Deutsche kleiden sich sehr modern

Außenansicht

Amber aus Namibia: „Die Deutschen haben modisch einen guten Eindruck hinterlassen.“ alle Fotos ©privat
Autorin: Cordelia Albert

Vor drei Jahren war Amber (20) aus Windhoek für einige Monate als Austauschschülerin bei Sophie in Deutschland. Wir wollten wissen, wie sie den Kleidungsstil der Menschen hier erlebt hat. Sind die Deutschen modisch? Und wie sieht sie die Unterschiede zu den anderen Ländern, die sie inzwischen bereist hat?

FT: Amber, als du damals bei Sophies Familie ankamst und anfingst, deine Sachen auszupacken, kam ein schönes Kleid nach dem anderen aus deinem Koffer und dazu eine Reihe toller High Heels. Du hattest so schicke Sachen! Das ist allen – vom Modischen her – wirklich in Erinnerung geblieben. Aber wie erging es dir? Wie war dein erster Eindruck, wie die Menschen hier in Deutschland angezogen sind?
Amber: „Als ich damals nach Deutschland kam, fand ich, dass die Leute sehr sophisticated, auch sehr modisch gekleidet waren. Ich konnte sehen, dass die meisten Menschen darauf achten, was sie anziehen, und dass ihnen das wichtig ist. Insgesamt würde ich sagen, ich hatte modisch gesehen einen guten ersten Eindruck.“

Du warst dann ja fast drei Monate hier, gingst in die Schule, hast viele Menschen getroffen. Wie fandst du insgesamt den Kleidungsstil in Deutschland? Was ist dir besonders aufgefallen?
„Während meines Aufenthalts habe ich festgestellt, dass es schon ein Teil der Kultur ist, sich gut oder chic anzuziehen. Natürlich sind manche Menschen stylisher als andere und natürlich sind die Stile unterschiedlich, denn jeder hat eine andere Auffassung von Mode. Aber generell schien sich jeder bewusst zu sein, dass er repräsentabel aussehen sollte. Ich persönlich mochte es, wie sich die Leute in Deutschland kleideten.“

Was ist der Unterschied zu euch?
„In Namibia sind wir uns natürlich der Trends auch sehr bewusst, aber wir haben nicht die Vielfalt der Marken und Shops, wie ihr sie in Deutschland habt. Die Möglichkeiten bei uns sind doch etwas begrenzter. Deswegen wollte ich damals unbedingt einiges aus Deutschland mitnehmen von Kleidung und Marken, die wir nicht haben.“

Das hat dann ja auch für viel Übergepäck gesorgt … Im vergangenen Jahr bist du viel durch die Welt gereist und hast die unterschiedlichsten Länder gesehen. Was denkst du heute mit deinen Erfahrungen über den Kleidungsstil bei uns?
„Im letzten Jahr bin ich nach Amerika, Japan und Thailand gefahren. Mit dem Wissen im Gepäck, dass die USA und Japan als die topmodischsten Länder der Welt gelten, ist mir persönlich dann aufgefallen, dass das Styling in Deutschland und Japan sehr modern ist. Allerdings sind die Japaner in der Art, wie sie sich kleiden, kreativer und ausdrucksstärker als die Deutschen. Ich glaube, ihr würdet den japanischen Style ein bisschen als ,schräg‘ bezeichnen. Deutsche ziehen mehr neutrale Sachen an und Kleidung, die zusammenpasst, während die Japaner viele bunte Farben und einen ungewöhnlichen Mix tragen und es zum Beispiel gar nicht komisch finden, zwei ungleiche Socken mit Sandalen zu kombinieren. Doch beide Länder sind äußerst nah an den Trends, sehr fokussiert auf Mode und haben eine besonders große Auswahl an Shops und Marken. In den USA und in Thailand dagegen fand ich, dass sich die Menschen weniger modern anziehen und einen eher lässigeren Casual-Look bevorzugen.“

Schauen wir mal aus der anderen Perspektive: In diesem Jahr kam es zum Gegenbesuch aus der deutschen Gastfamilie: Sophie, wie hast du denn Namibia modisch erlebt?
Sophie: „Ich habe zwar auch Menschen teilweise oder komplett in traditioneller Kleidung gesehen, aber auf der anderen Seite sind gerade die meisten junge Leute sehr modern und international gekleidet. Generell ist hier alles viel bunter und farbenfroher, aber immer sehr stylish. Gute Bekleidung ist deutlich teurer als bei uns. Trotzdem sind die Menschen in Namibia oft viel schicker angezogen. Natürlich bei der Arbeit, aber auch zu Hause – ein modisches Styling mit Accessoires und High Heels gehört dazu. Und bei den Festlichkeiten, die ich erlebt habe, waren die Gäste immer ausgesprochen gut gekleidet, zum Teil viel schicker als bei uns.

Bei den Shoppingtouren fand ich dann andere Labels als bei uns, alles sehr junge und unabhängige Marken. Und die haben dann auch eine gute Qualität. Die gängigen globalen Ketten, die wir kennen, sieht man dagegen nicht.“