeine Cotton Blends bleiben das Nonplusultra bei Materialien. Aber selbst hochfeine Bieleser Tuche sehen in lässigen Hemdjacken deutlich moderner aus als gebackenes Tailoring. Das zeigt zum Beispiel Tombolini in seiner Zero Gravity Collection. Nine in the Morning, ein italienischer Trendsetter für Contemporary Menswear, zeigt kurze Boxy Shirts zu extraweiten Hosen. Diese Looks treffen den Nerv junger Männer, die die Lässigkeit der Streetwear in diesen neuen smarten Looks adaptieren.

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Ein starker Trend bei den Materialien sind Vintage- und Old Finishes, mit denen Oberflächen Unikat-Charakter bekommen. Der Koreaner Jiyongkim zeigt dies beispielhaft in 30 Tagen sonnengebleichten Stoffen. Komplexe Faded Finishes auch bei Roberto Collina. Leichter, luftiger Strick ist auch das Thema Daniele Fiesoli. Poröse Strukturen und Ajour-Muster sind in trendigen gestrickten Kurzarm-Hemden up to date.

Die neue Leichtigkeit des Seins übersetzt Drykorn in eine gelungene Rio-de-Janeiro-Inspiration. Sommerliche Lässigkeit, urbane Coolness und Latino-Feeling werden zu einem coolen Cocktail gemixt, in dem auch die grafischen Muster der Copacabana nicht fehlen.

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Farblich ist Braun der neue Anker in den Kollektionen: Softer als Schwarz ist es der Backbone vieler Sortimente. Leichte helle Pastelle bei den Italienern, tiefe Darks bei den modernen Anbietern – dazu werden tiefe Rot- und Orchideen-Töne oder spritzige Lemon- bis Acid-Grüntöne gemischt. Als visuelle Highlights bleiben gemusterte Häkeloptiken oder aufwändige Stickereien im Kurzarm-Hemd ein modischer Fokus (Anerkjendt, Dstrezzed). Diese Fantasien sind deutlich spannender als ein Sommer-Check.

Das Thema Travelwear bleibt stark mit funktionellen Polyamid-Stretches. Herno hat dazu eine komplette Travel-Kollektion entwickelt, inklusive einer Kollaboration mit FPM mit passendem Reisegepäck. Der Clou ist eine packbare Jacke, die sich in ein Nackenkissen verwandeln lässt. Aber selbst diese technischen Waren werden heute mit komplexen Pigment-Finishes gealtert (Xacus).

Die Stimmung auf der Pitti war bei hochsommerlichen Temperaturen entspannt. Auf den Ständen der deutschen Marken wie Olymp, Roy Robson, Dressler, Digel oder Tom Ripley herrscht verhaltener Optimismus. Die Ordersaison, so der allgemeine Tenor, werde anspruchsvoll, gleichwohl ist die Hoffnung groß, zumindest mit einem Pari auszusteigen. Die Anzahl der Besucher dürfte etwas zurückgegangen sein, aber die Qualität der Einkäufer hat darunter nicht gelitten. Manche Aussteller haben insbesondere Vertreter kleinerer Läden vermisst. Ein Highlight setzte Bugatti mit einer Modenschau im Badeort Forte dei Marmi, zu der gut 250 bis 300 Gäste eingeladen waren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pitti Uomo auch in diesem Sommer ein gelungener Auftakt in die Orderrunde darstellt – oder wie Alberto-Chef Marco Lanowy sagt: „Pitti ist Pitti.“