Chance ohne Garantie

Nachgehört

„Man bereut nur das, was man nicht versucht hat." Gerhard Kränzle ©privat
Autor: Markus Oess

Kränzle? Genau, der! Gerhard Kränzle wurde 2010 Geschäftsführer und später geschäftsführender Gesellschafter des Mönchengladbacher Hosenspezialisten Atelier GARDEUR. Die Insolvenz konnte er nicht abwenden. Atelier wurde Ende 2017 verkauft. Kränzle schied aus und es wurde still um ihn. Wir haben mit ihm gesprochen – über GARDEUR, seine selbst gewählte Auszeit und seine Zukunftspläne.

FT: Herr Kränzle, Sie sind immer noch in Mönchengladbach. Meiden Sie jetzt die Alsstraße, den Firmensitz von GARDEUR?
Gerhard Kränzle: „In der Tat lebe ich immer noch in Mönchengladbach. Aber ich meide die Alsstraße natürlich nicht, bloß, was soll ich da? Ich habe da nichts mehr zu tun.“

Tragen Sie immer noch GARDEUR-Hosen?
„Ja klar! Gerade im Moment. Ich bin auf dem Weg zu einer Veranstaltung. Die Hosen passen immer noch gut.“

Würden Sie mit dem heutigen Wissen wieder bei GARDEUR einsteigen?
„Sicher, auch wenn der Gedanke müßig ist. Ich würde sicher einige Dinge anders machen. Dennoch bereue ich grundsätzlich nichts, was ich gemacht oder versucht habe. Im Gegenteil: Man bereut nur das, was man nicht versucht hat. Alles ist eine Chance, aber es gibt halt keine Garantie aufs Gelingen.“  

Sie sind jetzt ein Jahr draußen, wie ist es Ihnen seither ergangen?
„Oh, mir geht es gut, ich hatte viel Zeit nachzudenken. Eine ganz bewusste Entscheidung.“

Was haben Sie in diesem Sabbatjahr gemacht?
„Ich habe mich vornehmlich mal um mich selbst gekümmert. Manche Dinge müssen verarbeitet werden und ich habe Energie getankt. Gesundes Essen, Sport, Lesen und einfach die Seele baumeln lassen. Runterzukommen, ist gar nicht so einfach. Sie sollten es mal versuchen.“

Sie sind jetzt Unternehmensberater und sagen, dieser Job sei Ihnen zugeflogen. Wie meinen Sie das?
„Falsch, ich bin kein Unternehmensberater, ich berate Unternehmer. Aber zu dem Job kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Man hat mich gefragt.“

Und wen beraten Sie?
„Das sind ganz unterschiedliche Branchen. Ich berate einen ziemlich erfolgreichen Online-Händler, der auf die Fläche will. Ein anderer Unternehmer macht seine Geschäfte mit medizinischer Rehabilitation und hat ein überaus interessantes Sport-Konzept entwickelt. Ein weiterer Unternehmer hat eine Software entwickelt und einen Marktplatz für Anlagenbau gegründet. Jetzt ist er mit zwei großen Playern auf dem Markt zusammengegangen. Einer kam über Empfehlung, der andere bei einem Abendessen und der Nächste bei einer Reha-Behandlung, einfach so!“

Es kribbelt wieder in den Fingern, sagen Sie, warum?
„Ich spüre da einen gewissen Tatendrang aufkommen, die Kreativität und die Lust am Wirken brauchen Aktivität.“

Was würde Sie am meisten reizen?
„Da will ich mich noch nicht festlegen. Freude sollte es machen.“

Wenn Sie ein Leben außerhalb der Textilbranche wählen müssten, welchen Beruf hätten Sie dann ergriffen?
„Das ist echt schwer zu sagen, da ich meinen Beruf liebe! Das Einrichten von Wohnungen/Häusern macht mir auch sehr viel Spaß!“

Ein Berufsleben im Schnelldurchlauf

Gerhard Kränzle war das Gesicht des Mönchengladbacher Hosenspezialisten Atelier GARDEUR. Seit November 2010 als Geschäftsführer, später dann als geschäftsführender Gesellschafter. Er gab dem Unternehmen neuen Schwung, konnte aber später eine Insolvenz nicht abwenden. GARDEUR wurde im Dezember 2017 verkauft und Kränzle schied aus dem Unternehmen aus. Zuvor war er Vorstand Vertrieb bei der Rudolph Wöhrl AG und Geschäftsführer von Hettlage. Er war geschäftsführender Gesellschafter der K & P Immobilienvertriebs GmbH und arbeitete für Eckerle.