Alibaba und die Erfolgsstory

Aufstieg

©Screenshoot Alibaba

Autor: Claudia Carillon

Kein Märchen aus 1001 Nacht. Das Phänomen Alibaba ist zwar in aller Munde, doch nur wenige sprechen über die Hintergründe dieses Erfolges. Der Versuch einer Annäherung.
Im Jahr 1999 gründeten 18 Unternehmer aus Hangzhou, angeführt von Jack Ma, einem Englischlehrer, die Firma Alibaba. Alle glaubten an den Erfolg des Internetgeschäftes und sahen in einer Internetplattform die große Chance für chinesische Händler.

Nur sechs Jahre später erreichte Alibaba, der weltgrößte E-Commerce-Marktplatz, die Umsatzschwelle von 3 Trillionen Renminbi (circa 442 Milliarden Euro). Am 11. November 2016 (dem Tag der Singles = 4×1) wurden innerhalb von nur 24 Stunden 17 Milliarden US-Dollar (16,3 Milliarden Euro) erlöst.

Multimilliardär in 24 Stunden (Bild: Alibaba Group)

Dies liegt nicht nur daran, dass Chinesen kauffreudiger als andere Nationen sind, sondern sehr viel mehr an der geografischen und allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes (oder besser Kontinents).

Augenblicklich verfügt nur die Hälfte aller rund 1,38 Milliarden Chinesen über einen Internet-Zugang und nur jeder Zweite von ihnen kauft online. Doch diese Zahlen dürften sich bis 2020 verdoppeln, wobei vor allem Verkaufsmöglichkeiten in den ländlichen Gebieten stark ausgebaut werden sollen.

In den letzten Jahren hat sich das vormalige Entwicklungsland zu einem hochmodernen Land entwickelt, wo jeder Einzelne nur eines im Kopf hat: „reich werden“. Dabei wurden alle alten Methoden, die wir im Westen immer noch anwenden, einfach übersprungen und durch modernste Hilfsmittel wie Internet, Handys und Online ersetzt. Dank ihres unbeschreiblichen Fleißes haben die Menschen so viel Wohlstand erwirtschaftet, dass auch die Mittelklasse mittlerweile gut verdient und am Boom teilnehmen kann.

Problem dabei ist, dass der Einzelhandel in China in all diesen Jahren unterentwickelt geblieben und eine professionelle Ausbildung zur Verkäuferin weiterhin unbekannt ist. Zwar sprießen in allen größeren Städten Shoppingmalls aus der Erde, doch leider immer mit dem gleichen Angebot.

Wundersame Marktperfomance – Alibaba schwebt im Reich der Mitte in anderen Spähren. (Bildquelle: Alibaba Group)

Das hat zur Folge, dass mittlerweile 85 Prozent aller Verbraucher als Erstes immer im Internet oder anderen Online-Kanälen ihre Suche beginnen und 58  Prozent die Preise erst einmal im Internet vergleichen, bevor sie sich zu einem Verkauf entscheiden.

Dies bedeutet aber auch, dass der E-Commerce-Auftritt in China viel detaillierter sein muss als allgemein üblich, was sicherlich an dem großen Misstrauen der chinesischen Käufer liegt, die durch jahrelanges Kopieren und verpanschte Produkte vorsichtig geworden sind.

Dies alles hat Alibaba erkannt und liefert daher einen Allroundservice für die Kunden mit seinen Plattformen Taobao und Tmall. Während jedoch Taobao eine Plattform für chinesische Händler ist, die dort ihre Ware verkaufen können, wobei es eben auch Firmen gibt, die Fakes anbieten, wurde Tmall für internationale Brands geschaffen, die über diese Schiene in ganz China ihre ausländischen Markenartikel anbieten können.

So selten Taobao mit Produktkontrolle von Alibaba handelt, so sehr überwacht der Konzern bei Tmall die Herkunft der Marken und ihre Produkte.

Durch die ständig wachsende Konsumfreudigkeit in China möchten natürlich immer mehr ausländische Firmen an diesem Geschäft teilnehmen.

Um es den Ausländern einfach zu machen, hat Alibaba ein sehr klares, aber streng kontrolliertes System entwickelt.

Wer bei Tmall einen Online-Shop eröffnen möchte, muss zunächst einmal seine Produkte vorstellen, um zu testen, ob diese auch in China eine Kundschaft haben.
Natürlich muss die Marke geschützt und eine vollständige Transparenz der Entwicklung und Zusammenstellung der einzelnen Teile nachweisbar sein.

Einmal von Alibaba akzeptiert, benötigt man einen TP (TP=Taobao/Tmall-Partner), der dann anhand seiner Dienstleistungen die ganze Entwicklung des Online-Shops sowie dessen ständige Betreuung übernimmt.

Dieser TP ist daher für den Erfolg ausschlaggebend und man sollte sich einen solchen sehr sorgfältig aussuchen. Wozu dient dieser TP? Er kennt das sehr spezifische E-Commerce-Umfeld in China und kann der ausländischen Firma somit viele Kosten und Fehler ersparen. Er ist in China vor Ort für alle Dienstleistungen und professionellen Aktivitäten verantwortlich, die ein ausländischer Unternehmer niemals zusichern könnte.

Natürlich ist ein solcher Online-Shop nicht billig, da all diese Leistungen bezahlt werden müssen. Dennoch ist ein Einstieg durch E-Commerce in das Chinageschäft oft leichter, als in diesem riesigen Land durch Vertreter, Firmengründungen oder Produktion Fuß zu fassen.