Hier hast du 3 Euro, kauf dir mal ein T-Shirt

Kommentar

Nina Peter
Nina Peter ©FT

Autorin: Nina Peter

Was spricht eigentlich gegen die Einführung von Schuluniformen? Die Mädchen müssten ja heute nicht mehr unbedingt Röcke tragen, sondern dürften den Errungenschaften feministischer Vorkämpferinnen auch ruhig mit Hosen huldigen. Aber einheitliche Kleidung, einheitliches Schuhwerk, einheitliche Schultaschen, die von einem Anbieter bezogen werden, selbst einheitliche Sportschuhe wären sinnvoll, schließlich haben wir in Deutschland ja namhafte Sportschuh-Hersteller, die könnten ja einfach mal Schulen ausstatten.

Es müssen nicht die englischen Schuluniformen sein, die die Kinder direkt zu kleinen Anzugträgern werden lassen, man könnte den Modegrad durchaus erhöhen und mal innovative und kreative Ideen reinholen, um eine zeitgemäße, aber uniforme Bekleidung zu entwickeln. Das wäre für alle Eltern kostengünstiger, würde morgens lange Diskussionen ersparen und nicht nur den Marken- und Kaufdruck wegnehmen, sondern auch den Blick aufs Wesentliche in der Schule lenken – und das ist nun einmal nicht die neueste Klamotte. Die kann sich nun einmal entweder nicht jeder leisten oder will es vielleicht auch nicht. Kein Wunder, dass wir so wenige Kinder in Deutschland haben, denn wer soll denn bitte deren ständig neue Klamotten bezahlen? Und eine Kaufverweigerung könnte ihnen ja sozial zum Nachteil werden. Vielleicht haben wir ja bald Mütter, die keine Kinder mehr kriegen wollen, weil sie ihnen den Verzicht auf Markenklamotten im Kindesalter nicht zumuten möchten. (Das ist natürlich eine Übertreibung.)

Was keine Übertreibung ist, ist, dass 34,60 Euro durchschnittlich als Bekleidungsgeld pro Kopf für sozial schwache Familien zwar durchaus dank der vielen sehr preiswerten Modeanbieter ausreichen können, um sich neue Sachen zu kaufen, diese aber sehr schnell wieder im Müll landen, weil sie qualitativ natürlich nicht hochwertig sind. Nun leben in Deutschland selbstverständlich nicht nur Hartz-IV-Empfänger, aber durchaus auch Geringverdiener, die ebenfalls nicht mehr Geld für Bekleidung zur Verfügung haben. Die Frage ist auch nicht, wer wie viel Geld in neue Klamotten investieren kann, sondern, ob es wirklich im Interesse einer Gesellschaft liegen kann zu motivieren, Wegwerfmode zu konsumieren. Ist es nicht auch Aufgabe einer Gesellschaft, die nachfolgenden Generationen so zu prägen, dass ihnen Nachhaltigkeit und Qualität als Begriffe nicht erst dann bekannt sind, wenn sie sich mit dem Kleiderkonsum der eigenen Kinder beschäftigen? Das Verhältnis zu Bekleidung und Konsum nimmt ja bereits in jungen Jahren Form an. Natürlich ließen sich die 34,60 Euro mittel- bis langfristig aufstocken. Es wäre aber auch möglich, sich ganzheitlich mit einem sehr negativen Phänomen unserer Zeit zu befassen – und das nennt sich Wegwerfgesellschaft.