Concept mit Konzept

„Ich nenne SELEKTEUR immer Warenhaus." Felix Staeudinger, Inhaber. (alle Bilder © SELKETEUR)
Autor: Andreas Grüter

Mit colette, Paris, und POOL, München, schlossen 2017 gleich zwei namhafte Concept Stores der ersten Stunde für immer ihre Pforten. Derweil verpassen Mono- und Flagshipstore-Betreiber ihren Flächen mit Bücherecken und Café-Bereichen ein schnelles Update, um noch ein Stück vom angesagten Erlebnisshopping-Kuchen abzubekommen. Wo steht die Idee „Concept Store“ anno 2018? Wir haben uns umgeschaut.

„colette geschlossen – ist das das Ende der Concept Stores?“, orakelte Anfang 2018 die Pariser Modeschule IFA auf ihrer Website, um dann in einem längeren Artikel den Werdegang des Concept-Shoppings vom heiß gehandelten Insider-Tipp für Individualisten zum Lifestyle-Massenphänomen nachzuzeichnen. Das Fazit: Alles kann, nichts muss, Hauptsache, die Sache bleibt in Bewegung. Eine zwar zugegeben recht dünne, aber dennoch zutreffende Quintessenz, die, ob gewollt oder nicht, auch die Frage nach der Zukunft des stationären Retails an sich aufwirft. Schließlich sind Concept Stores nach wie vor das am effektivsten funktionierende Bollwerk gegen die stetig wachsende Konkurrenz aus dem Internet. Warum also nicht einfach „Concept“ vor oder hinter den Shopnamen packen und mit ein paar Gadgets und Gimmicks über das Kerngeschäft hinaus Kompetenz beweisen?, dachte sich in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl darbender Innenstadt-Händler ebenso wie Filialisten, die mit Formaten wie etwa „& Other Stories“ (H&M) gleich die Idee des Concept Stores als smarte, inhabergeführte Spezialisten-Adresse für Liebhaber des Speziellen konterkarierten. Wenn das Besondere jedoch zum Alltäglichen wird, verliert es seine Strahlkraft. Wo also verläuft bei Concept-Retailern die Grenze zwischen Cool und Fool?

It’s a Soul Thing

Fest steht, es bedarf einer Menge Zeit, Muße und Wissen, um ein überzeugendes Concept-Sortiment zu kuratieren. Das Sujet ist komplex, man muss interdisziplinär denken, die richtigen Schlüsse ziehen und darüber hinaus dann auch noch die passende Ware in die Regale bekommen. Schließlich gilt auch hier: Alles hängt mit allem zusammen! Richtig angegangen ausschließlich eine Arbeit für Überzeugungstäter und Visionäre also, die mit Herz und Seele bei der Sache sind und mitunter auch vor Selbstausbeutung nicht zurückschrecken.

Felix Staeudinger betreibt seit November 2015 den Düsseldorfer Store SELEKTEUR, wo er auf rund 100 Quadratmetern eine handverlesene Auswahl europäischer Produkte mit japanischen und US-amerikanischen Waren mixt. Jacken von Schott und MENIL treffen hier auf Espadrij, Kappen von Bailey und Brillen von Super, französische Seife auf holländische Designvasen und Lippenbalsam made in Maine, USA. „Ich nenne SELEKTEUR immer Warenhaus. Es ist eindeutig das schönere Wort, zumal ‚Concept Store‘ als Begriff mittlerweile viel zu kommerzialisiert ist. Was das Sortiment angeht, setze ich ganz auf Artikel, die ich auch selbst gerne kaufen würde“, sagt Staeudinger.

Eine ganz eigene Handschrift hat auch der Berliner Store Darklands, der aufgrund des strikten Foto- und Handyverbots auch als BERGHAIN unter den Concept Stores gilt. 2008 vom Kanadier Campbell McDougall gegründet, werden hier Avantgarde-Styles von unter anderem DEEPTI, GEOFFREY B. SMALL und sandrine philippe mit Kunst, Magazinen, Büchern und Homeware in einem alten, schwer zugänglichen Industriekomplex angeboten. Interessierte Kunden sollten laut Website gute zwei Stunden Zeit mitbringen, um sich mit dem Angebot adäquat auseinanderzusetzen, und deshalb am besten einen Termin vereinbaren.

The Future of Shopping

Neben SELEKTEUR, Darklands sowie Klassikern wie ANDREAS MURKUDIS (Berlin), VooStore. (Berlin), SO·TO (Berlin) und Merci (Paris) empfehlen wir dringend einen Besuch bei X BANK (Amsterdam), elPARACAIDISTA (Madrid), verso (Antwerpen) und wer-haus (Barcelona).