Lust auf Leeds

Store Check

Der MKI Store in Leeds präsentiert einen eigenen Stilmix. alle Bilder ©MKI Store
Autorin: Gerlind Hector

Britische Menswear jenseits von Savile Row und Schottenkaro? Der MKI Store in Leeds, der geografischen Mitte zwischen London und Schottland, präsentiert einen eigenen Stilmix aus japanisch-amerikanischen Einflüssen in maritimem Ambiente.

Große Leidenschaft für Mode 

Lucky in Leeds wollte Vik Tailor sein, als er sich nach fünf Jahren London wieder heim in Richtung West Yorkshire aufmachte. Denn was der nordenglischen Metropole zu fehlen schien, hatte der Kreativdirektor, dessen Großvater bereits als Schneider tätig war, quasi im Gepäck: ausreichend Berufserfahrung im Interior-Bereich und eine große Leidenschaft für Mode.

Den passenden Standort fand er im zentral gelegenen Corn Exchange, einem klassizistisch anmutenden Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit großen Rundbogenfenstern, das nach aufwendigen Restaurationsarbeiten in eine moderne Shopping Mall umgebaut worden war. Ein besonderer Menswear Store passte wunderbar in die Nachbarschaft von smarten Food-, Interior- und Design-Locations und im Mai 2010 öffnete der MKI Store erst mal seine Pforten.

Preppy und clean mit maritimen Einflüssen

Ein stilisierter Anker als Firmenlogo deutet von außen bereits an, dass maritime Einflüsse durchaus vorhanden sind. Im Ladenlokal selbst sind vor allem Weiß, Blau und eine Prise Rot die vorherrschenden Farben. Auf rund 180 Quadratmetern präsentiert Vik Tailor neben dem Eigenlabel MKI auch die klassischen quer gestreiften Pullover des bretonischen Strickspezialisten SAINT JAMES, Hosen von Dickies, Accessoires von COMME des GARÇONS und Lifestyle-Magazine wie Hypebeast oder Highsnobiety.

Preppy und clean wie das Sortiment ist auch der Rest des MKI Stores gestaltet, darauf legt Vik Tailor großen Wert. Weiße Wände und Dielenboden, ein cooler Mix aus Glas, Stahl und Plexiglas, das unter anderem in den maßgeschneiderten Schaukästen die Ware ins rechte Licht rückt. „Meine Beziehungen zu guten Handwerkern und Designern waren natürlich nützlich“, erinnert sich Vik, der seinen favorisierten Stil in drei Worten zusammenfasst: „Contemporary, understated, monochrome!“

Bei der Namenswahl seines ersten eigenen Ladens ließ sich Vik Tailor übrigens von einem besonderen Stil, dem Miyuki Zoku – kurz MKI –, inspirieren, der eigentlich aus Japan stammt: Mitte der 1960er-Jahre entwickelte sich rund um die Tokioter Miyuki Street ein eigenwilliger Look, der sich am klassischen US-Ivy-League-Look anlehnte, der wiederum seinen Ursprung bei den Studenten der acht größten US-Elite-Unis hat. Clean, preppy, leicht versnobt, aber stets mit einem sportiven Twist. Vik Tailor, der Interior Design mit dem Fokus auf Lichtdesign in London studiert und unter anderem für die Menswear-Ikone Paul Smith gearbeitet hat, interpretiert das Ganze auf britisch-dezente Art und Weise.

Dank Social Media immer in Bewegung

Die immerwährende Suche nach interessanten Brands, neuen kulturellen Einflüssen und Interior-Inspirationen ist Vik Tailors täglicher Motor. Er ist quasi immer in Bewegung und kümmert sich nach Ladenschluss um den Online Store und seine Social-Media-Aktivitäten. „Das ist unser Fenster in die Welt“, betont er. „Auf diese Weise haben wir uns auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht.“

Denn auch wenn Leeds kulturell einiges zu bieten hat, so galten die Männer aus den vielen eingemeindeten Kleinstädten bislang nicht gerade als fashionaffin – was Vik Tailor zu ändern gedenkt. Dank zweier Universitäten kommen zum Glück regelmäßig junge Leute in die Stadt, die sich durchaus für Mode jenseits des Mainstreams interessieren und deswegen nicht bis nach London reisen wollen. Der MKI Store hat also eine echte Lücke gefüllt und zeigt, wie sich nationaler Geschmack perfekt mit internationalen Einflüssen verbinden lässt.