„Wir haben mit dem Team einen Kurs in Gebärdensprache gemacht!“

Integrationsunternehmen wasni

Wasni-Firmengründer Daniel Kowalewski mit seinem Mitarbeiter-Team. (alle Bilder ©wasni)
Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Ob körperlich beeinträchtigt oder nicht – wasni ist ein Integrationsunternehmen, das Bekleidung für jedermann bietet. Sowohl über einen Online-Shop als auch einen stationären Store sind Sweater und Hoodies auf Maß verfügbar. Ein Blick auf ein Konzept, das behinderte Menschen mit Normalsterblichen zusammenbringt.

Ausschließlich Stoffe aus bio-zertifizierter Baumwolle kommen für die Wasni-Produkte zum Einsatz.

„Wenn anders sein normal ist“ – so das Motto der Esslinger Bekleidungsmanufaktur wasni. Im Jahr 2012 kündigte Firmengründer Daniel Kowalewski seinen Job als Betriebswirt in der Industrie, um seine Idee von Inklusion zu verwirklichen. Er gründete ein Unternehmen, das Sweatshirts, Hoodies und Co fertigt und Arbeitsplätze für Menschen bietet, die es aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen oder Lernschwächen auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, um so auch Vorbild für andere Unternehmen zu sein. Heute sind bei wasni sechs Mitarbeiter mit und ohne Behinderung beschäftigt. Sie bringen gemeinsam Bekleidungsstücke auf den Weg, die den Bedürfnissen ihrer Träger voll und ganz gerecht werden. Damit nicht genug: Die sozialen Ziele verbindet wasni mit Nachhaltigkeit. Es werden ausschließlich Stoffe aus zertifizierter, fair hergestellter Bio-Baumwolle eingekauft. Die Produktion erfolgt dann in der hauseigenen Manufaktur mit angeschlossenem PoS in Esslingen, der 2015 seine Pforten öffnete. Endverbraucher haben die Möglichkeit, online und stationär Standard-Modelle einzukaufen, können jedoch auch über einen Konfigurator im firmeneigenen E-Shop ihre persönlichen Maße durchgeben und sich so ihren Hoodie oder ihr Sweatshirt auf den Leib schneidern lassen. Alternativ nimmt man auch im stationären Store individuelle Größenwünsche entgegen. Farben und Passformen können dabei frei gewählt werden, die Maßanfertigungen kosten keinen Aufpreis und sind binnen drei Wochen lieferbar. Aktuell wird daran gearbeitet, den Online-Shop, der seit anderthalb Jahren besteht, weiterzuentwickeln. Im kommenden Herbst soll ein Redesign der Website stehen, parallel treibt man Social-Media-Aktivitäten voran.

FT: Herr Kowalewski, Sie beschäftigen mitunter Menschen mit Behinderung in Ihrem Unternehmen – gibt es bestimmte Herausforderungen, die sich dadurch im Tagesgeschäft stellen?
Daniel Kowalewski: „Mittlerweile nicht mehr. Herausfordernde Situationen, die sich bei uns ergeben, gibt es in jeder anderen Firma auch, zum Beispiel wenn ein Fehler passiert oder plötzlich Mitarbeiter zeitgleich krank sind. Anfangs war es nur etwas schwierig, als wir eine gehörlose Mitarbeiterin eingestellt hatten. Wir konnten nicht mit ihr sprechen und haben uns eigene Gebärden einfallen lassen. Dann haben wir mit dem gesamten Team einen Kurs in Gebärdensprache gemacht. Seitdem klappt die Kommunikation sehr viel besser. Arbeiten ist das eine, man möchte doch aber auch wissen, wie es einer Person geht oder das Wochenende war. Es ist sehr schön zu sehen, wie gut Unterhaltung jetzt bei uns funktioniert. Unsere gehörlose Mitarbeiterin möchte zum Beispiel sofort immer erfahren, worüber sich zwei Personen unterhalten, wenn sie den Raum betritt.“

Endverbraucher können sich nach einem Baukasten-Prinzip ihre individuellen Produkte zusammenstellen.

Wer kauft bei Ihnen ein?
„Unsere Zielgruppe ist sehr breit gefächert. Frauen und Männer kaufen gleichermaßen bei uns ein. Da wir Stoffe aus Bio-Baumwolle verarbeiten und hierzulande auch selbst nähen, ziehen wir zum einen Konsumenten an, die an Nachhaltigkeit interessiert sind. Zum anderen gibt es viele Menschen, die in die Normgrößen konventioneller Hersteller nicht hineinpassen. Wir können da als Anbieter von alltagstauglicher Bekleidung auf Maß Abhilfe schaffen. Letztendlich fühlen sich auch Endverbraucher von wasni angesprochen, die sich gerne individuell kleiden. Neben den Größen kann man bei uns auch Farben und Designs selbst bestimmen.“

Sind Ihre Mitarbeiter speziell geschult, um den Wünschen Ihrer Ladenkunden entgegenzukommen?
„Nein. Man muss allerdings dazu sagen, dass unsere Mitarbeiter sehr umgänglich und qualifiziert sind. Wir sind ein verhältnismäßig kleines Unternehmen, der Store ist an unsere Manufaktur angeschlossen, in der genäht wird. Das heißt, wenn Kunden den Laden betreten, kommt nicht selten ein Mitarbeiter in den Verkaufsraum, der auch mit Nähen beschäftigt ist. Die Beratungskompetenz ist dann natürlich sehr hoch. In der Regel haben wir im Laden bereits sehr viele Größen verfügbar. Wenn nötig, helfen wir jedoch auch mit den Maßen, so schon einmal Rollstuhlfahrern, die ihre Bekleidung für den Oberkörper gerne im Rücken länger haben.“

In der Esslinger Manufaktur werden Sweats und Hoodies in Eigenregie gefertigt.

Welches Feedback erhalten Sie von Ihren Kunden?
„Wir haben wirklich sehr tolle Kunden. Ich hatte zunächst Sorge, dass nach den ersten Bestellungen ein sogenannter Einmal-Effekt eintreten würde. Tatsächlich haben wir mittlerweile sehr viele Stammkunden. Auf Wunsch speichern wir ihre Maße in unserem System ab, sodass diese für Einkäufe immer wieder abrufbar sind. Unsere Kunden sind sehr froh über diese einzigartige Möglichkeit, ihre Maße können wir dabei auch jederzeit anpassen. Wir haben mittlerweile um die 1.000 Newsletter-Abonnenten. Über eine Umfrage haben wir in Erfahrung gebracht, dass uns wirklich sehr viele Menschen weiterempfehlen würden. Ein schönes Lob haben wir unter anderem von einer sehr erfahrenen Näherin erhalten. Diese meinte, sie hätte an unserem Produkt wirklich keinen Fehler entdecken können, es sei alles sehr gut verarbeitet.“

www.wasni.de