Ist Digital besser?

Onlinehandel

Retouren in dreistelliger Millionenzahl stimmen nachdenklich ©pixabay

Autorin: Nina Peter

Eine Retoure kommt selten allein. Ganz im Gegenteil. In einer Studie des EHI Retail Institutes aus diesem Jahr heißt es, dass der Modehandel die höchsten Retourenquoten im Online-Handel zu verzeichnen hat – diese liegen bei 40 bis über 60 Prozent. Die Kosten für die Bearbeitung einer Retoure – die hauptsächlich aus der Qualitätskontrolle und Identifikation der Ware besteht – liegen durchschnittlich bei etwa 10 Euro, darauf kommen noch Portokosten, da 72 Prozent der Händler diese selber tragen. Das Manager Magazin veröffentlichte im Juni 2018 in seinem Artikel „Wie amazon, zalando und OTTO mit ihren Retouren umgehen“ ähnliche Zahlen. Pakete im Rahmen einer dreistelligen Millionenzahl senden demnach einzig deutsche Konsumenten an die genannten Großhändler zurück. Auch dort stellte sich heraus, dass die Retourenquote bei Mode und Accessoires im Schnitt bei 50 Prozent liegt. Ein Allerheilmittel gegen diese Paketflut gibt es nicht. Die Artikelbeschreibungen zu optimieren, sei ein Weg, ebenso wie die in der EHI Studie erwähnte Steigerung der Kundenzufriedenheit durch beispielsweise kürzere Lieferzeiten. Diese sollen maximal 24 Stunden dauern und den zufriedenen Konsumenten dadurch dazu motivieren, häufiger im Shop zu bestellen.

Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb haben auch die Online-Giganten und im E-Commerce geborenen Unternehmen vermehrt einen Blick auf den stationären Handel geworfen. myToys, amazon, zalando (ebenfalls auch schon mit KICKZ) und EDITED sind nur einige Namen derer, die sich in den letzten Jahren mit eigenen Läden in den Städten niedergelassen haben. Scheinbar ist nur Online doch nicht so ganz attraktiv beziehungsweise geht nicht ohne Offline – und andersrum? 

Ein Gegenentwurf 

„Bye Bye Onlineshop“ heißt es auf der Website des nachhaltigen Modehändlers DearGoods, der über sechs stationäre Läden in Deutschland verfügt. Alles, was danach an Erklärungen folgt, klingt sehr einleuchtend und nachvollziehbar. Nun ist DearGoods natürlich auch im Bereich der nachhaltigen Mode tätig, aber es ist ja derzeit durchaus allgemeiner Tenor in der Branche, in irgendeiner Art und Weise „nachhaltig“ zu sein oder „nachhaltiger“ zu werden. Ein kurzer Blick auf die Zahlen der oben genannten Studien zeigt relativ schnell, dass das Hin-und-her-Schicken von Ware – was ja nicht nur innerhalb Deutschlands der Fall ist – allein aufgrund der Transportwege und des Verpackungsaufwands nicht ökologisch wertvoll sein kann. Diese Gründe haben auch DearGoods zur Schließung des Shops veranlasst – aber nicht ausschließlich. Es wird durchaus auch deutlich, dass sich das Online-Geschäft für dieses Unternehmen ebenfalls wirtschaftlich nicht so gelohnt hat, dass der Verzicht nicht durch die eigenen Stores aufzufangen wäre. Ob es sich digital tatsächlich wirklich in jedem Fall und für jeden Händler lohnt, diese Frage stellt sich schon. Vom nachhaltigen Aspekt einmal abgesehen, ist es heutzutage alles andere als leicht, sich bei Google mühsam durch die Masse der Shops nach oben zu kämpfen. Man muss Zeit, Geduld und Geld investieren und stetiges Marketing betreiben, Personal für die Abwicklung des Geschäfts bereitstellen und durchaus einen guten Plan B für die Ware haben, die sich im Shop am Ende des Tages nun doch nicht verkauft hat, aber dennoch Umsatz bringen soll.